Wladimir Putin will neue Flüchtlingswelle auslösen
Wladimir Putin lässt erneut die Energieinfrastruktur angreifen. Damit will er Städte «unbewohnbar machen» und eine Flüchtlingswelle auslösen.

Das Wichtigste in Kürze
- Russland greift die ukrainische Energieinfrastruktur stärker an.
- Damit will er die Lebensbedingungen verschlechtern und eine Flüchtlingswelle auslösen.
- Kiew aber betont, auf die Angriffe und den Winter vorbereitet zu sein.
Am Boden gibt es im Ukraine-Krieg seit Langem für keine Seite grosse Fortschritte mehr. Russland fokussiert sich deshalb auf Luftangriffe mit Drohnen. Oft beschossen werden die Infrastruktur sowie Lager von Supermarktketten und humanitären Organisationen.
Das Ziel von Kremlchef Wladimir Putin: «Städtische Gebiete unbewohnbar machen.» So formuliert es der ukrainische Militäranalyst Mykola Bieleskow, Analyst von «Come Back Alive», gegenüber dem «Spiegel».
Die Taktik ist aus den früheren Herbsten des Krieges bekannt: Russland nimmt die Energieinfrastruktur ins Visier. Damit will der Angreifer auch den Westen treffen.
In den Kriegswintern waren unzählige Ukrainer bei zweistelligen Minustemperaturen wochenlang ohne Strom und Gas gewesen. Auch Grossstädte wie Kiew blieben nicht verschont.
Wie die «New York Times» berichtet, will Wladimir Putin auch in diesem Winter die Ukrainer frieren lassen. Ein massiver Angriff mit bis zu 1000 Raketen auf die Energieinfrastruktur steht laut ukrainischen Dokumenten bevor.
Selenskyj: Gibt keine Regeln mehr für russische Armee
Und gemäss der «Financial Times» wies der Kremlchef seine Kommandanten an, alle Beschränkungen aufzuheben. Wolodymyr Selenskyj warnt, dass es für die russische Armee nun keine Regeln mehr gebe.
Russland macht derweil grosse Fortschritte: Mit chinesischer Hilfe baut das Land in grossem Masse Drohnen mit Jetantrieb und ballistische Raketen. Diese sind für die Ukraine nur schwer abzufangen.
Und noch wichtiger: In der Luftverteidigung ist das angegriffene Land auf die Hilfe aus dem Westen angewiesen.
Laut Analyst Bieleskow folgen die russischen Angriffe kaum einem militärischen Ziel. Dafür wolle Russland die Widerstandsfähigkeit der Ukrainer und der verbündeten Staaten testen.
40 Prozent der Ukrainer könnten sich Flucht vorstellen
Im September führte das ukrainische Meinungsforschungsinstitut Gradus eine Umfrage durch. Das Resultat: Rund 40 Prozent der Ukrainer könnten sich vorstellen, temporär oder permanent das Land zu verlassen, sollten sich die Lebensbedingungen verschlechtern.
Und genau darauf könnte Wladimir Putin gemäss dem Analysten abzielen: eine Verschlechterung der Lebensbedingungen im Winter, eine neue Flüchtlingswelle in Richtung Westen.

Für die Ukraine wäre das doppelt schlecht: Zum einen würden mit der Abwanderung auch Steuereinnahmen für den schon jetzt schwer angeschlagenen Haushalt wegfallen.
Zum anderen könnte eine Flüchtlingswelle die öffentliche Meinung in den westlichen Ländern beeinflussen. Und damit den Unterstützungswillen.
Kiew: Sind vorbereitet
Kiew zeigt sich angesichts des nächsten drohenden «brutalen Winters», wie es Kommentatoren bezeichnen, gelassen.
«Immer mehr Einrichtungen verfügen über eine zusätzliche Notstromversorgung, die Infrastruktur wird besser geschützt. Wie haben mehr Reserveausrüstung und Ersatzteile bestellt, sowie die Zahl der Reparaturteams erhöht», erklärt Premierminister Serhij Koretskyj.
Die Ukraine sagt also, sie sei vorbereitet auf den Winter. Und die Bewohner dürften nach viereinhalb Jahren Krieg genügend Erfahrung haben.




















