Kreuzkröten sind genetisch am verarmen

Keystone-SDA
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Luzern,

Die Kreuzkröte hat in nur 20 Jahren massiv an genetischer Vielfalt eingebüsst. Die Populationen der stark gefährdeten Art sind heute weitgehend voneinander isoliert.

Kreuzkröte Genvielfalt
In der Schweiz ist die Kreuzkröte gefährdet. - Pexels

Eine Studie von Forschenden der Universität Zürich und von Info Fauna zeigt, dass die Kreuzkröten im luzernischen Reusstal zwischen 1998 und 2020 rund einen Fünftel ihrer genetischen Vielfalt verloren, wie das Forum Biodiversität Schweiz am Freitag mitteilte. Dieser Zeitraum entspricht etwa sieben Generationen der als stark gefährdet eingestuften Amphibienart.

Ein hoher Grad an genetischer Vielfalt gilt als entscheidend für die Anpassungsfähigkeit und das langfristige Überleben einer Art. Untersuchungen an Populationen der Kreuzkröte in England haben laut dem Forum Biodiversität gezeigt, dass genetisch verarmte Populationen weniger fitte Individuen haben und die Populationen daher weniger lebensfähig sind.

Parallel zum Verlust der Vielfalt innerhalb der Kreuzkröten-Populationen nahm die genetische Differenzierung zwischen ihnen zu. Das bedeutet, dass der genetische Austausch, der sogenannte Genfluss, zwischen den verschiedenen Standorten, an denen die Tiere leben, abgenommen hat und die Populationen zunehmend voneinander isoliert sind.

Als Hauptursache für diese Entwicklung sehen die Forschenden der Universität Zürich die fortschreitende Zerstörung und Zerstückelung des Lebensraums der Kreuzkröte.

Die natürlichen Auenlandschaften im Reusstal seien weitgehend verschwunden. Die Kröten nutzen demnach heute hauptsächlich von Menschen geschaffene Ersatzlebensräume wie Kiesgruben. Doch auch diese Lebensräume stehen laut den Forschenden durch die Intensivierung der Nutzung unter Druck.

Um dem Trend entgegenzuwirken, schlagen die Forschenden für die Luzerner Populationen eine sogenannte «Blutauffrischung» vor. Dabei würden Individuen aus anderen Landesteilen gezielt in das Gebiet eingebracht, um die genetische Vielfalt zu erhöhen. Solche Massnahmen zur «genetischen Rettung» sind bei Amphibien bisher nicht erprobt.

Während die Wissenschaft solchen Eingriffen früher kritisch gegenüberstand, ist man laut dem Forum Biodiversität heute zum Schluss gekommen, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen.

Die entsprechende Studie wurd in der Fachzeitschrift «Conservation Genetics» veröffentlicht.

Kommentare

User #3892 (nicht angemeldet)

Geht der Schweizer indigenen Bevölkerung gleich

User #4265 (nicht angemeldet)

Die Einen verarmen genetisch, die Anderen geistig - wobei das Eine das Andere nicht ausschliesst.

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