Forschende wollen Rätsel um «akute Bergkrankheit» entschlüsseln
Forschende aus Österreich, Italien und der Schweiz wollen mit einer neuen Übersichtsarbeit das Rätsel um die «akute Bergkrankheit» lösen.

Forschende aus Österreich, Italien und der Schweiz wollen mit einer Übersichtsarbeit dazu beitragen, das Rätsel um die sogenannte «akute Bergkrankheit» zu lösen. Deren Diagnose sei bisher auch deshalb oft schwierig, weil es sich wohl nicht um eine einheitliche Erkrankung handle, sagten die Forschenden zur österreichischen Nachrichtenagentur APA.
Symptome, wie etwa Schwindel, Übelkeit oder Kopfschmerzen, die auf eine «akute Bergkrankheit» hinwiesen, würden bei schnellem Aufstieg bei rund zehn Prozent aller nicht an die Höhe akklimatisierten Personen auftreten. Und dies meist ab einer Höhe von rund 2500 Metern, erklärte Erstautor Johannes Burtscher der Medizinischen Universität Innsbruck. Das wissenschaftliche Manuskript entstand auch unter Beteiligung der Universität Lausanne, dem Eurac Reserach in Bozen sowie der Universität Innsbruck. Es ist kürzlich im renommierten Fachmagazin «Redox Biology» erschienen.
Das «Einüben der Akklimatisierung an die Höhe» sei zwar grundsätzlich möglich, was den «Bergkrankheit-Prozentsatz» schliesslich drastisch reduzieren würde, dennoch bliebe die Diagnose schwierig. Viele Studien kämen jedenfalls zu «unterschiedlichen Ergebnissen», so Burtscher.
Unter Umständen handle es sich auch um «Kategorie-Fehler», meinte der Forscher. Es gebe höchstwahrscheinlich aggressivere Formen oder auch solche Formen der akuten Bergkrankheit, die rascher als andere auftreten würden. «Für gewöhnlich tritt eine 'akute Bergkrankheit' ab vier Stunden nach einem Beginn eines Höhenaufenthalts auf», führte Burtscher aus. Normalerweise «vergeht» die Krankheit auch nach ein bis zwei Tagen wieder, fügte er hinzu. Bei weiterem Aufstieg könne allerdings in manchen Fällen «Todesgefahr» drohen.
Umso wichtiger sei jedenfalls eine genaue Bestimmung des jeweiligen Krankheitsbildes. Allen möglichen «Subtypen» gemein, seien die bereits genannte Symptome wie Schwindel, führte Burtscher aus. Diese Symptome würden aber auch zum Teil auf gänzlich andere Krankheiten zutreffen, etwa auf eine Angsterkrankung oder einen Magen-Darm-Infekt.
Ausserdem beruhe die Diagnose gegenwärtig häufig auf Fragebögen und damit auf «Selbstauskunft» von unter Umständen betroffenen Personen. Forschende hätten dann lediglich eine «Kontextualisierung» zu leisten um damit eine möglichst treffende Diagnose zu stellen.
Zusätzliche «Biomarker» könnten allerdings sowohl zu einer Ausdifferenzierung der Subtypen der «akuten Bergkrankheit» beitragen als auch letztlich eine Möglichkeit bieten, «Behandlungen zu personalisieren», strich eine weitere Autorin des Manuskripts, die Direktorin der Universitätsklinik für Psychiatrie II an der Medizinischen Universität Innsbruck, Katharina Hüfner, heraus: «Biomarker sind hier beispielsweise molekulare Veränderungen von Proteinen oder Stoffwechselprodukte, die im Blut oder anderen Körperflüssigkeiten und Körpergeweben festgestellt werden.»
Auch Einflüsse von mentalem Stress oder des Alters der Person auf die Symptomatik und schliesslich auf das Krankheitsbild müssten noch genauer erforscht werden. Daraus würde sich schliesslich bestenfalls die Möglichkeit ergeben, «komplexe Wechselwirkungen» zu bestimmen und «individuelle Risikoprofile zu erstellen», hob die Medizinerin hervor.












