ZMK: Wo Bern wieder lachen lernt
In der Zahnklinik der Uni Bern geht es um mehr als Kronen und Implantate. Prof. Martin Schimmel will Menschen Lebensqualität und ihr Lächeln zurückgeben.

Eine Zahnklinik als Paradies? Prof. Dr. med. dent. Martin Schimmel meint das durchaus ernst. In der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Gerodontologie der Universität Bern geht es um weit mehr als Kronen, Brücken und Implantate: es geht darum, Menschen Lebensqualität, Sicherheit und ihr Lächeln zurückzugeben.
«Hallo, ich bin Martin», begrüsst uns der Professor ganz unkompliziert, als er uns im Wartebereich in Empfang nimmt. Und während wir den Gang entlanggehen, vorbei an diversen Behandlungszimmern und Büros, fügt er mit einem Schmunzeln an: «Willkommen in unserem Paradies!»
Der Fotograf und ich werfen uns einen fragenden Blick zu – eine Zahnklinik mit einem Paradies zu vergleichen, dünkt uns nun doch ziemlich mutig. Aber wir sollten bald merken: es ist was dran, an dieser Aussage.
Kronen, Brücken und Prothesen
Wir befinden uns in der Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Gerodontologie der Universität Bern, gleich vis-à-vis des Inselspitals. Hier lernen Studierende der Zahnmedizin, wie Kronen, Brücken und herausnehmbare Prothesen angepasst und eingesetzt werden.

An den zmk bern werden aber auch Zahnfleischerkrankungen, Karies, Zahnverschleiss, Zahnverlust oder Probleme mit dem Kiefergelenk behandelt. Kurz: alles, was Menschen dabei hilft, wieder besser kauen, sprechen und lachen zu können.
Zähne sind weit mehr als Ästhetik
«Genau darum geht es uns», sagt Prof. Schimmel. «Wir wollen alltagstaugliche, hochwertige zahnmedizinische Lösungen anbieten. Lösungen, die nicht einfach nur schön aussehen, sondern den Menschen wirklich Lebensqualität zurückgeben.»
Zähne, betont er, seien weit mehr als ein ästhetisches Detail. «Natürlich spielen sie für das Aussehen eine grosse Rolle. Aber sie sind auch entscheidend für die Verdauung, weil die Nahrung im Mund vorbereitet wird. Und sie sind enorm wichtig für die soziale Interaktion.»
Besonders im Alter werde das Thema nochmals zentraler. «Wenn jemand nicht mehr richtig essen kann, verliert er ein grosses Stück Lebensqualität», sagt Schimmel. «Gerade für ältere Menschen ist Essen oft eine der wenigen Freuden, die bleibt.»
Viel Wissen unter einem Dach
In den zmk der Universität Bern sind fünf Professuren untergebracht: Zahnerhaltung, Präventiv- und Kinderzahnmedizin, Oralchirurgie und Stomatologie, Rekonstruktive Zahnmedizin und Gerodontologie, Parodontologie sowie Kieferorthopädie.
«In komplexen Fällen arbeiten wir natürlich zusammen», erklärt er. «Wir tauschen uns aus, teilen unsere Erfahrungen und suchen gemeinsam nach der besten Lösung.» Diese Nähe sei ein grosser Vorteil. «Man hat hier sehr viel Wissen unter einem Dach.»
Internationale Beachtung findet dieses Wissen ebenfalls: Im Shanghai-Ranking 2025 belegt die Universität Bern in Zahnmedizin den 4. Platz und ist damit die bestplatzierte Universität im deutschsprachigen Raum. «Rankings sind zwar schön», sagt der Zahnmediziner und lächelt.
«Aber entscheidend ist, was am Behandlungsstuhl passiert.» Dabei setzt die Klinik auf modernste Geräte, aktuelle Methoden und Forschung, die möglichst direkt den Patientinnen und Patienten zugutekommt.
Modell für Zahnmedizinstudierende
Eine Besonderheit der Klinik ist weiter, dass geeignete Patientinnen und Patienten im Rahmen der Ausbildung von Zahnmedizinstudierenden behandelt werden können. Die Behandlung erfolgt durch Studierende im Masterstudium, die bereits eine dreijährige Grundausbildung absolviert haben.
Alle Arbeitsschritte werden von ausgebildeten Zahnärztinnen und Zahnärzten kontrolliert. Bei anspruchsvolleren Situationen stehen Oberärztinnen und Oberärzte unterstützend zur Seite. «Niemand wird hier einfach allein gelassen», betont Schimmel.

