BAG warnt vor voreiligen Schlüssen bei kantonalen Grippezahlen
In einigen Kantonen sind doppelt so viele Menschen von der Grippe betroffen wie in anderen. Doch laut dem Bund spiegeln diese kantonalen Zahlen nicht zwingend die Realität wider.

So wurden dem Bundesamt für Gesundheit vergangene Woche schweizweit 18,65 Grippefälle je 100’000 Einwohnerinnen und Einwohner gemeldet. In den Kantonen Jura (42.8) und Basel-Stadt (36.8) waren die Zahlen aber rund doppelt so hoch. Der Kanton Basel-Stadt gehört seit Beginn der Grippewelle zu den Spitzenreitern.
«Die gemeldeten Zahlen hängen nicht nur von der tatsächlichen Grippeaktivität ab, sondern auch von der Wahrscheinlichkeit der Entdeckung der Fälle», hiess es aber vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Die gemeldeten Grippe-Fallzahlen der Kantone seien daher nicht mit der tatsächlichen Häufigkeit der Erkrankung gleichzusetzen.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Grippefall entdeckt und gemeldet wird, ist laut BAG von verschiedenen Faktoren abhängig. Ein wesentlicher Aspekt ist demnach das Verhalten der Erkrankten: Nicht alle, die an Grippe erkranken, suchen einen Arzt auf. Wer die Krankheit zu Hause auskuriert, wird nicht getestet und bleibt somit unberücksichtigt in der Meldung der laborbestätigten Fälle.
Darüber hinaus variieren die Teststrategien der verschiedenen Gesundheitseinrichtungen. Je nach Einrichtung und Schwere der Symptome gibt es unterschiedliche Vorgehensweisen, was beeinflusst, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein meldepflichtiger Labortest gemacht wird.
Auch die Altersstruktur eines Kantons spielt laut dem BAG eine entscheidende Rolle: Ältere Personen haben in der Regel einen schwereren Verlauf und benötigen eher ärztliche Betreuung, fliessen also eher in die Statistik mit ein.
Die tatsächliche Zahl der Grippefälle in einer Region wird jedoch auch von weiteren Faktoren beeinflusst. Das BAG verweist hier auf das Sozialverhalten und die Zusammensetzung der Haushalte. So sind beispielsweise Personen, die häufig mit anderen in Kontakt kommen, oder Haushalte mit Kindern, einem höheren Risiko ausgesetzt, Grippeviren zu übertragen. Auch die Mobilität der Bevölkerung spielt eine Rolle: Pendler haben eine höhere Wahrscheinlichkeit, sich mit Grippeviren anzustecken, als diejenigen, die ihre Zeit hauptsächlich zu Hause verbringen.
Ausserdem spielt die Immunität einer Bevölkerungsgruppe, sowohl durch vergangene Grippeerkrankungen als auch durch Impfraten, eine Rolle.






