Wohl mehr Drogentote durch bestimmte Opioide als bekannt

Keystone-SDA
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Grossbritannien,

Britische Forschende schlagen Alarm: Todesfälle durch synthetische Opioide werden oft nicht erkannt. Das liegt am raschen Abbau der Substanzen nach dem Tod.

opioid
Hochpotente Opioide bleiben nach Tod oft unentdeckt. (Symbolbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Zahl der Drogentoten durch sogenannte Nitazene wird wohl stark unterschätzt.
  • Blutproben verlieren Nitazene rasch, Todesursachen bleiben darum oft unentdeckt.
  • Nitazene sind extrem potente synthetische Opioide, teils stärker als Fentanyl.

Britischen Daten zufolge dürfte die Zahl der Drogentoten durch sogenannte Nitazene bisher stark unterschätzt worden sein.

Es gebe womöglich etwa ein Drittel mehr Todesfälle durch Nitazene als bisher angenommen, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal «Clinical Toxicology».

Die Substanzen würden nach dem Tod genommenen Blutproben rasch abgebaut. Und in den Analysen zum Feststellen der Todesursache darum oft nicht mehr gefunden.

Extrem wirksame synthetische Opioide

Nitazene gehören wie Fentanyl zu den synthetischen Opioiden. Ihre Wirksamkeit kann bis zu 500-mal so hoch sein wie die von Heroin, erläutern die Experten vom King's College London.

Die leicht und billig herstellbaren Substanzen wurden demnach ursprünglich für die Verwendung als Schmerzmittel synthetisiert. Ihre Entwicklung wurde jedoch aufgrund der extremen Wirksamkeit eingestellt.

Auch in der Schweiz bereits nachgewiesen

Auf dem illegalen Markt wurden in der Schweiz bereits vereinzelt hochpotente synthetische Opioide nachgewiesen. Dies schreibt das Bundesamt für Gesundheit (BAG) auf seiner Webseite.

Seit 2019 gab es insgesamt 23 dokumentierte Fälle von Sicherstellungen respektive Nachweisen von synthetischen Opioiden.

Das geht aus einem Lagebericht aus dem Jahr 2025 der Schweizerischen Koordinations- und Fachstelle Sucht (Infodrog) hervor.

Damit spielen sie hierzulande noch eine sehr kleine Rolle, wie das BAG schreibt. Fachleute gehen jedoch davon aus, dass sich diese Substanzen weiterverbreiten werden.

Überdosierungen oft schwer nachweisbar

Verschiedene wissenschaftliche Publikationen berichten über Todesfälle in der Schweiz, die im Zusammenhang mit dem Konsum synthetischer Opioide stehen.

Allerdings werden solche Todesfälle laut dem Lagebericht von Infodrog nicht automatisch dem BAG gemeldet.

Hast du schon einmal synthetische Opioide konsumiert?

Konsumiert werden Nitazene per Vape, Pille, Pappe oder in weiteren Formen.

Typische Anzeichen einer Überdosis sind Bewusstlosigkeit, Krampfanfälle und starke Sedierung, gefolgt von Atemstillstand. Die wirksame Dosis sei bei den Substanzen nicht weit entfernt von der tödlichen Dosis.

Studie zeigt massives Erfassungsproblem

Die Forschenden um Copeland stellten den typischen Ablauf von Probennahme und -analyse nach solchen Todesfällen in Tierversuchen nach.

In der Regel dauere es in Grossbritannien etwa einen Monat, bis Blutproben von Toxikologen analysiert werden können.

Zu diesem Analysezeitpunkt seien nur noch 14 Prozent des zum Zeitpunkt der Überdosierung existierenden Nitazens vorhanden gewesen.

Aus Modellierungen schloss das Team, dass die Zahl tatsächlicher Todesfälle mutmasslich um etwa ein Drittel höher liegt als bisher erfasst.

«Wenn wir ein Problem nicht richtig messen, können wir keine geeigneten Massnahmen entwickeln. Und die unvermeidliche Folge ist, dass vermeidbare Todesfälle weiterhin auftreten werden», sagte Copeland.

Typische Abbauprodukte von Nitazenen zu finden und Nachweisverfahren dafür zu entwickeln, könne künftig zu besseren Daten führen.

Die britische National Crime Agency (NCA) erfasste 2024 über 330 Todesfälle im Zusammenhang mit Nitazenen, wie das King's College mitteilte. Oft seien sehr junge Menschen betroffen.

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Kommentare

User #5443 (nicht angemeldet)

Ist doch toll. Wenn das nur 10 Personen tun, dann sind wir nur noch 8 999 990. Endlich wieder mehr Platz.

User #2278 (nicht angemeldet)

1/3 mehr? Ich schätze 2x mehr als sie zugeben wollen...

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