Asiatische Hornisse da – «Eliminierung nicht realistisch»

Marino Walser
Marino Walser

Stadt St. Gallen,

Im Kanton wurden die Asiatische Hornisse und deren Nester gefunden. Ein Experte räumt ein: Die Ausrottung ist nicht mehr möglich.

Die Asiatische Hornisse ist im Kanton St. Gallen angekommen
Die Asiatische Hornisse wurde im Kanton St. Gallen bereits mehrmals gesichtet. Nun reagiert der Kanton. Gar eine Taskforce wurde eingerichtet. - Adobe Stock

Sie ist schwarz, sie ist gefrässig und sie breitet sich rasend schnell aus. Die Asiatische Hornisse hat den Kanton St. Gallen erreicht.

Mehrere Tiere wurden in den letzten Wochen gemeldet, zwei Nester in Balgach und der Stadt St. Gallen mussten bereits von Fachleuten entfernt werden. Das teilt der Kanton mit. Und das ist erst der Anfang.

Meldungen aus fünf Gemeinden

Balgach, Goldach, Oberuzwil, Neckertal, St. Gallen. Überall dort wurde die eingewanderte Hornissenart in diesem Sommer nachgewiesen. 2024 war das erste Nest im Kanton aufgetaucht, jetzt häufen sich die Fälle im Wochentakt.

Asiatische Hornisse
Die Asiatische Hornisse hat den Kanton St. Gallen erreicht. (Symbolbild) - keystone

Besonders brisant, die Völker sind gerade daran, von ihren gut sichtbaren Primärnestern in riesige Sekundärnester umzuziehen. Diese hängen meist hoch oben in Baumkronen und sind kaum zu entdecken.

Eliminieren ist nicht mehr möglich

Adrian Weidmann vom kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei erläutert im Gespräch mit den St. Galler Nachrichten die aktuelle Situation.

Auf die Frage, ob eine Ausrottung der Asiatischen Hornisse noch möglich sei, sagt er: «Aufgrund der Biologie der Asiatischen Hornisse und ihrer bereits fortgeschrittenen Ausbreitung ist eine vollständige Eliminierung derzeit nicht realistisch. Durch die konsequente Suche und Bekämpfung der Nester kann ihre Ausbreitung jedoch verlangsamt werden. Dadurch lässt sich Zeit gewinnen, um Schutzmassnahmen für Honigbienen, Wildbienen und die einheimische Biodiversität weiterzuentwickeln und umzusetzen.»

Bis zu 600 Jungköniginnen

Auf die möglichen Folgen einer weiteren Ausbreitung angesprochen, weist Adrian Weidmann darauf hin, dass insbesondere schwächere Bienenvölker durch die Asiatische Hornisse stark unter Druck geraten können.

Er sagt: «Sollten Imkerinnen und Imker aufgrund des zunehmenden Drucks durch die Asiatische Hornisse die Imkerei aufgeben, könnte dies langfristig Auswirkungen auf die Bestäubungsleistung haben. Dies würde sich insbesondere in Regionen mit einer hohen Abhängigkeit von der Bestäubung durch Honigbienen, beispielsweise im Obstbau, bemerkbar machen.»

Hast du schon mal eine Asiatische Hornisse entdeckt?

Die Asiatische Hornisse jagt neben Honigbienen auch Wildbienen und weitere Insekten. Mit zunehmender Ausbreitung kann sich der Jagddruck auf diese Insekten erhöhen und damit Auswirkungen auf die Biodiversität und Bestäubungsleistungen haben.

Im Unterschied zur einheimischen Hornisse erreicht die Asiatische Hornisse deutlich höhere Nestdichten. Während von der einheimischen Hornisse in der Regel etwa ein Nest pro Quadratkilometer vorkommt, können in stark besiedelten Gebieten der Asiatischen Hornisse über zehn Sekundärnester pro Quadratkilometer entstehen.

