Bademeister alarmiert: «Schon 11-Jährige drohen und beleidigen uns»

Karin Aebischer
Karin Aebischer

Vallorbe,

Die Bademeister des Freibads von Vallorbe JU schlagen Alarm: Immer mehr Eltern lassen ihre Kinder unbeaufsichtigt und immer öfter werden Jugendliche ausfällig.

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Die Bademeister von Vallorbe schlagen Alarm: Respekt und Verantwortung hätten in ihrem Freibad (Bild) abgenommen. - Screenshot Facebook

Das Wichtigste in Kürze

  • Aurélie Vilanova arbeitet seit zehn Jahren im Schwimmbad von Vallorbe JU.
  • Was aktuell passiert, habe sie noch nie erlebt. Beleidigungen sind Alltag geworden.
  • Vor allem Jungs zwischen 11 und 17 Jahren würden sich so verhalten. Die Badi greift durch.

Die Badesaison ist erst fünf Wochen alt – doch im Freibad von Vallorbe JU haben bereits drei Jugendliche Hausverbot für diesen Sommer erhalten.

«Normalerweise sind wir erst ab Mitte Juli mit solchen Problemen konfrontiert. Dieses Jahr hat es aber schon früher begonnen», sagt Aurélie Vilanova, Verantwortliche des Freibads in Vallorbe zu Nau.ch.

Mit Problemen meint die Rettungsschwimmerin Beleidigungen und Drohungen gegenüber dem Personal der Badi. «Wir haben schon Morddrohungen erhalten, wenn wir einem Jugendlichen sagten, er solle sich zuerst duschen», erzählt sie. Oder es heisse: «Ich tue deiner Mutter was an oder warte beim Ausgang auf dich.»

Das betreffe vor allem Buben-Gruppen im Alter von 11 bis 17 Jahren. «Wenn sie alleine kommen, sind sie harmlos. Aber in der Gruppe ist das dann was ganz Anderes. Schon 11-Jährige drohen und beleidigen uns», so Vilanova.

Weil sie nicht tolerieren will, dass ihre Kolleginnen und Kollegen unter solchen Bedingungen arbeiten müssen, führt in Vallorbe nun jedes unangemessene Verhalten zum sofortigen Ausschluss für die gesamte Saison. «Ohne Rückerstattung des Abos oder des Eintrittsgeldes».

Denn Gewalt jeglicher Art habe im Schwimmbad keinen Platz.

Gibt es in deiner Badi auch oft Radau?

Gleichzeitig betont Aurélie Vilanova, dass immer zuerst die Diskussion mit den Jugendlichen gesucht werde. «Aber wenn wir dann nur beleidigt werden, ziehen wir Konsequenzen.»

Aufruf auf Facebook löst Mega-Echo aus

Deshalb hat sie den Aufruf zu mehr Respekt und Verantwortung auch auf Facebook veröffentlicht. Das Echo ist immens. Über 1400 Personen haben den Beitrag geliked und mehr als 140 Personen haben einen Kommentar abgegeben.

Unter den Kommentaren sind sehr viele wohlwollende, die den Bademeistern Mut machen, ihnen gratulieren und für ihre Arbeit danken. «Das geht einem dann richtig ans Herz», so Vilanova.

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Vor allem in Gruppen seien die Jugendlichen ausfällig. Alleine seien sie ganz anders, sagt die Bademeisterin aus dem Jura. - keystone

Es sei schade, dass eine Minderheit so viele Nerven und Aufwand koste, so die Badi-Chefin. «Wir haben grundsätzlich sehr treue und angenehme Gäste, die uns wohlgesinnt sind.» Zudem sei die Badi ja ein Ort für Spass und Erholung – das passe nicht zu Aggressionen und Drohungen.

Immerhin: Auf Sicherheitspersonal mussten sie noch nie zurückgreifen. «Das war bisher nie nötig, wir können es immer selber regeln.» Das sei ein Unterschied zu vielen Badis in Frankreich, wo die Situation viel schlimmer sei.

Die Badi im jurassischen Porrentruy hatte letztes Jahr schon durchgegriffen und keine Französinnen und Franzosen mehr ins Bad gelassen.

Eltern lassen Baby (18) allein im Wasser

Doch nicht nur die Jugendlichen bereiten Aurélie Vilanova und ihrem Team Sorgen. Auch die Eltern, die nicht mehr zu ihren Kindern schauen, schockieren immer wieder von Neuem.

Die Eltern würden die Verantwortung voll und ganz den Bademeistern abgeben. «Sie sagen uns, dass das ja unser Job sei. Sie seien hier, um sich zu entspannen.»

Wie erlebst du Eltern von Kleinkindern in der Badi?

Vilanova hat haarsträubende Fälle erlebt. «Am Sonntag hat eine Mutter ihr 4,5 Jahre altes Kind mit einer Schwimmweste allein im Wasser gelassen. Es sei so ja in Sicherheit, meinte sie, als wir ihr das Kind brachten.»

Sogar ein 18 Monate altes Baby hätten Eltern allein im Kinderbecken zurückgelassen – und dann das Kind gerügt, als die Bademeister es ihnen vorsetzten. Vilanova sagt: «Das ist leider unser Alltag.»

Kommentare

User #1439 (nicht angemeldet)

Vergleiche zu früher gelten hier als Rassismus.

User #6308 (nicht angemeldet)

Schon recht, man will das Problem halt nicht ansprechen. Nichts neues leider in dieser Hinsicht.

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