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Bern unvergesslich: Nacktbaden in der Aare – ein Thema fürs Archiv?

BärnerBär
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Bern,

Archive wie die Burgerbibliothek sind für das materielle Kulturgut zuständig – für Dinge, die von menschlichen Gesellschaften erschaffen und verwendet wurden.

Bern unvergesslich
Hier kommt die Serie «Bern unvergesslich». - Daniel Zaugg

Darüber hinaus leisten materielle Sammlungen auch einen wichtigen Beitrag für die Dokumentation des immateriellen Kulturerbes. Dieses umfasst gemäss Definition «über Generationen weitergegebene Traditionen, Bräuche, Kenntnisse und Fähigkeiten».

Zu diesen «lebendigen Traditionen der Schweiz» gehört auch das Aareschwimmen in Bern. Kaum ein Reiseführer, der es nicht empfiehlt.

Lange Tradition: Das Aareschwimmen

Tatsächlich hat das Aareschwimmen eine lange Tradition und ist mittlerweile auch ein Wintervergnügen. Bereits im 14. und 15. Jahrhundert vermelden Chroniken Badeunfälle. Vor allem die öffentlich zugänglichen Ufer innerhalb der Aareschlaufe im Marzili, im Dalmazi oder im Altenberg waren wie heute beliebte Badestellen.

Badevergnügen
Badevergnügen um 1700 in der Berner Matte «beim Spitz» (heute Badgasse). - Burgerbibliothek Bern, FA Stettler 26, Bl. 37.

Dazu gehörte auch die Matte, wie eine aquarellierte Federzeichnung des Malers Wilhelm Stettler (164 –1708) festhält. Übermütig springen drei Jünglinge ins Wasser, möglicherweise drei Studenten, befand sich doch die damalige Hochschule direkt über diesem Badeplatz (heute Casino).

Bis Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete man diese Stelle «im Spitz» oder «Spitzlaube», hier befand sich auch das «Spitzbad», später das «Frickbad». Die Bäder genossen nicht eben den besten Ruf, dazu trug nicht zuletzt der berühmte Giacomo Casanova bei, als er sich während eines Bernaufenthaltes 1760 in den Mattebädern verwöhnen liess.

Offensichtlich nicht gestört durch die Schwimmer fühlt sich die wasserschöpfende Frau. Züchtig bedecken die Jünglinge ihre Scham mit einer Art Badehose. Zum Glück, denn bereits mehrfach hatte die Obrigkeit Badeverbote aus Gründen der Sittlichkeit erlassen:

Sie stiess sich an den «Mannspersonen und Knaben», die «nackt durcheinanderbaden» und ebenso nackt und «ungeniert auf der Strasse herumspazieren».

In den 1970er-Jahren wurden diese Regeln schliesslich auch von den Frauen infrage gestellt und sie zogen im Marzili mit «oben ohne» nach. (Halb-) Nacktbaden in der Aare – ein weiteres immaterielles Kulturerbe?

Claudia Engler
Claudia Engler, Direktorin Burgerbibliothek Bern - Daniel Zaugg

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Kommentare

User #2828 (nicht angemeldet)

Traurig, wie prüde unsere Gesellschaft geworden ist.

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