Plastik

    Atlantik-Forscher finden Plastikabfall in 3800 Metern Tiefe

    Simon Binz
    Simon Binz

    Argentinien,

    Kaffeebecher, Gummistiefel, Plastiksäckli: Meeres-Forscher haben Müll in 3800 Metern Tiefe entdeckt.

    Tiefsee müll
    Eine Instant-Nudel-Verpackung liegt auf dem Meeresboden – daneben haben sich bereits Tiefseebewohner wie Schlangensterne angesiedelt. - Schmidt Ocean Institute, ROV SuBastian/Teso et al., 2026

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Forschungsteam fand im Atlantik bis auf 3800 Meter Tiefe zahlreichen Plastik- und Gummimüll.
    • Bei zehn von 17 Tauchgängen im Mar-del-Plata-Graben wurde Abfall gesichtet.
    • Trotz des Mülls entdeckten die Forschenden auch 40 bisher unbekannte Tierarten.

    Dort, wo kein Sonnenstrahl mehr hindringt, wo der Druck des Wassers jeden Menschen zerquetschen würde, liegt er trotzdem: Unser Abfall.

    Ein Forschungsteam hat in der Tiefsee des Atlantiks in bis zu 3800 Metern Tiefe zahlreiche Müllstücke entdeckt – mitten in einer Welt, die dem Menschen bis heute fast völlig fremd ist.

    Muss mehr gegen Plastikmüllverschmutzung unternommen werden?

    Zur Einordnung: Der Vierwaldstättersee misst an seiner tiefsten Stelle gerade einmal etwas mehr als 200 Meter. Schon ab dieser Tiefe dringt kaum noch Licht vor. Im Meer beginnt dort erst die Dämmerzone – die eigentliche Tiefsee liegt noch viel weiter unten, in ewiger Dunkelheit.

    Genau dort, fast 20 Mal tiefer als der tiefste Punkt der Schweiz, wurde das Forschungsteam nun fündig.

    Ein einsamer Stiefel auf dem Meeresgrund

    Mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug tasteten sich die Forschenden durch den Mar-del-Plata-Graben, rund 300 Kilometer vor der Küste Argentiniens. Was sie fanden, ist ein stiller, bedrückender Beweis menschlicher Spuren an einem Ort, an dem eigentlich niemand je war: Ein Kaffeebecher. Fischereimaterial. Unmengen an Plastik.

    Tiefsee Müll
    Ein weisser Plastikbecher, der in 1764 Meter Tiefe teilweise im Boden vergraben ist. Daneben auf dem Foto befindet sich ein Schlangenstern und eine mutmassliche Seescheide. - Schmidt Ocean Institute, ROV SuBastian/Teso et al., 2026

    Besonders hängen geblieben ist dem Forschungsteam ein einzelnes Bild. Letztautor Daniel Lauretta beschreibt es so: Das auffälligste Stück Abfall sei für ihn ein einzelner Stiefel gewesen, der einsam auf dem Meeresboden lag.

    Ein Gummistiefel, verloren irgendwo zwischen Felsen, fast 4000 Meter unter der Wasseroberfläche – ein Bild, das die ganze Tragik dieser Entdeckung auf den Punkt bringt.

    240 Stunden Tauchgang – und eine traurige Bilanz

    Drei Wochen lang war das Team im Juli und August 2025 im Einsatz. Insgesamt 240 Stunden verbrachte das Unterwasserfahrzeug in der Tiefsee, verteilt auf 17 Tauchgänge in Tiefen zwischen knapp 880 und 3820 Metern. Bei zehn dieser Tauchgänge – in Tiefen von 2000 bis über 3800 Metern – stiess das Team auf Müll.

    Die Zahlen sind ernüchternd: 29 Gegenstände wurden gesichtet. 27 davon bestanden aus Plastik – Folien, Säckli, Fischereiausrüstung, Lebensmittelverpackungen. Die restlichen zwei waren aus Gummi, darunter jener Stiefel.

    Tiefsee Müll
    A) Plastikverpackung (in 2109 m Tiefe); B) Gummistiefel (2598 m); C) Lebensmittelverpackung (1920 m); D) Snackverpackung (3231 m); E) Papiertaschentuchverpackung (3814 m); F) Plastiktüte (3739 m); G) Plastikfragment (3709 m); H) Nylonschnur mit Haken (1949 m); I) Plastikbecher und -sack (3243 m). Der Massstabbalken ist jeweils 10 cm lang. - Schmidt Ocean Institute, ROV SuBastian/Teso et al., 2026

    Manche Objekte lagen bereits halb vergraben oder zersetzt am Meeresboden, andere steckten zwischen Felsen fest, wieder andere trieben knapp über dem Grund – als hätten sie sich noch nicht damit abgefunden, für immer dort zu bleiben.

    Dabei war die Expedition eigentlich einem hoffnungsvollen Ziel gewidmet: Das Team entdeckte auch 40 bislang unbekannte Lebewesen. Darunter etwa Seegurken, Schnecken, Seeigel. Neues Leben, gefunden ausgerechnet neben altem, menschengemachtem Müll.

    «Wir verändern eine Welt, die wir kaum verstehen»

    Für Studienautor Diego Urteaga ist der Fund mehr als nur eine traurige Randnotiz. Er hofft, dass die Ergebnisse das Bewusstsein für den menschlichen Einfluss auf diese Umwelt schärfen – eine Umwelt, die weit entfernt und uns weitgehend unbekannt ist.

    Seine Warnung wiegt schwer: Möglicherweise verändere der Mensch bereits heute Tiefseegemeinschaften, die die Wissenschaft gerade erst zu entdecken beginnt. «Diese Erkenntnis sollte uns dazu anregen, diese Ökosysteme besser zu schützen.»

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    Kommentare

    User #2276 (nicht angemeldet)

    In Osteuropa gibt es in manchen Dörfern noch heute an Flüssen entlang Müllhaufen, beim nächsten Hochwasser mit etwas Windböen wird ein Teil abgeführt bis zum nächsten See oder ins Meer.

    User #6811 (nicht angemeldet)

    Und da gibt es welche die unseren Orbit ganz legal mit Elektro- und Satellitenschrott zumüllen dürfen, ist das etwa besser?

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