Musikhaus in Worb: Kunden kommen sogar aus Deutschland
In der BärnerBär-Serie «seltene Berufe» gibt Simon Hirsiger Einblick in die nicht alltägliche Arbeit des Musikhauses Hirsiger GmbH in Worb.

Jährlich schliesst lediglich etwa ein halbes Dutzend Lernende den Beruf des Blasinstrumentenbauers ab. An Interessenten fehlt es aber nicht. Einer, der es wissen muss, ist Simon Hirsiger, Inhaber und Geschäftsleiter des Musikhauses Hirsiger GmbH in Worb.
Posaunen sind Simon Hirsigers Spezialgebiet, spielt er dieses Instrument doch bereits in fünfter Familien-Generation, und zwar seit er sechsjährig ist. So verwundert es kaum, dass er sich bei unserem Besuch in seinem Musikhaus mitten in Worb gerade mit dem Richten des Posaunenzugs eines Musikers beschäftigt.
Dafür wendet er etwa eine halbe Stunde auf. «Ich muss es nun auf der Drehbank noch ausstossen», hält Simon Hirsiger fest. Er ist Posaunist in der von ihm 2015 mitgegründeten achtköpfigen Berner Mundart-Band «Troubas Kater», mit der er am 19. Juni 2026 auf dem Bundesplatz am Berner Stadtfest auftreten wird.

In der Berner Rock-‘n’-Roll-Band «The Rhythm Travellers» spielt er Kontrabass. «Am liebsten spiele ich aber Posaune, da weiss ich, was ich mache!», lacht er. Dass in Worb ein Posaunenspezialist am Werk ist, wissen nicht nur Kunden aus der Schweiz, sogar Posaunisten aus Deutschland lassen ihr Instrument von Simon Hirsiger richten.
Den hohen Reparaturstandard des Musikhauses führt Simon Hirsiger auf seinen Vater zurück, der das Unternehmen 1982 gründete. «Das spricht sich herum. So haben wir regelmässig Kundinnen und Kunden des Berner Symphonieorchesters und des Swiss Jazz Orchestras», erzählt er.
In seinem Betrieb habe jeder Mitarbeiter ein Spezialgebiet, so Simon Hirsiger: Trompete, Cornet, Flügelhorn, Oboe, Fagott, Klarinette und Saxophon.
Nicht im elterlichen Betrieb
Dass Simon Hirsiger den seltenen Beruf des Blasinstrumenten-Reparateurs ergriffen hat, ist natürlich kein Zufall, rannte er doch schon als Knabe durch den Betrieb, half später in der Werkstatt mit. «Ich bewegte mich immer in diesem Umfeld, kannte nichts anderes, es prägte mich», blickt er auf seine Kindheit zurück.
Trotzdem absolvierte er die damals noch dreijährige Lehre bewusst nicht im elterlichen Unternehmen. «Ich begab mich auf ‹Wanderschaft› und arbeitete in jedem Lehrjahr in einem anderen Betrieb der Schweiz.»
Der Schulunterricht fand damals nicht – wie heute – in Blockkursen zentral im Berufsbildungszentrum auf dem Arenenberg statt. Simon Hirsiger drückte die Schulbank zusammen mit Spengler-Lernenden in der Berufsfachschule in Bern.
«Sie arbeiteten mit ähnlichem Material und mussten auch löten», schmunzelt er. Warum wählte er den Schwerpunkt Reparatur und nicht den Bau eines Blasinstrumentes?

«Das war und ist von unserem Betrieb her gegeben. Wir erhalten von den Kunden ganze Instrumente, die ein Problem verursachen und repariert werden müssen», begründet Simon Hirsiger den gewählten Schwerpunkt.
Beim Instrumentenbau habe man ein Blech, das geschnitten und geformt werden müsse, dafür sei der Betrieb in Worb nicht ausgerüstet. Allgemein würden in der Schweiz mehr Blasinstrumentenreparateure ausgebildet als -bauer.
Im Musikhaus Hirsiger werden auch Saiteninstrumente repariert. So werden jährlich etwa 140 Gitarren wieder auf Vordermann gebracht. «Hie und da richte ich auch Kontrabässe», fügt Simon Hirsiger hinzu. Das Wissen und Können habe man sich in Kursen und «on the job» angeeignet.
Regelmässig Lernende
Die Nachfrage nach dem Beruf sei gross, freut sich Simon Hirsiger. «Nicht wenige haben jedoch falsche Vorstellungen und glauben, den ganzen Tag ein Instrument spielen zu können», räumt er ein. Das Musikhaus in Worb lässt jeden Monat mehrere Interessierte bei sich während eines Tages schnuppern.
Alle vier Jahre bildet der Betrieb einen Lernenden aus. Zurzeit absolviert Sipan Shahinian das erste Lehrjahr im Musikhaus Hirsiger. Simon Hirsiger erachtet es als Voraussetzung, dass Lernende bereits ein Blasinstrument spielen, egal auf welchem Niveau.
In Bezug auf die Perspektiven des Berufs äussert er sich kritisch. Es liege wohl im Trend, später etwas anderes zu machen, was auch auf die Durchlässigkeit der zahlreichen Weiterbildungsmöglichkeiten zurückzuführen sei.

