Roland Zoss lässt Kinder in die Welt von Paul Klee eintauchen
Auch mit 75 Jahren sieht Künstler Roland Zoss die Welt mit Kinderaugen. Sein neues Bilderbuch führt junge Leserinnen und Leser in die Welt von Paul Klee.

Über 25 Jahre dämmerte sie dahin, in einer Schublade und wartete auf ihren grossen Einsatz: Die Idee zur Klee Fee. Nun darf die kleine Figur mit ihrem Farb-Zauberpinsel über die Seiten des neusten Kinderbuchs von Roland Zoss fliegen.
Inspiriert durch die bunten Bilderwelten von Paul Klee hat der Berner Autor und Songwriter eine Fantasiereise geschaffen, die das Mädchen Sophie im Museum in die Kunstwerke von Paul Klee eintauchen lässt.
Mit Klee Fee reist sie nach Tunesien, Ägypten und auf den Niesen, trifft einen rosa Elefanten und Klees Kater Bimbo.
Was lange währt, wurde nun endlich farbig
Doch von vorn: Die Geschichte beginnt mit einem Museumsbesuch im Zentrum Paul Klee, vor dem der Autor das Buch sichtlich stolz präsentiert. Schon vor über 20 Jahren, kurz nach der Eröffnung des Museums, stand das Bilderbuch einmal kurz vor der Produktion.
Gerne erinnert sich Zoss an Begegnungen mit Alexander Klee, dem Enkel des berühmten Malers, zurück. Es schien, als wäre er zur richtigen Zeit am richtigen Ort, doch der Verlag sagte letztendlich ab. Zoss blieb geduldig, forcierte nichts.

«Dann fragte mich mein jetziger Verlag Baeschlin, ob ich nicht noch etwas in der Pipeline hätte. Sie fanden das Konzept mit der Reise in Klees Bilder sofort super.»
Nun hat es Klee Fee auch dank Illustratorin Karin Widmer doch noch zwischen zwei Buchdeckel geschafft und in eine App: Zoss zückt sein IPad. Und schon wandern Sophie und Klee Fee, begleitet von Musik, über den Bildschirm.
In der App zum Buch können Kinder ab sechs Jahren selbstständig Figuren steuern, durch geheime Türen gehen, Teppiche zum Fliegen bringen und in sechs Originalgmälden von Klee mit Farben und Klängen spielen. Im Berg Ad Parnassum schliesslich treffen sie auf Klees malenden Weggefährten aus der Gruppe «Blauer Reiter».
«Ohne künstliche Intelligenz wäre die App namens KLEE ART unbezahlbar gewesen. Das Eingangsbild wurde animiert und von meinem Sohn erweitert. Aber alle Gemälde und Illustrationen sowie die Musiken sind handgemacht!»
Mehrere Wochen arbeiteten Vater, Sohn und die Firma Bitforge an der interaktiven Umsetzung der Buchwelt. Anders als in üblichen Games gibt es hier kein richtig oder falsch.
Ob Paul Klee diese Farbreise gefallen hätte? Zoss wiegt den Kopf: «Hoffentlich schon.» In seinem Klee-Lieblingsgemälde «Legende vom Nil» können die kleinen App-Nutzer Klees Bildelemente in eine Leiste ziehen und Melodien damit komponieren.
Hier konnte der Kinderliedermacher seinen eigenen Fundus verwenden. «Klees Bilder haben etwas Musikalisches an sich.» Zoss fühlt sich mit dem Berner Maler verbunden, leiht ihm in der App sogar seine Stimme.
«Paul spielte hervorragend Violine, war ein ruhiger Mensch, wählte seine Worte mit Bedacht», hat Zoss genau recherchiert. Und er hat Klees Schlüsselerlebnis einen wichtigen Platz geschaffen. So reisen Klee Fee und Sophie nach Kairuan, wo Klee Fee dem Maler den Farbzauberpinsel in die Hand drückt.

