Abnehmpillen sind auf dem Vormarsch – auch in der Schweiz?
Traumgewicht dank Tablette? In den USA boomt eine neue Generation von Medikamenten – schon bald könnten sie auch in der Schweiz zugelassen werden.

Das Wichtigste in Kürze
- In den USA wurde erstmals eine Abnehmpille zugelassen.
- In der Schweiz liegt ein Antrag bei Swissmedic vor.
- Muskelschwund ist ein grosses Risiko.
Pillen statt Spritzen: Im Januar hat die amerikanische Arzneimittelbehörde FDA erstmals eine Abnehmpille zugelassen. Bereits zehn Wochen danach nutzen rund 400'000 Amerikaner täglich die neue Wegovy-Tablette. Ein rasanter Start, der jedoch erst den Anfang markieren dürfte.
Eine weitere Abnehm-Pille befindet sich derzeit im Prüfverfahren der FDA und kommt voraussichtlich im April auf den US-Markt. Darüber hinaus sind zahlreiche weitere Präparate in klinischer Entwicklung, wie unter anderem «CNN» berichtet.
In der Schweiz sind die Medikamente bislang nur in Form von Injektionen zugelassen. Doch auch hier könnte sich bald etwas ändern.
Wann kommt das Medikament nach Europa?
Laut einem Bericht des «Tagesanzeigers» könnte bereits in diesem Jahr eine erste Abnehmpille auf den hiesigen Markt gelangen. Demnach liegt bei Swissmedic ein Zulassungsantrag für ein entsprechendes Medikament des Pharmaunternehmens Eli Lilly vor. Allerdings nicht für die Wegovy-Tablette.
Erste Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse: Testpersonen mit Adipositas verloren mit der Wegovy-Pille im Durchschnitt 13,5 Prozent ihres Körpergewichts innerhalb von 64 Wochen. Rund ein Drittel der Teilnehmenden nahm sogar mindestens 20 Prozent ab.
Wegovy gehört dabei zur Gruppe Der sogenannten GLP-1-Medikamente. Diese Wirkstoffe regulieren den Blutzuckerspiegel und fördern das Sättigungsgefühl, wodurch sie die Gewichtsreduktion unterstützen.
Muskelschwund als unterschätztes Risiko
Ein wesentliches Problem beim Abnehmen bleibt jedoch der Verlust von Muskelmasse. Zwar kann gezieltes Krafttraining diesem Effekt entgegenwirken, doch in der Praxis gelingt das nicht immer.
Susanne Maurer leitet das Zentrum für Adipositas- und Stoffwechselmedizin in Winterthur. Sie beobachtet das Phänomen regelmässig. Die Expertin sagt zum «Tagesanzeiger»: «Bei vielen Patienten ist der Muskelschwund wirklich dramatisch. Ich sehe Patienten, die nicht mehr aus dem Stuhl aufstehen können.»
Langfristig könne dies gravierende Folgen haben: Betroffene drohten im Alter frühzeitig pflegebedürftig oder sogar bettlägerig zu werden. Als Reaktion darauf entwickeln Pharmaunternehmen bereits Medikamente, die bei einem Gewichtsverlust gezielt den Muskelerhalt fördern.
Experten warnen vor Lifestyle-Nutzung
Fachleute betonen, dass die Medikamente in erster Linie für Menschen mit Adipositas oder schweren Stoffwechselerkrankungen entwickelt wurden. Ihr Einsatz als Lifestyle-Produkt zur schnellen Gewichtsreduktion birgt gesundheitliche Risiken.
Maurer mahnt zur Vorsicht: «Wir kennen mögliche Langzeitwirkungen noch nicht.» Entscheidend bleibt daher eine ärztlich begleitete Anwendung. Diese soll neben der Gewichtsabnahme auch Aspekte wie den Erhalt der Muskelmasse, ausreichend Bewegung und gesunde Ernährung berücksichtigen.












