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Pest in Basel traf Jugendliche aus unteren Schichten am härtesten

Keystone-SDA
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Basel,

Vor allem junge Menschen aus unteren Schichten starben im 17. Jahrhundert an der Pest.

Ein mittelalterlicher Arzt mit einer Pest-Maske.
Ein mittelalterlicher Arzt mit einer Pest-Maske. - Keystone

Das zeigt eine Untersuchung eines Seuchenfriedhofs beim heutigen Stadtcasino in Basel. Das Durchschnittsalter der Grabgruppe betrug gerade mal 17,7 Jahre, wie die Universität Basel am Dienstag mitteilte.

Die Bestatteten starben innerhalb eines kurzen Zeitraums und wiesen Befunde von Arthrose und Verschleiss an der Wirbelsäule auf. «Es handelte sich also überwiegend um Jugendliche, die bereits körperlich anspruchsvolle Arbeit verrichteten. «Das ist ein Indiz für einen niedrigen sozialen Status», wird die Archäoanthropologin Laura Rindlisbacher von der Uni Basel im Communiqué zitiert. Sie ist Erstautorin eines neues Artikels in der Fachzeitschrift «Antiquity» über dieses Pestgrab.

Die letzte dokumentierte Pestwelle suchte die Schweiz zwischen 1665 und 1670 heim und kostete zahlreiche Menschenleben. Beim ehemaligen Basler Barfüsserkloster stiess die Archäologische Bodenforschung 2016/2017 auf 260 Gräber aus dem 17. Jahrhundert. Rindlisbacher und ihr interdisziplinäres Team stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass manche der begrabenen Menschen der Pest zum Opfer fielen. Sie machten mithilfe von DNA-Analysen den Pesterreger bei mindestens fünf Skeletten aus.

Die Arbeitsbelastung machte die jungen Menschen während der Epidemie besonders verwundbar, so ein Befund der Studie. «Wenn jemand arbeiten muss, um zu überleben, kann selbst die Gefahr, sich mit einer tödlichen Krankheit anzustecken, diese Personen nicht von der Arbeit abhalten», wird Rindlisbacher weiter zitiert.

Die Pestbestattungen geben Aufschluss über das Leben der niedrigen und mittleren Stände im frühneuzeitlichen Basel, die in schriftlichen Quellen nur selten erwähnt werden. Die Pest verkürzte das Leben von hart arbeitenden Menschen erheblich, so ein Befund der Studie. Obschon der soziale Zusammenhalt in der Frühen Neuzeit stark war, schloss er nicht automatisch alle ein, wie es weiter heisst.

Das Forschungsteam sieht Parallelen zum Ausbruch der Covid-19-Pandemie 2020. Gruppen mit niedrigem sozioökonomischem Status und weniger Zugang zu Unterstützungsnetzwerken waren auch hier verwundbarer, wie die Universität Basel weiter schreibt.

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Kommentare

User #5039 (nicht angemeldet)

Parallelen zwischen der Pest und Covid-19 sind völlig unhaltbar, schon weil die Gesellschaft damals anders zusammengestzt war (viele Junge, weniger Alte), ebenfalls war die Hygiene damals unzureichend, die Lebenserwartung wesentlich niedriger und Medizin fehlte (es gab keine Medikamente/Impfungen oder sonst was gegen die Pest) .

User #5493 (nicht angemeldet)

Das ist klar es trifft immer die Unteren. Ist heute nicht anders.

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