Überliefert ist Klees Ausruf 1914: «Die Farbe hat mich – ich bin Maler!» Zoss findet, dass der Künstler viele bildhafte Ideen hatte, die Kinder inspirieren. Trotz Schicksalsschlägen hat er sich sein inneres Kind bewahrt. «Das Verrückte und Spielerische darf man sich nie nehmen lassen.»
Ein Lebensweg zwischen Einfachheit, Familie und Künstlerglück
Ein bisschen hat sich Zoss mit dem neuen Werk auch selbst ein Geschenk gemacht, wurde er doch vor Kurzem 75 Jahre alt. Während andere im Alter kürzertreten, hat er nach einer langen Musikerkarriere seine Liebe zur Schriftstellerei wiederentdeckt und wieder vermehrt Bücher und Geschichten für Erwachsene veröffentlicht.
Er lacht: «Zeit spielt für mich keine Rolle. Man wird eben immer älter, spürt das aber nicht unbedingt.» Der Musiker wusste schon als junger Mann, dass er nicht so leben wollte, wie der Durchschnitt. Mit 22 kaufte er auf einer abgelegenen italienischen Insel eine Ruine, die er eigenhändig in ein Haus mit Wohnhöhle umbaute.
«Dort ist mein Kraftort», schwärmt er. Auf den Liparischen Inseln, einer «Blue zone», lebt er ein einfaches Leben und ist dem Glück am nächsten. «Dort fühle ich mich entspannter und jünger.» Und Zeit spielt keine Rolle, dafür ist Platz für echte Begegnungen und Kontemplation.
Nach spätem Vaterglück und Heirat wurde er vom deutschen Liedermacher zum Mundart-Kinderliedermacher und tritt seit 2001 hauptberuflich damit auf. Konzerte machen ihm am meisten Spass. «Denn die Kinder helfen mir, selbst noch das innere Kind zu leben!»
Bekannt wurde Zoss durch seine Figuren «Jimmy Flitz» oder dem Dino «Xenegugeli». Von ihm wurden erstmals Grimm’sche Märchen auf Berndeutsch orchestral vertont, er schrieb moderne Schlaflieder, liess in Gegenstandslieder die Dinge singen.
Und er besang auf zwei Alben das Wesen der Bäume. Getragen und inspiriert hat ihn dabei immer wieder seine Familie. «Ich habe viel ausprobiert, mich nie wiederholt», sagt er mit einem Lächeln.

2021 schrieb Roland Zoss mit «Hippie-Härz» einen Mundart-Roman, der autobiografische Züge trägt. Dafür arbeitete er während Corona und Konzertverbot seine Tagebücher auf und musste sich manchmal dabei an den Kopf fassen und sich fragen, ob er als Nichtraucher überhaupt ein Hippie gewesen war?
Er gesteht: «Naja, ich bin eher ein Pseudo-Hippie.» Der Sex-, Drugs- and Rock’n’Roll-Lifestyle war nicht seins. Im neusten Werk beschreibt er die verrücktesten Zufälle in seinem Leben. Denn er ist sich sicher, man kann nicht alles beeinflussen.
PERSÖNLICH
Roland Zoss (75) verheiratet, zwei Kinder, lebt in Mittelhäusern und auf den Äolischen Inseln. Der Musiker, Schriftsteller und Songpoet publiziert Apps, Kinderlieder, Hörspiele, Musicals und Bücher für Kinder und Erwachsene. Das Kinderbuch Klee Fee und die App KLEE ART sind soeben erschienen.
«Aber man kann die Türen öffnen, damit der Zufall und kreative Ideen zu einem finden. Es ist immer ein Mittelweg», philosophiert Zoss. Einen Verlag hat der Autor für das Buch noch nicht gefunden. Den lässt er auf sich zukommen.
«So bin ich eben.» Bei sich angekommen falle es einem auch leichter, mal etwas loszulassen. Neue Alben für Kinder werden kaum mehr erscheinen. «30 Produktionen in 35 Jahren sind genug!», sagt er. Zudem habe der Markt sich verändert, Spotify sei einer der «Totengräber» für Künstler, die noch schwitzen beim Musizieren.
«Mit 5000 Streams einen Kaffee kaufen zu können. Da stimmt etwas nicht, oder?» Doch kein Grund zu Resignation, andere kreative Räume warten noch darauf, in allen Farben des Zauberpinsels gestrichen zu werden.








