Studie

Disziplinarische Einzelhaft ist laut Studie unwirksam

Keystone-SDA
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Zürich,

Die disziplinarische Einzelhaft in Justizvollzugsanstalten ist laut einer neuen Studie unwirksam oder sogar kontraproduktiv. Der Zürcher Strafrechtsprofessor Thierry Urwyler – einer der Studienautoren – fordert deshalb die Abschaffung dieser Art des Arrests in der Schweiz.

Einzelhaft
Die disziplinarische Einzelhaft in Justizvollzugsanstalten ist laut einer neuen Studie unwirksam oder sogar kontraproduktiv. - keystone

In einem am Freitag von der Universität Zürich (UZH) publizierten Interview sagt Urwyler, vor allem Personen mit psychischen Problemen hielten sich nach dem Arrest tendenziell noch weniger an die Regeln. Zudem könne es durch die Einzelhaft zu Verschlechterungen auf psychischer Ebene kommen, etwa zu höherer Suizidalität.

Ein Teil der für die Schweizer Studie ausgewerteten ausländischen Studien zeige sogar, dass Einzelhaft die Rückfälligkeit nach der Entlassung steigern könne.

Eine Massnahme, die nichts nütze oder sogar schade, sei verfassungsrechtlich nicht zu legitimieren. «Wenn der disziplinarische Arrest nichts bewirkt, dann ist er eine ungeeignete Intervention, somit unverhältnismässig und sollte abgeschafft werden», so Urwyler.

Der Zürcher Professor sowie seine zwei Mitautorinnen und sein Mitautor haben laut den Aussagen Urwylers folgende Vorschläge für Alternativen: Erstens wäre eine besondere Vollzugsplanung sinnvoll, die aufzeigt, wie die Einzelhaft möglichst rasch wieder beendet werden kann.

Zweitens könnte ein multidisziplinäres Gremium die Haftprüfungen vornehmen, statt dass dies wie bisher rein juristische Instanzen tun. Und drittens könnte das Einzelhaftsetting mehr therapeutisch ausgerichtet werden, so dass die Betroffenen nicht mehr 22 Stunden lang ohne Beschäftigung in der Zelle sitzen müssten.

Laut Urwyler hat die Zürcher Justizvollzugsanstalt Pöschwies den Sanktionenkatalog bereits angepasst und ordnet Einzelhaft nun seltener an. Das sei «ein wichtiger und lobenswerter Schritt».

Die Studie «Einzelhaft im Straf- und Massnahmenvollzug» hat Urwyler zusammen mit Iris Weidmann, Thomas Noll und Nina Schnyder geschrieben, die in der Forschungsabteilung des Amts für Justizvollzug und Wiedereingliederung des Kantons Zürich tätig sind. Zuvor sei die Einzelhaft in der Schweiz nur punktuell untersucht worden, heisst es in den «UZH News».

https://www.news.uzh.ch/de/articles/news/2026/einzelhaft.html

Kommentare

User #4387 (nicht angemeldet)

Das sehe ich auch so. Nur Handauflegen und Backen streicheln bringt etwa; oder so.s

User #2535 (nicht angemeldet)

Wie sich Opfer fühlen, oder Opferfamililen, das interessiert natürlich niemand.

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