St. Galler Quartier: Kommen 85 Meter hohe Hochhäuser?
Das Quartier Lerchenfeld soll sich in den nächsten Jahren stark verändern. Hochhäuser von bis zu 85 Metern sind dabei möglich.

Die Stadt St. Gallen hat ein Entwicklungsleitbild für das Lerchenfeld vorgelegt. Das rund zehn Hektar grosse Gebiet liegt zwischen der Zürcher Strasse und der Fürstenlandstrasse und ist heute gemischt genutzt – mit Gewerbe, Detailhandel und kleinteiligem Wohnen.
Stadtrat Markus Buschor und Stadtplaner Florian Kessler haben das Leitbild vorgestellt.
Fast dreimal so viel Fläche
Heute umfasst das Lerchenfeld rund 65’000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche. Das Leitbild zeigt, wie daraus langfristig rund 185’000 Quadratmeter werden können.
Davon wären etwa zwei Drittel für Arbeit und ein Drittel für Wohnen vorgesehen. «Der Schwerpunkt soll weiterhin beim Arbeiten liegen», so Buschor.
Bereits heute prägen zwei wichtige Arbeitgeber das Gebiet. Die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) ist seit Langem ansässig.

Dazu kam das ehemalige Tagblattgebäude aus dem Jahr 1966, in dem heute der Switzerland Innovation Park Ost seinen Sitz hat. Dieser Innovationspark will sich weiter ausbreiten.
Ein Baugesuch liegt bereits vor, wie dem Entwicklungsleitbild der Stadt St. Gallen zu entnehmen ist.
Zwei zentrale Ideen
Das Leitbild baut auf zwei räumlichen Grundgedanken auf. «Erstens das sogenannte Campus-Band, ein multifunktionaler Strassenraum, der die Gebäude erschliesst und verbindet, Begegnungsorte schafft und als Anknüpfungspunkt für die Erweiterung des Innovationsparks dient», sagt Stadtplaner Florian Kessler.
Zweitens ein zusammenhängender Grünraum entlang des Burgweier- und des Moosbachs. «Dieser soll der Natur und der Erholung dienen und den bestehenden Parkweg verlängern, der künftig die Innenstadt mit dem Westen der Stadt verbindet.»
Das Lerchenfeld gilt heute als mit Freiräumen unterversorgt. Mit dem Grünraum sollen pro Raumnutzenden etwa sechs Quadratmeter Freifläche entstehen.
Das erarbeitete Leitbild soll laut Buschor und Kessler einen Orientierungsrahmen für die kommenden 20 Jahre bilden. Auch Baupläne oder -vorhaben gibt es noch keine.
Nur: «Es gibt konkrete Gespräche mit einigen Grundeigentümerinnen und Grundeigentümern für eine Umzonung», sagt Kessler, der jedoch nicht mehr verraten wollte.
Hohe Gebäude möglich
Neubauten können grundsätzlich bis zu 45 Meter hoch werden. In besonderen Fällen sind Hochpunkte zwischen 45 und 85 Metern möglich. In St. Gallen gelten Bauten über 45 Meter als Ausnahme.
Sie werden nach dem Stadtraumkonzept von 2023 nur an wenigen, klar definierten Standorten als sinnvoll eingestuft. Die Gebäude entlang der Zürcher Strasse und der Fürstenlandstrasse sollen so platziert werden, dass künftig Alleen entstehen können.
Neuer Bahnhof als Impuls
«Ein wesentlicher Treiber der Entwicklung ist der geplante Doppelbahnhof Bruggen-Haggen», sagt Stadtrat Markus Buschor während der Vorstellung des Entwicklungsleitbilds und fügt an: «Wir planen den Perimeter Lerchenfeld bereits jetzt, damit wir zügig loslegen können, wenn der Bahnhof da ist.»
Die Zusammenlegung der beiden bestehenden Bahnhöfe Bruggen und Haggen rückt eine S-Bahn-Haltestelle näher an das Lerchenfeld heran. Das Lerchenfeld hat bereits heute grösstenteils oEV-Güteklasse A – ist also ÖV-technisch sehr gut erschlossen.

Wohnbauten im Lerchenfeld sollen deshalb auf autoarme Nutzung ausgerichtet werden, mit weniger als 0,5 Parkplätzen pro Wohnung. Das Mobilitätskonzept der Stadt sieht vor, dass der motorisierte Individualverkehr nicht weiter wächst.
Beteiligte Grundeigentümer
«Das Leitbild wurde in einem mehrstufigen Verfahren erarbeitet», wie Buschor weiter erklärte. Nach einer Startsitzung Ende 2024 folgten mehrere Workshops mit Grundeigentümerschaften und dem Einwohnerverein Bruggen.
«Fast alle befragten Eigentümerschaften gaben an, konkrete Entwicklungsabsichten zu haben oder zumindest Interesse daran zu haben», so Buschor.
Zu den beteiligten Unternehmen als Grundeigentümerschaften gehören unter anderen die Paul Hasler AG, die Hastag St. Gallen Bau AG, die Empa, Lidl Schweiz AG und Aldi über die Ceterum Helvetia AG.
Nächste Schritte
Das Leitbild bildet die Grundlage für die laufende Ortsplanungsrevision der Stadt. Eine vorgezogene Umzonung für einzelne Teilareale werde geprüft.
«Die Entwicklung soll schrittweise und weitgehend unabhängig auf den einzelnen Grundstücken erfolgen, ohne vorgeschriebene Reihenfolge», sagt Kessler.
Hinweis
Dieser Artikel ist zuerst in den «St. Galler Nachrichten» erschienen.








