Korrosion an Bauten hat in den letzten Jahrzehnten stark abgenommen
Metalle rosten heute deutlich langsamer als früher. Grund dafür ist vor allem die sauberere Luft, wie Langzeitexperimente eines internationalen Forschungsnetzwerks unter Beteiligung der Empa zeigen.

Das Netzwerk untersucht die Korrosion an über 60 Standorten in Europa und darüber hinaus, wie die Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) am Donnerstag mitteilte. Die publizierten Daten zeigen einen markanten Rückgang der Korrosion.
Ein Messstandort befindet sich auf dem Chaumont im Kanton Neuenburg. Dort gehen pro Jahr rund 30 Gramm Stahl pro Quadratmeter verloren. In Industriegebieten sind es mit 100 bis 150 Gramm deutlich mehr. Im Jahr 2000 lag der Stahlverlust in Industriegebieten noch bei 220 bis 300 Gramm pro Quadratmeter, wie die Übersichtsstudie im Fachjournal «Corrosion and Materials Degradation» zeigt.
Weniger saurer Regen
Die Forschenden führen den Rückgang der Korrosion hauptsächlich auf den gesunkenen Gehalt von Schwefeldioxid in der Luft zurück. Der Schadstoff war in den 1980er-Jahren als «saurer Regen» bekannt.
Trotz dieser positiven Entwicklung verursacht Korrosion laut der Mitteilung weiterhin volkswirtschaftliche Schäden in Milliardenhöhe.
Korrosion sei ein komplexes Geschehen, das noch nicht vollständig verstanden sei. Künftig müssten weitere Schadstoffe wie Ozon, Feinstaub oder Stickoxide und deren Einfluss auf die Materialien untersucht werden.
Kulturerbe betroffen
Die Auswirkungen von Korrosion zeigen sich auch bei Kulturerbe. So stelle sie beispielsweise ein Risiko für die Lebensdauer der kupfernen Turmdächer der St. Galler Stiftskirche dar, heisst es von der Empa. Im kommenden Jahr muss zunächst aber das Ziegeldach der zum Unesco-Weltkulturerbe gehörenden Kirche restauriert werden. Auch hier war Korrosion am Werk: Die Nägel im 100 Meter langen Dachstuhl sind verrostet. Es werden geschätzte Kosten von knapp acht Millionen Franken anfallen.
Zudem berichten die Forschenden von einer veränderten Bedrohung der Kulturgüter: Die Analyse von 26 europäischen Kulturerbe-Stätten ergab, dass die Verschmutzung mittlerweile häufiger der Auslöser für Unterhaltsarbeiten ist als die Korrosion. Die sichtbare Verunreinigung von Fassaden und Oberflächen zwang früher zu einer Sanierung. Gemäss der Studie sind zwischen 40 und 80 Prozent der gesamten Unterhaltskosten an den untersuchten Stätten auf die Auswirkungen von Luftschadstoffen zurückzuführen.






