Arbeitslosenkassen kehren zum Normalbetrieb zurück
Entwarnung bei den Arbeitslosenkassen: Die technischen Probleme im Zusammenhang mit der Systemumstellung Anfang Jahr sind laut dem Seco grösstenteils behoben. Es brauche aber noch weitere Verbesserungen.

Anfang Jahr hatte die Umstellung des Auszahlungssystems ASAL für grosse Turbulenzen gesorgt: Technische Störungen und ein lahmendes System sorgten für Rückstau bei der Bearbeitung von Anträgen. Arbeitslose mussten auf ihre Taggelder warten, die Mitarbeiter der Kassen schoben Überstunden abends und am Wochenende.
Nun vermeldet das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) eine Normalisierung der Situation: Seit Ende Juni seien alle schwerwiegenden IT-Probleme gelöst und die Auszahlungen seien auf Kurs, sagte Jérôme Cosandey, Leiter der Direktion für Arbeit beim Seco, an einer Medienkonferenz am Donnerstag anlässlich der neuesten Arbeitslosenzahlen.
Anfang Jahr seien oft noch technische Probleme Schuld gewesen, wenn Personen auf ihre Arbeitslosengelder hätten warten müssen. Inzwischen seien die meisten Fälle aber nicht mehr darauf zurückzuführen, sondern auf fehlende Unterlagen, komplexe Fälle oder gesetzlich vorgeschriebene Wartefristen wie etwa in Fällen, in denen die Person selbst gekündigt habe.
«Ich schliesse nicht aus, dass es auch mal technische Gründe hat, aber das ist sehr selten», so Cosandey. Komplexe Fälle hätten schon immer mehr Zeit in Anspruch genommen, auch bereits vor der Umstellung.
In einigen Fällen könnten aber die Systemturbulenzen indirekt noch nachwirken: So hätten etwa viele Kassen ihre Schalterzeiten und die Telefonzeiten eingeschränkt, um mehr Zeit für die Fallbearbeitung freizuschaufeln. Dadurch könne es passieren, dass eine arbeitslose Person ihren Berater schlechter erreiche.
Um die Arbeitslast zu bewältigen, haben die Kassen auch zusätzliches Personal eingestellt. Im Vergleich zum Budget für dieses Jahr betrage die Zunahme ungefähr 15 Prozent oder 280 Personen, so Cosandey.
Allerdings sei schwierig zu sagen, welcher Anteil davon auf den Zusatzaufwand infolge der Systemumstellung entfalle und welcher auf den Anstieg der Arbeitslosigkeit. Denn auch dieser erfordere einen Personalaufbau. In diesem Juli waren über 139'000 Personen arbeitslos gemeldet, im Vorjahresmonat waren es noch 10'000 weniger gewesen. Dies entspricht einer Arbeitslosenquote von 3,0 Prozent.
Insgesamt sei die Normalisierung bei den Arbeitslosenkassen nun im Gang, ausreichende Reserven seien allerdings noch nicht vorhanden, ergänzte Urban Camenzind, Urner Regierungsrat und Präsident der Volkswirtschaftsdirektoren-Konferenz (VDK).
Der Frage nach personellen Konsequenzen erteilte er eine Absage: «Das hilft der Sache am Schluss nichts». Die Umstellung sei schliesslich umgesetzt worden, auch wenn es ein schwieriger Weg gewesen sei. «Wenn wir nichts daraus lernen würden, das wäre schlecht.» Nach dem Projektabschluss, der für Ende Jahr geplant sei, werde ein Abschlussbericht analysieren, was man besser hätte machen können, kündigte Cosandey an.
«Wir bedauern ausserordentlich, dass es diese Situation gegeben hat», erklärte er weiter. Ausgerechnet in einer bereits schwierigen Lebensphase seien zusätzliche Ängste und Probleme ausgelöst worden. Die Mitarbeitenden seien sich dessen bewusst gewesen und hätten viele Überstunden geleistet, um dies zu lösen.
Camenzind und Cosandey lobten sowohl die Zusammenarbeit zwischen dem Seco, den Kantonen und den Kassen als auch diejenige mit dem IT-Partner. Bei Ausschreibungen des Bundes würden allerdings jeweils auch Konventionalstrafen festgehalten. Seien nach Projektabschluss zu viele Mängel offen, so würde die Strafe fällig und der Anbieter müsse die Mängel beheben.
Beide betonten zudem, dass die Umstellung bitter nötig gewesen sei: Damit wurde ein 30 Jahre altes System abgelöst. «Einige Fälle mussten teilweise ausserhalb des Systems, mit Excel, bearbeitet werden», sagte Camenzind. Das habe zu einer uneinheitlichen Anwendung des Rechts und Fehlern geführt. So sei etwa der gleiche Fall in der Ostschweiz anders behandelt worden als in Bern. Dies sei auch von der Eidgenössischen Finanzkontrolle kritisiert worden.
Das neue System schaffe neue Transparenz und unterstütze komplexe Berechnungen sowie eine schweizweit einheitliche Rechtsanwendung. Es müsse aber noch benutzerfreundlicher werden. Das System solle nun weiter verbessert und Prozesse vereinfacht werden.






