Stadt Basel

Angriff auf Chauffeur im Bus – er packt Pfefferspray aus

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Basel,

Ein Basler Bus-Chauffeur verteidigte sich mit einem Pfefferspray gegen einen Angreifer. Er fordert, dass stets in jedem Nachtbus ein Security-Mitarbeiter ist.

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Ein Basler Nachtbus-Chauffeur wehrte sich mit einem Pfefferspray gegen einen Angreifer. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Basler Bus-Chauffeur wurde angegriffen und verteidigte sich mit einem Pfefferspray.
  • Er wirft den BVB vor, die Fürsorgepflicht nur mangelhaft wahrzunehmen.
  • Weil die BVB ihn nicht schützen, müsse er es selbst tun, so der Chauffeur.

Angriffe auf das ÖV-Personal häufen sich seit einiger Zeit. Gegenüber der «Basler Zeitung» schildert ein Nachtbus-Chauffeur einen Angriff. Und er fordert Massnahmen.

Er sei im November um vier Uhr morgens in Basel unterwegs gewesen. Nach einer Toilettenpause sei ein junger Mann, der schon zuvor negativ aufgefallen war, auf ihn zugekommen. Dieser habe ihm eine Frage gestellt, die er nicht verstanden habe.

Daraufhin sei der Fahrer beschimpft worden: «Die Brillenwichser, ich schlage dich kaputt», habe der Angreifer gesagt. Als der junge Mann einsteigen wollte, sagte der Chauffeur, er solle sich «verpissen, sonst würde ich die Polizei rufen».

Und damit eskalierte die Situation vollends: Der Mann näherte sich dem Chauffeur, dieser griff zum Pfefferspray, um sich zu verteidigen. Der Angreifer legte sich die Jacke über den Kopf und schlug wild um sich. Der Angestellte der Basler Verkehrs-Betriebe warf sein Getränk und setzte den Pfefferspray erneut ein.

Schliesslich kam eine weitere Person, womöglich ein Türsteher eines nahen Clubs, hinzu und stiess den Angreifer weg. Und wenig später kam die Polizei. Der Chauffeur erstattete Anzeige und musste wegen einer Verletzung an der Hand in den Notfall.

Nur fünf Security-Mitarbeitende im gesamten BVB-Nachtnetz

Er geht nun mit seiner Geschichte an die Öffentlichkeit, um auf das Thema hinzuweisen und Forderungen zu stellen: «Auf dieser Fahrt hätte ein Security dabei sein sollen, dann wäre dieser Vorfall nie passiert. Doch so wurde ich mit dem Tod bedroht.» Er wirft den BVB vor, ihrer Fürsorgepflicht mangelhaft nachzukommen.

Doch Sicherheitsmitarbeitende sind freitag- und samstagnachts bereits unterwegs, wie die BVB mitteilen. Weil es aber nur fünf Securitys für das gesamte Nachtnetz sind, könne nicht stets in jedem Fahrzeug eine Person sein. Indem das Sicherheitspersonal umsteige und die Linien wechsle, wolle man eine möglichst hohe Präsenz generieren.

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Weitere Sicherheitsmassnahmen für die Angestellten umfassen die Kameras, die in jedem Fahrzeug installiert sind. In bedrohlichen Situationen informiere zudem die Leitstelle die Polizei. Und das Personal werde bezüglich deeskalierender Verhaltensweisen geschult.

Chauffeur: Fühlte mich wie auf der Anklagebank

Für den angegriffenen Chauffeur reichen diese Massnahmen nicht aus, weshalb er selbst den Pfefferspray besorgt hat. «Wenn die BVB mich nicht schützen, muss ich es halt tun.» Er fordert, dass die Security-Mitarbeitenden in jedem Bus des Nachtnetzes präsent seien. Und auch in den Abendstunden soll es an Brennpunkten Sicherheitspersonal haben.

Die Kritik des Chauffeurs an seinem Arbeitgeber betrifft auch die Zeit nach dem Vorfall: In der Nacht selbst sei vorschriftsgemäss reagiert worden. Ein Careteam wurde aufgeboten, es betreute den Fahrer.

Doch danach habe die HR-Abteilung arbeitsrechtliche Massnahmen prüfen wollen. «Ich habe keine Ahnung weshalb, vielleicht will man mir verbieten, mich mit Pfefferspray zu schützen.» Und: «Dieser Druck macht mich mental kaputt.»

Er habe sich gefühlt, als sässe er auf der Anklagebank. Der Arbeitgeber habe ihm nicht den Rücken gedeckt. Auch deswegen war der Chauffeur sechs Wochen krankgeschrieben.

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