5 Fragen an UBS-CFO Tuckner: Was war mit «irreführend» gemeint?
Das UBS-Management kritisiert das Vorgehen des Bundesrats in der Diskussion über verschärfte Eigenmittelanforderungen scharf. UBS-Finanzchef Todd Tuckner sagte am Mittwoch im Interview mit der Nachrichtenagentur AWP, warum Aussagen der Regierung aus Sicht der Grossbank irreführend gewesen seien. Derweil hätten die Aktienmärkte mittlerweile eine diplomatische Lösung im Iran-Krieg eingepreist, und mit Blick auf die Private-Credit-Krise beobachtet die UBS mögliche Kreditrisiken bei Kunden oder in den Geschäftsbereichen sehr genau.

AWP: Vergangene Woche ist der Bundesrat der UBS mit seinen finalen Vorschlägen zur verschärften Kapitalregulierung in einigen Punkten entgegengekommen.
Todd Tuckner: Auch wenn bei der Verordnung Anpassungen vorgenommen wurden, erachten wir das Paket als extrem, nicht zielführend und international nicht abgestimmt. Es reflektiert auch nicht die Lehren aus der CS-Krise. Sollte das ganze Paket so umgesetzt werden wie aktuell vorgeschlagen, müssten wir weitaus mehr Kapital halten als unsere Mitbewerber. Dies würde unsere Wettbewerbsfähigkeit verringern und zu höheren Kosten führen – nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kunden und die Schweizer Wirtschaft.
AWP: Die UBS sprach von irreführenden Aussagen des Bundesrats. Was ist damit gemeint?
TT: Aus unserer Sicht enthielt die Ankündigung letzte Woche mehrere irreführende Elemente. Der wichtigste Punkt betrifft die Höhe des benötigten Kapitals. Alle Parteien, einschliesslich der Behörden, sind sich weitgehend einig, dass UBS insgesamt 22 Milliarden US-Dollar an zusätzlichem Eigenkapital vorhalten müsste, wenn die Massnahmen in der aktuellen Form in Kraft treten. Trotzdem stellt die Regierung in den Vordergrund, dass die UBS nach heutigem Stand lediglich noch Kapital in der Höhe von 9 Milliarden aufbauen müsste, weil wir nach der CS-Übernahme bereits Risiken abgebaut und unsere Bilanz bereinigt haben.
AWP: Die UBS macht die weiteren Aktienrückkäufe in diesem Jahr von der Kapitaldiskussion abhängig, wobei der parlamentarische Prozess bis ins nächste Jahr hineingehen könnte. Dennoch haben Sie angekündigt, anlässlich der Zahlenvorlage zum zweiten Quartal Ende Juli zu informieren, wie viele Rückkäufe es im zweiten Halbjahr geben wird.
TT: Auch wenn der parlamentarische Prozess bis zum Zeitpunkt der Präsentation unserer Q2-Resultate noch nicht abgeschlossen sein dürfte, erwarten wir, dass wir bis dann mehr Klarheit haben werden, in welche Richtung die Ausgestaltung der Regulierung gehen wird.
AWP: Es gibt Stimmen, die sagen, die Krise am Private-Credit-Markt könnte – gerade auch wegen der engen Verzahnung der Banken – zu einer neuen Finanzkrise führen. Teilen Sie die Sorge?
TT: Der Markt funktioniert nach wie vor, und wir sehen bisher nur anekdotischen Stress am Private-Credit-Markt, sowohl bei unseren Kunden als auch in verschiedenen Geschäftsbereichen. Wir beobachten jedoch die Kreditrisiken weiterhin sehr genau. Nur etwa 0,5 Prozent unserer Gesamtbilanz entfallen auf Kredite an Private-Credit-Fonds, und dieses Exposure ist gut diversifiziert und besichert.
AWP: Wie hat sich der Nahost-Konflikt auf das Geschäft der UBS ausgewirkt?
TT: Die Märkte haben im Grossen und Ganzen eine kurzfristige diplomatische Lösung der Krise am Golf eingepreist. Deshalb haben sich die Aktienmärkte im Allgemeinen auch wieder auf das Niveau von vor dem Krieg erholt. Aber auch wenn die Kundenaktivität weiterhin robust ist, bleiben die Risiken erhöht. Die Bedingungen könnten sich rasch ändern.










