Erst lachen, dann denken: Die Ig-Nobelpreise kommen nach Zürich
Zum ersten Mal in ihrer Geschichte werden die Ig-Nobelpreise ausserhalb der USA verliehen. Heute Abend wird das Zürcher Kongresshaus zum Schauplatz für eine der ungewöhnlichsten Wissenschaftsveranstaltungen der Welt.

Ausgezeichnet wird Forschung, die so kurios klingt, dass man zunächst lachen muss – und erst im zweiten Moment darüber nachdenkt. Genau das ist das Prinzip der Ig-Nobelpreise: «It first makes you laugh, then it makes you think.»
Verliehen werden die Preise seit 35 Jahren. Bisher immer in den USA: Die erste Preisverleihung fand 1991 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) statt, später wurden sie an der Harvard-Universität überreicht, zuletzt wieder am MIT.
Dass die traditionsreiche Veranstaltung die USA verlässt, hat mit der veränderten amerikanischen Einreisepolitik zu tun. «Die Preisträger reisen aus der ganzen Welt an. Mit der aktuellen Politik in den USA ist es schwieriger geworden, sicherzustellen, dass alle tatsächlich einreisen können», erklärt Mirko Bischofberger, einer der Organisatoren der Zürcher Ig-Nobelpreisverleihung, der Nachrichtenagentur Keystone-SDA. Deshalb habe man nach einem Ort gesucht, der für die internationale Wissenschaftsgemeinschaft unkompliziert erreichbar sei.
Die Schweiz habe dabei einige entscheidende Vorteile, sagt Bischofberger: «Wir sind ein Land, in das Preisträgerinnen und Preisträger einfach einreisen können, wir sind im Zentrum von Europa, es gibt viele Direktflüge, wir haben langfristige Stabilität.»
Passt der Schweizer Humor?
Nun muss sich zeigen, ob nicht nur die Infrastruktur, sondern auch der Humor passt. Denn der Ig-Nobelpreis lebt von einem speziellen Witz. Nicht nur die ausgezeichnete Forschung ist auf den ersten Blick skurril, auch die Preisverleihung selbst nimmt sich nicht allzu ernst: Traditionell wirft das Publikum Papierflieger auf die Bühne. Dankesreden dürfen höchstens 60 Sekunden dauern. Und wer die Zeit überschreitet, muss mit ungewöhnlichen Konsequenzen rechnen. Bei einer früheren Zeremonie betrat jeweils ein Mädchen die Bühne und wiederholte unermüdlich ins Mikrofon: «Bitte hör auf, mir ist langweilig!»
Auch das Preisgeld ist Teil des Witzes: Ausgezeichnete Forschende erhalten einen echten, durch die Inflation allerdings völlig wertlosen 10-Billionen-Dollar-Schein aus Simbabwe.
Bei aller Ironie: Die Ig-Nobelpreise verstehen sich nicht als Spott über die Wissenschaft. Vielmehr wollen sie zeigen, dass auch ungewöhnliche oder zunächst absurd erscheinende Fragen zu Forschung führen können. Ausgezeichnet werden deshalb durchaus renommierte Forscherinnen und Forscher.
Mit André Geim gibt es sogar einen Ig-Nobelpreisträger, der später auch den Nobelpreis erhielt. Und bei den Verleihungen sind immer auch echte Nobelpreisträger anwesend. Auch in Zürich werden Nobelpreisträger erwartet: Tim Hunt, Esther Duflo, Abhijit Banerjee und Michel Mayor haben sich angekündigt.
Schweiz ist auch Preisträgerin
Dass es auch bei der Preisverleihung in Zürich wild zu und hergehen darf, verspricht Bischofberger. «Der Humor in der Schweiz ist vielleicht nicht der gleiche wie der Geeky-Humor in der Wissenschaft», sagt er. Er glaube aber, dass auch das Zürcher Publikum dafür zu begeistern sei.
Dass es der Schweiz nicht grundsätzlich an Ig-Nobel-Tauglichkeit fehlt, zeige ein Blick in die Vergangenheit, so Bischofberger. 2008 ging der Ig-Nobel-Friedenspreis an die Schweizerische Nationale Ethikkommission und die gesamte Schweizer Bevölkerung. Der Grund: Die Schweiz hatte den Rechtsgrundsatz verankert, dass auch Pflanzen Würde besitzen.






