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Welche Fehler machen Hundehalter am meisten, Simon Brenca?

Peter Widmer
Peter Widmer

Bern,

Simon Brenca feiert mit seinen drei Border Collies Erfolge im Agility. Im Gespräch erzählt der Berner, was hinter dem Hundesport steckt.

Simon Brenca
Simon Brenca widmet sich mit seinen drei Border Collie-Mädels Cute, Take und Sign einem in der Schweiz noch eher unbekannten Hobby: dem Hundesport Agility. - Daniel Zaugg

Der 42-jährige Berner Wirtschaftsinformatiker Simon Brenca hat sich einem in der Schweiz noch weitgehend unbekannten Hobby verschrieben: dem Hundesport Agility.

Mit seinen drei Border Collie-Mädels Cute, Take und Sign durfte er an nationalen und internationalen Wettbewerben Erfolge feiern. Was es mit Agility auf sich hat, verrät er im Gespräch mit dem BärnerBär.

BärnerBär: Simon Brenca, wie sind Sie buchstäblich auf den Hund gekommen?

Simon Brenca: Was war zuerst: das Ei oder das Huhn? Wollte ich Agility betreiben oder wollte ich einen Hund? Es kam eigentlich beides zusammen.

Als Kind litt ich unter einer Fellallergie und wurde dann mit Wellensittichen vertröstet, was allerdings nicht ganz meinem Wunsch entsprach. Die Allergie verschwand mit zunehmendem Alter und mit 18 Jahren legte ich mir meinen ersten Hund zu, den Australian Sheperd Ayla.

Simon Brenca
Simon Brenca: «Man kann Agility mit dem Springreiten vergleichen.» - Daniel Zaugg

Es brauchte viel Überzeugungskraft beim Züchter, denn er glaubte, dass es sich bei einem 18-Jährigen bloss um einen zeitlich begrenzten Wunsch handeln könne. Mit Ayla betrieb ich erstmals Agility-Sport und erlebte mit ihr unzählige Erfolge.

Ayla war mir eine Lehrmeisterin fürs Leben und führte mich ins Reich der Hunde und in die Welt des Hundesports ein.

BärnerBär: Umschreiben Sie bitte in wenigen Worten, was der Hundesport Agility umfasst!

Brenca: Man kann Agility mit dem Springreiten vergleichen. Es geht darum, einen Parcours mit Hindernissen möglichst schnell und fehlerfrei zu absolvieren. Ich gebe dem Hund dabei lediglich Handzeichen und verbale Kommandos.

BärnerBär: Warum wollten Sie nicht bloss Hundehalter sein, sondern betreiben mit den Tieren Agility?

Brenca: Meine drei Border Collies sind sehr aktive Hunde, sie wollen beschäftigt werden, sowohl physisch als auch psychisch. Sonst wären sie unterbeschäftigt und es träten Probleme auf.

Sie würden sich Beschäftigungen suchen, die nicht unbedingt in unserem Sinne wären! Die Hunde müssen ihrer Rasse entsprechend ausgelastet werden. Border Collies sind prädestiniert als Hütehunde für Schafherden.

BärnerBär: Welche Hunde eignen sich besonders für diesen Sport, welche nicht?

Brenca: Agility kann grundsätzlich mit jeder Rasse betrieben werden. Wichtig sind die Ansprüche der Menschen. Agility teilt sich in verschiedene Kategorien auf: Vom kleinen bis zum grossen Hund gibt es «small, medium, intermediate und large».

Das ermöglicht die Ausübung dieser Sportart für viele Rassen. Geht man dann aufs Niveau von Europa- und Weltmeisterschaften gibt es bevorzugte Rassen, dazu gehörtder Border Collie aufgrund seines Körperbaus und seiner Genetik.

Er ist sehr wendig und agil, was für diesen Sport von Vorteil ist. Deutsche Schäferhunde mit ihren Vorerkrankungen oder Dackel eignen sich beispielsweise eher weniger für Agility.

