Nehmen Sie jetzt mehr Rücksicht auf Gesundheit, Philipp Fankhauser?

Reinhold Hönle
Reinhold Hönle

Bern,

Philipp Fankhauser über sein zweites Leben nach derStammzellentransplantation, sein Faible für Blues und Country und hitzige Dispute mit Konzertveranstaltern.

Philipp Fankhauser BärnerBär Interview
Mops Trevor schaut zu Herrchen Philipp Fankhauser auf, selbst, wenn dieser nicht Gitarre spielt. - Christian Lanz

BärnerBär: Sie sagten nach Ihrer Stammzellentransplantation, Sie würden sich wie neugeboren fühlen. Wie fühlen Sie sich nun, als Zweieinhalbjähriger?

Philipp Fankhauser: Es ist schon sehr speziell. Wenn ich bei einigen meiner neuen Songs Mühe habe, mir die Texte einzuprägen, merke ich schon, dass ich nicht mehr der Jüngste bin.

Gleichzeitig findet mein Coiffeur, dass ich jedes Mal, wenn ich zu ihm komme, weniger graue Haare hätte. Darüber mache ich mir jedoch keine grossen Gedanken, sondern bin diesem «Jack», wie ich den Spender nenne, einfach wahnsinnig dankbar. Ich weiss nicht, wer er ist und wo er lebt, aber dass ich ohne ihn nicht mehr hier wäre.

BärnerBär: Kennen Sie das diffuse Gefühl nach manchen Organtransplantationen, als würde noch ein anderer Mensch in Ihrem Körper wohnen?

Fankhauser: Überhaupt nicht. Als ich im Juli 2023 zum ersten Mal ins Spital eingerückt bin, empfand ich die Vorstellung, das Blut von jemand anders zu erhalten, noch als total strange, sogar etwas gruselig.

Damit habe ich jetzt kein Problem mehr, aber zwei DNA und neu die Blutgruppe A positiv statt Null. Zudem kann ich wieder mein Ziel erreichen, 80 Jahre alt zu werden. Und dann schauen wir weiter. (lacht)

BärnerBär: Geht es Ihnen sogar besser als vor der Entdeckung Ihrer Thrombozythämie?

Fankhauser: Viel besser, da mit der Bluttransfusion auch alle anderen Krankheiten verschwunden sind, auch Morbus Bechterew, eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die meine Beweglichkeit seit meiner Kindheit einschränkt.

Der einzige Wermutstropfen war, dass ich alle Impfungen nochmals machen musste, was mir, bei meiner Angst vor Spritzen, nicht leicht fiel.

BärnerBär: Nehmen Sie seither mehr Rücksicht auf Ihre Gesundheit?

Fankhauser: Nein, ich habe mein ganzes Leben geraucht und es noch nicht geschafft, damit aufzuhören. Ich will es auch gar nicht, da ich gerne rauche. Mein Hausarzt versucht mir jedes Mal wieder ins Gewissen zu reden, predigt mir, mich mehr zu bewegen und keinen Alkohol zu trinken.

Hin und wieder trinke ich nach den Konzerten noch ein Cüpli oder zum Nachtessen ein Glas Rotwein, aber meistens Wasser. Die Lust darauf hat deutlich abgenommen. Falls mich mein Umfeld deswegen als Stimmungskiller bezeichnet, solle ich einfach ein Bitterlemon mit Eis bestellen, riet mir meine Managerin. Da merkt niemand, ob Alkohol drin ist.

Philipp Fankhauser
Philipp Fankhauser: «Ich habe mein ganzes Leben geraucht und es noch nicht geschafft, damit aufzuhören.» - keystone

BärnerBär: Hat Ihr Blues seit dieser schwierigen Zeit noch mehr Tiefe?

Fankhauser: Ich glaube, die letzten Erfahrungen haben meine Musik nicht verändert. Ich hatte schon vorher kein einfaches Leben. Ich war schon als Kind handicapiert, aber die Diagnose Morbus Bechterew erfolgte erst vor zwanzig Jahren.