Aus einem einzigen Nest können im Herbst mehrere hundert Jungköniginnen hervorgehen, die im folgenden Jahr neue Völker gründen.

Reaktion anstatt Prävention

Auf den Vorwurf, die Behörden hätten zu spät auf die Asiatische Hornisse reagiert, sagt Adrian Weidmann: «Es ist nachvollziehbar, dass Fragen zum Umgang mit der Asiatischen Hornisse gestellt werden. Der Kanton St. Gallen hat sich bereits vor dem ersten Nachweis auf ein Auftreten vorbereitet. Die Situation und die getroffenen Massnahmen in anderen Kantonen oder Ländern kann ich nicht beurteilen.»

Weiter betont Weidmann, dass bei invasiven Arten der Schwerpunkt auf Prävention sowie einer möglichst frühen Erkennung und Bekämpfung neuer Vorkommen liegen müsse. «Je früher eine invasive Art entdeckt wird, desto grösser sind die Erfolgsaussichten, ihre Ausbreitung zu verlangsamen oder lokal einzudämmen.»

Die Asiatische Hornisse habe sich jedoch bereits in weiten Teilen Westeuropas etabliert. Aufgrund ihrer Biologie und Ausbreitungsdynamik lasse sich ihre weitere Ausbreitung nicht vollständig verhindern.

Umso wichtiger seien eine konsequente Nestsuche, die Bekämpfung bestätigter Nester und die Mithilfe der Bevölkerung bei der Meldung von Sichtungen.

Taskforce eingerichtet

Der Kanton hat seine Vorbereitungen in den vergangenen Jahren schrittweise ausgebaut. Bereits im Frühling 2025 wurden rund 40 Imkerinnen und Imker geschult, um ihre Bienenstände zu überwachen und die Nestsuche zu unterstützen.

Asiatische Hornisse Bekämpfung Kurse
Eine Nahaufnahme der Asiatischen Hornisse. (Archivbild) - keystone

Zudem wurde eine Taskforce eingerichtet und im kantonalen Budget sind Mittel für die Bekämpfung der Asiatischen Hornisse vorgesehen. Die Koordination der Nestsuche sowie die Organisation der Nestentfernungen erfolgen derzeit durch die kantonale Koordinationsstelle Neobiota.

Sollte die Zahl der Nester in den kommenden Jahren deutlich zunehmen, müssten die verfügbaren Ressourcen gezielt eingesetzt werden, erklärt Adrian Weidmann: «Falls die Ausbreitung weiter zunimmt, wird eine Priorisierung der Bekämpfung notwendig. Der Fokus dürfte dann insbesondere auf Naturschutzgebieten und Siedlungsräumen liegen, da eine flächendeckende Bekämpfung mit vertretbarem Aufwand kaum mehr möglich wäre. Gleichzeitig werden Massnahmen zum Schutz und zur Stärkung der Honigbienenvölker an Bedeutung gewinnen.»

Für den Menschen ist die Asiatische Hornisse grundsätzlich nicht gefährlicher als die einheimische Hornisse. Wie bei anderen Faltenwespen können Stiche jedoch schmerzhaft sein und bei Personen mit einer Insektengiftallergie gesundheitliche Komplikationen verursachen.

So erkennt man das Insekt

Fast der ganze Körper ist schwarz, die Hinterleibsspitze leuchtet orange-gelb, auffällig sind zudem die gelben Beine. Wer ein solches Tier oder ein Nest entdeckt, soll ein Foto machen und den Fund mit möglichst genauer Ortsangabe auf www.asiatischehornisse.ch melden.

Von Selbstversuchen rät der Kanton dringend ab. Nester dürfen ausschliesslich von Fachpersonen entfernt werden.

Hinweis

Dieser Artikel ist zuerst in den «Bodensee Nachrichten» erschienen.

Kommentare

User #4832 (nicht angemeldet)

Ist wie bei den Drüsenameise Tapinoma Magnum, Magnum des wie eine Waffe klingt…..einer Bio Waffe vielleicht?

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