Agility
Bei Agility geht es darum, einen Parcours mit Hindernissen möglichst schnell und fehlerfrei zu absolvieren. - Daniel Zaugg

Agility ist ein Abnützungssport, das muss man einfach wissen. Als Trainer und Leistungsrichter legen wir aber grossen Wert darauf, den Sport für die Tiere so schonend wie möglich zu betreiben.

Übergewichtige oder ungesunde Hunde haben in diesem Sport aber nichts verloren, egal auf welchem Niveau, ob zum Vergnügen oder auf Wettkampfstufe. Die Kräfte, die auf das Tier einwirken, sind immer gleich.

BärnerBär: Sie betreiben in Münsingen mit Ihrer Schule SBAgility nicht nur Agility, sondern auch Ausbildung und Weiterbildung. Worin bestehen diese Tätigkeiten?

Brenca: Ich bilde die Hundehalter aus, damit sie mit ihren Hunden Agility-Sport betreiben können. Ich biete keine Grunderziehungskurse oder Begleithundeausbildung an.

BärnerBär: Wodurch unterscheiden sich Ihre Schulungen von den konventionellen Hundetrainings für Welpen?

Brenca: Bei diesen Trainings geht es um Sozialisierung, Leinenführung usw. Gewiss, es geht auch bei meinen Kursen um möglichst frühen Beziehungsaufbau, dann aber kommen einzelne Geräte zum Einsatz, die bei Agility üblich sind.

Hunde
Hunden werden beim Agility lediglich Handzeichen und verbale Kommandos gegeben. - Daniel Zaugg

BärnerBär: Ab welchem Hundealter kann Agility betrieben werden?

Brenca: Eigentlich beginnt das Training, sobald der Hund einzieht, also mit 12 bis 13 Wochen. Aber das hat noch nichts mit dem Sport zu tun. Wir beginnen, spielerisch eine Beziehung aufzubauen – kurz: Alles, was für einen Welpen gesund, interessant und nötig ist.

Er lernt dabei erst mal unsere Körpersprache kennen, um nur ein Beispiel zu nennen. An die Geräte lassen wir die Hunde frühestens ab einjährig, aber noch auf tiefem Niveau, denn wir warten, bis das Tier vollständig ausgewachsen ist und die Knochen stabil sind.

PERSÖNLICH

Simon Brenca wurde am 11. August 1984 geboren und wuchs im Liebefeld auf. Er absolvierte die 4-jährige Grundbildung als Mediamatiker EFZ und bildete sich 2013 erfolgreich zum Bachelor of Science in Wirtschaftsinformatik FH weiter. Heute ist er als System-Ingenieur und Projektleiter tätig.

2015 gründete er seine Agility-Schule «SB Agility» in Münsingen. Seit 2019 ist er Agility-Richter auf nationaler Ebene und im Frühjahr 2022 konnte er nach über 3000 gerichteten Hunden den Status zum internationalen FCI-Agility-Richter beantragen und darf seither im In- und Ausland richten. Simon Brenca ist ledig und wohnt im Liebefeld.

BärnerBär: Welche Erfahrungen machen Sie zu Beginn Ihrer Agility-Trainings?

Brenca: Bei unseren Kursen haben wir drei Trainingsplätze nebeneinander. Wir haben also eine hohe Ablenkungsrate. Ein junger Hund ist oft überfordert von allen für ihn noch fremden Eindrücken.

Dort setzen wir an und versuchen, das Interesse des Tieres auf uns zu fixieren, damit er die Aktivitäten links und rechts nicht mehr beachtet. Wenn ich feststelle, dass der Hund aufgrund seines «Vorlebens» noch nicht so weit ist, müssen wir woanders beginnen.

BärnerBär: Wo?

Brenca: Dann muss zuerst an der Basis gearbeitet werden, beispielsweise mit einer konventionellen Hundeschule.