Seither nahm die Mobilität weiter ab und liegt nun bei etwa 80 Prozent. Die Wirbelsäule ist steif, das Sockenanziehen und Kopfdrehen fällt schwer, aber nun dürfte die Verschlechterung ein Ende haben.

BärnerBär: Und dies dank einer lebensgefährlichen Erkrankung.

Fankhauser: Es ist verrückt! Ein paar Wochen zuvor war ich noch am Boden, weil es aussah, als entwickle sich die Myelofibrose, die 2019 erkannt wurde, zur Leukämie mit einer Lebenserwartung von etwa zwei Jahren.

Ich wollte es nicht einmal mit einer Stammzellentherapie versuchen, bevor mein Hausarzt zu mir sagte: «Ich habe dich 20 Jahre lang immer wieder aufgepäppelt und jetzt willst du den Blinden nehmen?»

BärnerBär: Gönnen Sie sich selbst nun mehr oder verschieben Schönes nicht auf morgen?

Fankhauser: Nein, ich lebe nicht bewusster oder habe das Gefühl, ich müsste meine Zeit mehr geniessen. Schliesslich lebe ich meinen Jugendtraum schon seit bald vierzig Jahren, obwohl sich meine Mutter an die Stirn getippt hatte, als ich ihr mit zwölf eröffnete, dass ich Bluessänger werden will.

BärnerBär: Da Sie sich bei den Aufnahmen des aktuellen Albums «Ain’t That Something» noch nicht wieder ganz fit fühlten, überliessen Sie das Gitarrenspielen Ihrem neuen Bandmitglied Flo Bauer. Wie machen Sie es bei den kommenden Konzerten?

Persönlich

Philipp Fankhauser wurde am 20. Februar 1964 in Thun geboren. Er begann mit elf Jahren Gitarre zu spielen, gründete 1987 die Checkerboard Blues Band und setzte mit Margie Evans und «Blues For The Lady» ein erstes Ausrufezeichen.

Seit «Love Man Riding» (2008) ist er mit seinem soulvollen Blues Stammgast in den Top-10 der Hitparade. Als «The Voice Of Switzerland»-Coach wurde er dem TV-Publikum bekannt. Er wohnt in der Nähe von Zürich.

Frankhauser tritt mit seinen Nashville Roots am 30. März in der Mühle Hunziken in Rubigen auf und empfängt dort auch am 21. Januar in seiner Soirée Stefanie Heinzmann.

Fankhauser: Bei den ersten und letzten Songs spiele ich wieder Gitarre, dazwischen konzentriere ich mich aufs Singen. Das macht Sinn, da Flo sehr versiert ist, während ich mich als Autodidakt vor allem innerhalb der Blues-Akkorde bewege.

BärnerBär: Sie geben auf Ihrer Tournee auch Unplugged-Konzerte. Unterscheiden sich diese auch inhaltlich und personell?

Fankhauser: Nein, die Band und die Songs sind die gleichen. Unplugged ist eigentlich – wie fast überall – eine Mogelpackung, da Stimme und Musik verstärkt werden müssen, damit die Leute sie hören. Eigentlich müsste es «Acoustic» heissen. Es handelt sich um viel weniger gespielte und weniger laute Töne. Das lässt mehr Raum, um zu variieren, und klingt lieblicher.

Philipp Fankhauser
Philipp Fankhauser: «Ich lebe nicht bewusster oder habe das Gefühl, ich müsste meine Zeit mehr geniessen.» - keystone

BärnerBär: Sie treten im März an «Albi’s Country Festival» im Hallenstadion auf. Wer hat Ihr Herz für diese Musik entflammt?

Fankhauser: Patsy Cline mit ihrem Hit «Crazy», natürlich Merle Haggard, Johnny Cash und Willie Nelson, mein absoluter Favorit. Countrymusiker erzählen in ihren Songs schöne Geschichten, Bluesmusiker manchmal weniger schöne ...

BärnerBär: Was suchen Sie, wenn Sie Songs in der Country-Metropole Nashville aufnehmen?

