Wird der Klimawandel nicht aufgehalten, droht der Welt ein gewaltiger Konjunktureinbruch. Dies ist das Ergebnis einer Studie von Swiss Re.
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Im Falle eines ungebremsten Klimawandels erwartet die Welt ein gewaltiger Konjunktureinbruch. - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Swiss Re hat in einer Studie die Folgen des Klimawandels für die Konjunktur untersucht.
  • Auf die Wirtschaft kommt bei ungebremsten Klimawandel ein gewaltiger BIP-Taucher zu.
  • Die Schweiz käme vergleichsweise glimpflich davon.

Die Weltwirtschaft wird einen gewaltigen Einbruch erleiden, wenn der Klimawandel ungebremst weitergeht. Laut einer Studie des Swiss Re Instituts droht ein BIP-Taucher von 18 Prozent bis 2050 im Vergleich zu einer Welt ohne Klimawandel.

Bis Mitte des Jahrhunderts werde die Temperatur ohne Gegenmassnahmen um 3,2 Grad steigen, hiess es in der Stressanalyse, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Am schlimmsten würden südostasiatische Länder leiden. In Thailand, Malaysia oder Singapur würde das Bruttoinlandprodukt (BIP) um über 40 Prozent in die Tiefe rauschen, erklärte das Swiss Re-Institut anhand der Untersuchung von 48 Ländern.

Schweiz: Einbruch von sechs Prozent erwartet

Auch Chinas Konjunktur würde um fast ein Viertel stark sinken. Die Länder auf der Nordhalbkugel kämen da besser weg, hiess es. In Europa und Nordamerika würde der Einbruch rund 10 Prozent betragen. Die Schweiz käme vergleichsweise glimpflich davon: Die hiesige Konjunktur würde «nur» um 6 Prozent schrumpfen.

Schlimmer wären unsere Nachbarländer dran: Österreich müsste einen Rückgang von 8 Prozent verkraften, Deutschland einen Knick von 11 Prozent, während in Frankreich ein Minus von 13 Prozent zu erwarten sei, hiess es in der Studie. Noch stärker müsste Italien Federn lassen (-15 Prozent). Dänemark (-4 Prozent) wäre das Land mit dem geringsten wirtschaftlichen Schaden durch einen ungebremsten Klimawandel.

Folgen können durch Massnahmen gemildert werden

Da die globale Erwärmung die Auswirkungen von Naturkatastrophen verschärfe, könne sie im Laufe der Zeit zu erheblichen Einkommens- und Produktivitätseinbussen führen: «So kann etwa durch den steigenden Meeresspiegel Land verloren gehen, das sonst produktiv genutzt werden könnte, und Hitzebelastung kann zu Ernteausfällen führen.»

Kohlenstoffdioxid
Durch den Anstieg an Kohlenstoffdioxid aufgrund vom Klimawandel schmilzt auch das Eis. - Keystone

Doch die Folgen könnten gemildert werden, wenn entschiedene Massnahmen ergriffen würden, um die Ziele des Pariser Klimaabkommens zu erreichen, schrieb die Swiss Re. Bei einigen Gegenmassnahmen rechnet die Analyse mit einem Anstieg der Erdtemperatur um 2,6 Grad, was einen Rückgang der Weltwirtschaft um 14 Prozent zur Folge hätte. In diesem Szenario würde die Konjunktur der Schweiz um 4,4 Prozent schrumpfen.

Wenn hingegen die Ziele des Pariser Abkommens erreicht würden und der Temperaturanstieg unter 2 Grad bliebe, würde die Weltwirtschaft noch um 4 Prozent abnehmen. Die Schweiz müsste mit einem Rückgang um 1,4 Prozent leben.

Swiss Re: Dringendes Handeln erforderlich

Bis 2050 werde die Weltbevölkerung auf fast 10 Milliarden Menschen anwachsen, und dies vor allem in Regionen, die vom Klimawandel am stärksten betroffen seien. «Daher müssen wir jetzt handeln, um die Risiken zu mindern und die Netto-Null-Ziele zu erreichen», schrieb das Institut der Swiss Re.

RWE Braunkohlekraftwerk Niederaussem
Dunkle Rauchschwaden steigen aus dem RWE Braunkohlekraftwerk Niederaussem. Kraftwerke wie diese stossen Kohlenstoffdioxid in die Atmosphäre aus. - dpa

Das Erreichen der Klimaziele erfordere koordinierte Massnahmen der weltweit grössten CO2-Emittenten. «Nur wenn öffentlicher und privater Sektor an einem Strang ziehen, kann der Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft gelingen», hiess es. Bislang geschehe zu wenig.

Bruchteil des BIP-Verlusts muss investiert werden

Würden etwa die jährlichen globalen Infrastrukturinvestitionen von 6,3 Billionen Dollar um nur 10 Prozent erhöht, könnte der durchschnittliche Temperaturanstieg auf unter 2 Grad begrenzt werden. «Dies ist nur ein Bruchteil des globalen BIP-Verlusts, der uns droht, wenn wir nicht entschieden handeln», erklärte Swiss Re-Chefökonom Jérôme Haegeli: «Doch bislang geschieht zu wenig.»

Die Abschwächung des Klimawandels erfordere eine ganze Palette an Massnahmen. Benötigt werden mehr Regelungen zur CO2-Bepreisung in Verbindung mit Anreizen für naturbasierte CO2-Kompensationslösungen. Zudem brauche es eine internationale Angleichung der Taxonomie für grüne und nachhaltige Anlagen.

Die EU-Kommission hatte am Vortag ein solches Paket zu Geldanlagen mit Umweltsiegel vorgestellt: Klare Kriterien sollen Bürgern und Investoren in der Europäischen Union aufzeigen, welche Finanzprodukte dem Klimaschutz nützen.

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