Daniel Koch: «Diese Krankheit schockierte mich als Student»

Daniel Koch
Daniel Koch

Bern,

«Im Medizinstudium zu lernen, dass kleine Kinder sterben, ist hart», schreibt unser Kolumnist Daniel Koch. Es geht um die Cystische Fibrose.

Daniel Koch
Daniel Koch schreibt auf Nau.ch regelmässig Kolumnen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Daniel Koch war zwischen 2008 und 2020 BAG-Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten.
  • Auf Nau.ch schreibt Koch regelmässig Kolumnen.
  • Heute schreibt Koch über die Cystische Fibrose – und deren Folgen.

Als ich vor über 40 Jahren in Bern mein Medizinstudium absolvierte, schockierte mich als jungen Studenten vor allem eine Krankheit: die Cystische Fibrose.

Die Cystische Fibrose (CF), auch Mukoviszidose genannt, ist die häufigste schwere Erkrankung in der Schweiz, die vererbt wird. Statistisch gesehen betrifft sie ungefähr jedes 2000ste Neugeborene.

Die CF gehört zu den Erkrankungen des Stoffwechsels, was eigentlich ganz harmlos tönt. Aber: Als die Krankheit vor sechzig Jahren erstmals beschrieben wurde, überlebten die Kinder kaum das Säuglingsalter. Zu stark wurden die Lungen und Verdauungsorgane durch zähen Schleim und bakterielle Infektionen geschädigt.

Im Medizinstudium zu lernen, dass kleine Kinder sterben, ist hart. Und auch traurig. Schockierend ist die Erkenntnis, dass die Patienten dann später dank Therapien und Antibiotika nicht mehr im Kleinkindalter sterben, sondern erst als Teenager oder junge Erwachsene.

Büsser lebt seit seiner Geburt mit Stoffwechselkrankheit

Das war in den 90er Jahren die brutale Realität. Junge Patienten kämpften sich jahrelang (mit unzähligen Klinikaufenthalten) hustend, kurzatmig und kränkelnd durch die Schulzeit, ohne die Aussicht, je das Erwachsenenleben zu erreichen.

Kennen Sie Stefan Büsser? «Büssi», bestbekannter Schweizer Komiker (41) und Entertainer, ist eines dieser Kinder.

Wäre da nicht der medizinische Fortschritt.

Vor etwas mehr als zehn Jahren wurden die ersten Medikamente entwickelt, welche bei vielen CF-Patienten fast alle Symptome zum Verschwinden bringen.

Stefan Büsser
Stefan Büsser steht seit Jahren als Comedian auf der Bühne. - PIXXPOWER.photography/Renato Richina

Moderne Medikamente im Einsatz

Heilen kann man die Krankheit zwar immer noch nicht. Es handelt sich um genetische Defekte. Aber: Man kann mit diesen modernen Medikamenten die Stoffwechselfehler korrigieren.

Schon bei der Geburt werden heute alle Säuglinge auf die Gendefekte getestet – und so kann die Therapie früh begonnen werden. Das sind unglaubliche Fortschritte der Medizin, die mich ganz persönlich tief berühren und erfreuen. Davon profitiert heute glücklicherweise auch «Büssi».

Natürlich geht es an niemandem spurlos vorbei, wenn man sich ein ganzes Leben lang immer mit seinem baldigen Ende vor Augen von Jahr zu Jahr «angelt».

Der Gedanke, die Zukunft betreffe wohl nur die anderen, ist toxisch. Und doch holt er früher oder später jeden ein.

Daraus eine abendfüllende Comedy–Show zu formen, wie es Büsser macht, braucht nicht nur Mut, sondern auch eine gehörige Portion Selbstironie. Falls Sie Humor haben, lohnt sich seine Vorstellung auf jeden Fall. Und wenn Sie keinen Humor haben, dann geniessen Sie die allabendliche Comedy-Show von Donald Trump auf den gängigen Fernsehkanälen.

«Cystische Fibrose Schweiz» feiert Jubiläum

Am 2. Mai 2026 feierte «Cystische Fibrose Schweiz», die Hilfsorganisation für betroffene Familien, ihr 60-jähriges Bestehen. Gemeinsam mit Betroffenen, Angehörigen, Fachpersonen, Wegbegleitenden und Partnerorganisationen blickte sie auf sechs Jahrzehnte Engagement für Menschen mit Cystischer Fibrose zurück.

Achtest du auf deine Gesundheit?

Auch dank Organisationen, die sich für Betroffene und Kranke einsetzen. Verständnis und Mitgefühl fördern, entsteht medizinischer Fortschritt.

Dies natürlich nicht nur im Bereich der eher seltenen Krankheiten, wie der Cystischen Fibrose, sondern auch in vielen anderen Gesundheitsbereichen: Krebsligen, Selbsthilfeorganisationen wie die «Aids Hilfe Schweiz», all die Organisationen, die über Krankheiten aufklären und die Gesundheitsprävention fördern.

Gesundheit eines der wertvollsten Güter

All diese oft freiwilligen Arbeiten tragen wesentlich zu Verbesserungen der Volksgesundheit bei.

Zum Autor

Daniel Koch war zwischen 2008 und 2020 Leiter der Abteilung Übertragbare Krankheiten beim Bundesamt für Gesundheit (BAG). Er ist der Öffentlichkeit als «Mister Corona» bekannt und schreibt regelmässig Kolumnen auf Nau.ch. Koch lebt im Kanton Bern.

Gesundheit ist wohl eines der wertvollsten Güter, die uns zur Verfügung stehen. Also sollten wir dazu Sorge tragen, so gut es geht.

Kommentare

User #3688 (nicht angemeldet)

Wenn man Objektiv sein will, muss man auch die Gegenseite kennen. Viele weigern sich aber bei Krankheiten, dass zu tun und winken andere Erkenntnisse als Schwurbelei ab. Koryphäe auf dem Gebiet sind dann plötzlich Skeptiker und Influencer ohne Abschluss auf Epidemiologien die Experten. Glaubt ihr nicht? War kürzlich so.

User #3785 (nicht angemeldet)

Vielleicht mit Masken versuchen. Die helfen nämlich gegen Viren

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