Gleichzeitig brauche es Geduld. «Eine solche Behandlung dauert länger als in einer Privatpraxis. Wer zu uns kommt, muss zeitlich flexibel sein.» Je nach Aufwand könne sich eine Behandlung über mehrere Monate erstrecken.
Preislich interessant
Finanziell kann eine Behandlung durch Studierende interessant sein: Die zahnärztlichen Leistungen werden zu einem deutlich reduzierten Taxpunktwert verrechnet. «Für gewisse Patientinnen und Patienten ist das eine gute Möglichkeit», sagt Schimmel.
«Aber nicht jeder Fall eignet sich dafür. Wir müssen immer schauen: Ist die Situation vom Schwierigkeitsgrad her passend?» Denn die hohen Kosten von Zahnbehandlungen in der Schweiz führen dazu, dass sich manche im Ausland behandeln lassen.
Schimmel versteht das, warnt aber vor vermeintlich günstigen Lösungen. «Ich würde das nicht empfehlen», sagt er deutlich. «Wir hatten schon Fälle, in denen gesunde Zähne überkront wurden und das so schlecht, dass am Ende alles neu gemacht werden musste.»
Das sei dann oft viel teurer. Hinzu komme die Nachsorge. «Wer schaut zu einem, wenn es Komplikationen gibt?», fragt er. «Eine Zahnbehandlung ist nicht einfach mit dem Einsetzen einer Krone oder eines Implantats abgeschlossen.» Genau das werde bei günstigen Angeboten im Ausland oft unterschätzt.
Eigenverantwortung
Aber warum sind Zahnbehandlungen in der Schweiz überhaupt so teuer? Und warum sind sie nicht in der Grundversicherung enthalten? Schimmel erklärt es nüchtern: «Ein grosser Teil der Zahnprobleme ist vermeidbar. Wir sprechen hier zu einem sehr hohen Anteil von Eigenverantwortung: Zähneputzen, Ernährung, Zucker.»
Genetische Ursachen gebe es zwar, «aber sie machen nur einen kleinen Teil aus». Dazu komme, dass in einer Rechnung nicht nur die Arbeit der Zahnärzte stecke. «Rund die Hälfte der Kosten verursacht die Zahntechnik», erklärt er. «Das sind hochpräzise Handwerksbetriebe mit Schweizer Löhnen.»
Seine Klinik arbeite ausschliesslich mit Berner Laboren. Auch stecke in einer Behandlung sehr viel Fachwissen: Fachzahnärzte hätten mindestens acht Jahre studiert. Gerade deshalb könne sich der Besuch auch für eine Zweitmeinung lohnen.
«Wer vor einer grösseren Operation steht oder unsicher ist, ob eine Brücke oder ein Implantat sinnvoller ist, kann sich bei uns beraten lassen», sagt Schimmel. Manchmal gebe es mehrere Wege zum Ziel. «Wichtig ist, dass die Lösung zur Person passt: zur medizinischen Situation, aber auch zum Alltag, zum Alter, zu den Erwartungen und zu den finanziellen Möglichkeiten.»
INFO
Zahnmedizinische Kliniken der Universität Bern (ZMK)
Wer sich an die Klinik für Rekonstruktive Zahnmedizin und Gerodontologie wenden möchte, kann ohne Voranmeldung zur Erstabklärung in die Poliklinik kommen:
Jeweils Montag, Mittwoch und Freitag von 8.00 bis 9.30 Uhr. Eine Zahnärztin oder ein Zahnarzt beurteilt die Situation und bespricht die nächsten Schritte. Das Angebot eignet sich auch für alle zahnmedizinischen Notfälle in der Erstaufnahme der zmk bern von Montag bis Freitag, 7.45 bis 11.15 Uhr (ohne Termin).
Für Abklärungen zu Behandlungen durch Studierende in den Masterstudiengängen:
Tel. 031 684 06 30
Zahnparadies
Während unseres Rundgangs wird klar: Hier geht es nicht nur um Zähne, Technik und Lehrpläne. Es geht auch um Haltung. Um Sorgfalt. Um Freude am Beruf. «Unsere grösste Motivation ist, immer noch besser zu werden», sagt Schimmel.
«Wir wollen das neuste Wissen umsetzen und unseren Patienten damit Lebensqualität zurückgeben.» Es ist kein Paradies, weil hier Bohrer, Instrumente und Behandlungsstühle stehen.
Sondern weil hier Menschen arbeiten, die anderen Menschen etwas zurückgeben wollen, das im Alltag oft erst dann auffällt, wenn es fehlt: unbeschwert essen, sprechen, lachen. Und vielleicht ist das, zumindest für eine Zahnklinik, tatsächlich schon ziemlich nah am Paradies.








