800 ehemalige Verdingkinder setzen in Bern Zeichen der Solidarität

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    Bern,

    In Bern sind am Samstag 800 ehemalige Verdingkinder und andere Missbrauchsopfer zusammengekommen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. 11'000 von ihnen haben inzwischen eine offizielle Anerkennung für das erlittene Leid und einen Solidaritätsbeitrag erhalten.

    Ausstellung zum Schicksal der Verdingkinder in der Schweiz: Der Bund prüft zurzeit weitere 470 Gesuche für Solidaritätsbeiträge zur Wiedergutmachung. (Archivbild)
    Ausstellung zum Schicksal der Verdingkinder in der Schweiz: Der Bund prüft zurzeit weitere 470 Gesuche für Solidaritätsbeiträge zur Wiedergutmachung. (Archivbild) - sda - KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

    Die meisten Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen seien heute alt und gebrechlich. Gerade auch während der Corona-Pandemie sei für diese vulnerablen Menschen ein Zusammenkommen unmöglich gewesen, viele seien isoliert und einsam gewesen, teilte die Guido Fluri Stiftung als Urheberin der Wiedergutmachungsinitiative zum Treffen mit.

    Es sei deshalb wichtig gewesen, alle Betroffenen nochmals zusammenzubringen und ein starkes Zeichen der Solidarität zu setzen, wird Guido Fluri in der Mitteilung zitiert.

    Die Wiedergutmachungsinitiative hat im Parlament zu einem Gegenvorschlag und damit zu einer umfassenden Aufarbeitung der fürsorgerischen Zwangsmassnahmen geführt. Heute hätten 11'000 Betroffene eine offizielle Anerkennung für das erlittene Leid sowie einen Solidaritätsbeitrag von je 25'000 Franken erhalten.

    Über Jahrzehnte sei das Unrecht an den Verdingkindern und anderen Opfern verschwiegen und begangenes Unrecht von Gesellschaft und Politik tabuisiert worden. Viele Betroffene seien ausgegrenzt worden oder schämten sich ihrer Geschichte.

    «Wenn ich daran denke, dass vor ein paar Jahren noch nur wenige von ihrer Geschichte erzählt haben, ist dies ein tolles Zeichen dafür, dass sich etwas verändert hat», wird Nationalratspräsidentin Irène Kälin (Grüne/AG) zitiert. Sie habe grosse Hochachtung vor diesen Menschen. Jede Geschichte sei ein Zeugnis von Ungerechtigkeit und habe das Versprechen verdient, dass dies nie wieder geschehe.

    Die Praxis der so genannten fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen hat bis in die 1980er-Jahre enormes Leid über die Betroffenen gebracht. Vor allem Menschen, die den früheren gesellschaftlichen und moralischen Wertvorstellungen nicht entsprachen, arm oder randständig waren, seien Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen und Fremdplatzierungen geworden.

    Zehntausende Kinder seien auf Bauernhöfen verdingt worden, in Heimen seien Missbrauch und Misshandlungen weit verbreitet gewesen. Menschen seien zwangsadoptiert oder etwa ohne Gerichtsurteil administrativ versorgt worden. Auch Zwangssterilisationen seien dokumentiert.

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