Fankhauser: Es gibt dort wahnsinnig gute Studiomusiker, die einfach alles spielen können, egal ob Rock, Country oder Blues, und sich selbst passend zum Projekt organisieren.

Als ich den Hank-Williams-Klassiker «I’m So Lonsome I Could Cry» aufnehmen wollte, bekam ich den Tipp, die drei Background Sängerinnen von Dolly Parton hätten gerade nichts zu tun, ob ich sie nicht engagieren wolle.

Eine Stunde später waren sie da und sangen wunderschön, sogar mit synchronem Vibrato. Das war unglaublich. Mir kamen die Tränen. Vielleicht auch, weil ich realisierte, wie falsch ich sang. (lacht)

Entsprechend verblüfft war ich, als nachher eine dieser Legenden auf mich zukam, meine Hand nahm und sagte: «Das war die soulvollste Version dieses Lieds, die ich je gehört habe.»

BärnerBär: Was verbindet Sie mit Albi Matter?

Fankhauser: Albi hat nach dem Erscheinen des Albums «Watching From The Safe Side», mit dem ich den Durchbruch geschafft hatte, meinen damaligen Manager angerufen, um mich für sein Blues-Festival zu engagieren.

Roger nannte ihm einfach eine ziemlich optimistische Zahl, worauf Albi in seiner authentischen Art wie ein Wald voll Affen auszurufen begann. «Was meint de Halbschue? De het doch en Schuss! Für das Geld bechum ich drü Amerikaner!»

Zwei, drei Jahre später erfüllte er diese Gagenforderung. Seither sind wir ein Herz und eine Seele und können beide über diesen ersten Kontakt lachen.

BärnerBär: Wie kommt es, dass Sie nun auch an seinem Country-Festival auftreten?

Fankhauser: Er wusste um meinen Bezug zu dieser Musik und fragte mich, ob ich im Sonntagsprogramm direkt vor den Bellamy Brothers auftreten möchte. Er würde die Mehrkosten für eine zwölfköpfige Country-Band übernehmen.

Ich ergänzte meine Blueser um einen Pedalsteel-Player, eine Geigerin, einen Hammond-Orgel-Spieler und drei Backing-Vokalistinnen. Mit meinen Nashville Roots werde ich ein ziemlich mutiges Programm aus eigenen Songs, Country-Nummern von Elvis Presley bis Highwaymen und einer Prise Dolly Parton auf die Bühne bringen.

BärnerBär: Werden Sie einen Stetson tragen?

Fankhauser: Nein, vielleicht ein besticktes Tool-Jacket. Ein Cowboy-Hut stünde mir zu sehr für die erzkonservativen Country-Fans, die einst die Dixie Chicks diskriminierten und jetzt hinter Trump stehen.

Aber was will ich als gottloser schwuler Bluesmusiker aus der liberalen Schweiz mit einem religiösen Fanatiker aus einem Kaff in West-Texas streiten?

Hast Du Philipp Fankhauser schon mal im Konzert erlebt?

BärnerBär: Was bedeutet es Ihnen, Ihre Show auch in Ihrem eigenen Club zu präsentieren?

Fankhauser: Die Mühle Hunziken ist nicht mein Club. Der Versuch, sie zu kaufen, ist ja leider «abverheit». Sie gehört nun zwei Pensionskassen. Aber ich bin ein Teil der Konzert AG, die sie betreibt. Sie ist für mich der mit Abstand schönste Club der Schweiz. Ich habe dort schon unzählige Male gespielt und es besonders genossen, nachdem mir der damalige Chef vor zwanzig Jahren Hausverbot erteilt hatte.

BärnerBär: Sie haben sogar mal dort gewohnt.

Fankhauser: Das war 1991, zu Zeiten des ersten Irakkrieges, als ich in der Bar arbeitete. Ich hatte eine kleine Wohnung, die es so nicht mehr gibt.

Mein Chef und ich hatten jeden Tag so Lämpe, dass ich kündete oder er mir, dann aber trotzdem wieder arbeitete, wenn Not am Mann war. Das war schon eine superlässige Zeit! (lacht)

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