Würdest du gerne einmal Agility mit deinem Hund ausprobieren?

BärnerBär: Welche Fehler werden von Hundehaltenden am häufigsten begangen?

Brenca: Wenn diese nicht wissen, wie man den Hund nach vollbrachter Leistung belohnt. Das Tier macht alles für den Menschen und wird dann nicht angemessen belohnt, das berührt und ärgert mich.

BärnerBär: Und welche Anerkennung ist angemessen?

Brenca: Bevor sich der Hundehalter nach der Leistung seines Tieres den Menschen zuwendet, sollte er den Hund loben, mit ihm spielen. Auch hier gilt: «Der Ton macht die Musik!» Auch ein «Goodeli» ist eine Möglichkeit, Lob auszudrücken, verbunden mit den richtigen Worten.

Simon Brenca
Mit seinen drei Border-Collie-Mädels Cute, Take und Sign durfte Simon Brenca an nationalen und internationalen Wettbewerben Erfolge feiern. - Daniel Zaugg

BärnerBär: Möchten Sie nicht das Hobby zum Beruf machen?

Brenca: Es gab eine Zeit, während der ich ein grösseres Trainingspensum bewältigte, reduzierte dieses dann aber wieder.

Nein, wenn ich dieses mir liebgewordene Hobby zum Beruf machen würde, verlöre ich mein Hobby und es würde zur Existenzfrage, die Freude und Leidenschaft blieben wohl grösstenteils aus. Es ist gut so wie es ist!

BärnerBär: 2023 nahmen Sie am Talent-Wettbewerb «Stadt-Land-Talent» von SRF1 teil. Was brachte Ihnen diese Teilnahme?

Brenca: Es war eine gute, wenn auch nicht alltägliche Erfahrung. In der Regel bestreitet mein Lebenspartner bei Fernsehauftritten die Shows auf der Bühne, währenddem ich im Hintergrund wirke. Beim SRF-Talentwettbewerb war es umgekehrt. Ich habe auf Einladung von SRF teilgenommen.

INFO

DAS HELVETIC AGILITY MASTERS 2026

21. – 23.8.26, Swiss Dog Arena, Dammweg 1h, 3110 Münsingen

• Grösster Schweizer Agility-Event mit rund 400 Agility-Teams aus fast 25 Nationen.

• In 3 verschiedenen Wettbewerben werden die besten Teams gesucht.

• Teams der Klasse 3 (höchste Klasse) laufen gegeneinander: Helvetic Agility Master HAM.

• Teams der Klassen 1 und 2 bilden den Helvetic Novice Cup HNC.

• Finals von HAM und HNC, welche in Small & Medium und Intermediate & Large aufgeteilt sind.

• Am 23.8.26 Mannschaftssport. Mit dem Helvetic Team Cup formieren sich Mannschaften zu je 4 Teammitgliedern. Die 10 besten Mannschaften qualifizieren sich für das Finale.

• Artistisches Rahmenprogramm mit verschiedensten europäischen Show-Acts aus den Genres Dogdance, Dog-Frisbee, Jonglage, Handstand-Akrobatik usw.

Besucherinnen und Besucher sind herzlich willkommen und geniessen freien Eintritt.

BärnerBär: Was erachten Sie zurzeit als grösste Herausforderung?

Brenca: Es ist immer wieder eine Herausforderung, mein Wissen als Trainer so zu vermitteln, dass es die Kursteilnehmenden in der Praxis anwenden können. Ich bilde ja nicht die Hunde aus, sondern die Menschen, damit sie mit ihren Tieren Agility betreiben können.

Das Training lebt von der Wiederholung; ein Hund benötigt für eine Übung mehrere Durchläufe, bis sie «sitzt». Ein Trainingsblock bei mir dauert sechs Wochen, in der Regel je eine Stunde lang.

Ich merke jeweils, ob die Hundehalterin zwischen den Trainingsstunden zu Hause mit ihrem Hund trainiert oder nicht.

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