«Kommt dazu, dass der Beruf an sich nicht sehr ausbaufähig ist. Nach vier Jahren verfügt man aber bloss über ein Grundwissen, dann erst beginnt die Spezialisierung.» Es sei schwierig, gutes Fachpersonal zu finden, die Szene sei klein und überschaubar, «jeder kennt jeden!»
PERSÖNLICH
Simon Hirsiger schloss die Lehre als Blasinstrumentenbauer-Reparateur EFZ 2001 ab und übernahm Anfang 2020 nach 19 Jahren im Musikhaus Hirsiger den elterlichen Betrieb in zweiter Generation. In seiner Rolle als Inhaber ist er nicht nur Co-Geschäftsleiter, sondern auch Reparateur, Verkäufer und Einkäufer in Worb und in der Filiale in Spiez.
Darüber hinaus spielt er Posaune in der Berner Band «Troubas Kater» (am 19. Juni 2026 am Berner Stadtfest zu sehen/hören) und tourt als Kontrabassist mit «The Rhythm Travellers» durch die Schweiz. Simon Hirsiger ist verheiratet, hat einen Sohn und wohnt mit der Familie im Kanton Bern.
Sipan Shahinian, der lernende Blasinstrumenten-Reparateur, hat festgestellt, dass Berufswechsel nach Lehrende vor allem von jenen realisiert würden, welche den Blasinstrumenten-Reparateur als Erstausbildung gewählt hätten.
Sipan absolvierte zuerst die Fachmittelschule, Fachrichtung Gesundheit. Danach liebäugelte er mit der Weiterbildung zum Rettungssanitäter. «Aber die unregelmässigen Arbeitszeiten liessen sich mit meiner musikalischen Tätigkeit nicht vereinbaren», musste er feststellen.
Sipan spielt als Saxophonist in der Musikgesellschaft seines Wohnortes Schmitten und bei «La Concordia de Fribourg», dem offiziellen Blasorchester der Stadt Freiburg. Er gab der Musik den Vorrang und so entschied er sich für den Beruf des Blasmusikinstrumenten-Reparateurs.

«Bei mir ist es nun die Zweitausbildung, die ich mir gut überlegt habe. Ich werde auf dem Beruf bleiben, das steht heute fest», sagt er dezidiert. Ein gutes Omen für den Berufsnachwuchs …
INFO
Blasinstrumentenbauer/in EFZ
Blasinstrumentenbauer/innen stellen Blasinstrumente aus Holz und Metall her oder reparieren diese. Dazu zählen etwa Flöten, Trompeten, Saxophone, Oboen, Klarinetten, Waldhörner und Posaunen. Sie verkaufen oder vermieten die Instrumente in Musikgeschäften oder privaten Werkstätten und beraten die Kundinnen und Kunden.
Ausbildungsdauer
4 Jahre
Bildung in beruflicher Praxis
In einem Instrumentenbau-Atelier oder Fachgeschäft
Schulische Bildung
Blockkurse am Berufsbildungszentrum Arenenberg in Salenstein (TG), dualer Unterricht auf Deutsch oder Französisch.
Schwerpunkte wählbar
• Blasinstrumentenbau
• Blasinstrumentenreparatur
Vorbildung
• Obligatorische Schule abgeschlossen
• Ausbildung im Spielen eines Blasinstruments
Anforderungen
• Handwerkliches Geschick
• Räumliches Vorstellungsvermögen
• Musikalisches Gehör
• Sorgfältige und genaue Arbeitsweise
• Kreativität
Abschluss
Blasinstrumentenbauer/in EFZ
Weiterbildungsmöglichkeiten
• Angebote von Fach- und Berufsfachschulen sowie von Berufsverbänden, zum Beispiel der Interessengemeinschaft Musikinstrumentenbauer IGMIB.
• Meisterprüfung an der Fachschule für Musikinstrumentenbau in Ludwigsburg (Deutschland), ows-lb.de
Berufsverhältnisse
Der Arbeitsmarkt in der Schweiz ist klein, doch die Nachfrage nach begabten Fachleuten stabil. Die nationale und internationale Nachfrage nach Blechinstrumenten ist hoch. Mit der Reparatur von Blasinstrumenten befassen sich in der Schweiz etwa 60 Kleinbetriebe, rund die Hälfte davon bietet Lehrstellen an.
Infos
Interessengemeinschaft der Musikinstrumentenbauer
IGMIB, Bern
Quelle








