Britische Forschende untersuchen Infektionen durch Kitas
Viele Eltern kennen das: Kaum war der Knirps ein paar Tage in der Kita, ist er schon wieder krank. Tatsächlich machen Kleinkinder im ersten Kitajahr besonders viele Infektionen durch, bestätigt eine Analyse britischer Forschender.

Ein einjähriges Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, hat demnach in den ersten zwölf Monaten typischerweise etwa 12 bis 15 Atemwegsinfekte, zwei Magen-Darm-Erkrankungen und ein oder zwei Hautausschlag verursachende Infektionen wie das Dreitagefieber. Dies habe emotionale und teils auch finanzielle Folgen für Familien.
Gerade die Auswirkungen für berufstätige Eltern seien erheblich. In der Schweiz können Eltern bis zu drei Arbeitstage pro Krankheitsfall und in einem Jahr total maximal 10 Tage freinehmen, um ihr Kind zu betreuen. Mehr Zeit steht für die Betreuung schwer erkrankter Kinder zur Verfügung.
«Arbeitgeber müssen anerkennen, dass es normal ist, dass Eltern kleiner Kinder regelmässig von der Arbeit freinehmen müssen, um ihre Kinder zu betreuen, und sie auch anfälliger dafür sind, selbst krank zu werden», sagte Co-Autorin Lucy van Dorp vom University College London (UCL). Von Jahr zu Jahr bessere sich die Lage merklich.
Längerfristig betrachtet, gibt es der im Fachjournal «Clinical Microbiology Reviews» veröffentlichten Übersichtsarbeit zufolge auch einen positiven Effekt: In den ersten Schuljahren sind Kinder, die eine Kita besucht haben, seltener krank als nicht in Gemeinschaftseinrichtungen betreuter Nachwuchs. Der frühe Kontakt scheine einen gewissen Schutz für die ersten Schuljahre zu bieten, wahrscheinlich aufgrund der erworbenen Immunität gegen häufige Infektionen. Das bedeute auch, dass eine längere Betreuung von Kindern zu Hause in der Summe wahrscheinlich keine Lösung für das Problem darstelle, sondern nur ein Aufschieben.
Der Grund für die Analyse des Teams war ein ganz persönlicher: «Als Eltern waren wir alle überrascht, wie oft unsere insgesamt neun Kinder nach dem Start in der Kindertagesstätte krank wurden», sagte van Dorp. «Also haben wir uns zusammengetan, um zu untersuchen, wie oft ein Kind, das in die Kindertagesstätte kommt, im ersten Jahr krank wird, und was man dagegen tun kann.» Häufige Erkrankungen nach dem Start in der Kindertagesstätte sind demnach völlig normal und sagen in der Regel weder etwas über den Gesundheitszustand des Kindes oder der Eltern noch über die Hygiene der Betreuungseinrichtung aus.
«Neugeborene verfügen dank der von der Mutter übertragenen Antikörper über einen gewissen Schutz vor Infektionen, doch dieser lässt im ersten Lebensjahr nach», erklärte UCL-Forscher Leo Swadling, einer der Autoren. Dadurch würden Kleinkinder anfälliger für Infektionen. Ihr unerfahrenes Immunsystem sei etlichen Erregern noch nie begegnet – Kitas seien dann eine Art Bootcamp und bauten die Widerstandskraft für die Folgejahre auf.
Zentral sei, dass Eltern ihre Kinder zu Hause behalten, solange sie krank sind – und je nach Art der Infektion auch noch ein oder zwei Tage danach, sagte Mitautorin Charlotte Houldcroft von der Universität Cambridge. «Auch wenn Infektionen in der Kindertagesstätte normal und weit verbreitet sind, ist es wichtig, alles zu tun, um ihre Ausbreitung einzudämmen.»
Leider komme es gelegentlich vor, dass Kinder verfrüht wieder in die Kita gebracht würden, sagte Brunnert. «Dies wird weder dem Kind noch dem Betreuungspersonal gerecht.» Es gebe eine einfache Regel zur Orientierung: «Wenn das Kind 24 Stunden frei von Symptomen wie Fieber oder Durchfall ist und Eltern abends feststellen: «Heute wäre es fit gewesen für die Kita», dann darf es am nächsten Tag wieder gehen.«
Die Forschenden um van Dorp betonen auch, dass Impfungen nach wie vor der beste Schutz vor Kinderkrankheiten wie Masern, Mumps, Röteln und Windpocken sind. «Impfungen senken die Krankheitslast und sind derzeit unser bestes Mittel zur Vorbeugung und Linderung von Kinderkrankheiten.»










