Von elf Firmen: Auch neue russische Waffen haben Schweizer Teile

    Fabienne Endras
    Fabienne Endras

    Zürich,

    Der ukrainische Militärgeheimdienst findet in fast allen russischen Waffen Trümmer von elektronischen Teilen aus Firmen mit Sitz in der Schweiz.

    Rakete
    In russischen Waffen, wie im Iskander Raketensystem, findet der ukrainische Militärgeheimdienst immer wieder ausländische elektronische Bestandteile – auch aus der Schweiz. (Symbolbild) - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Die Ukraine findet immer noch Bauteile von elf Schweizer Firmen in 95 Prozent der russischen Waffen.
    • Der Schweiz wird vorgeworfen, zu wenig zu tun, um Lieferungen nach Russland zu verhindern.
    • Es gibt Hinweise, dass die Bauteile über China nach Russland gelangen.

    Der ukrainische Militärgeheimdienst HUR führt eine öffentlich zugängliche Datenbank. Darin veröffentlicht er regelmässig elektronische Teile, die er in Trümmern russischer Waffen findet.

    Laut Datenbank stecken Bestandteile von elf Schweizer Firmen in russischen Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern. Auch in ballistischen Raketen aus Nordkorea, die auf die Ukraine abgefeuert wurden, tauchten gemäss der Liste Schweizer Teile auf.

    Gegenüber SRF erklärt Vladyslav Vlasiuk, Berater für internationale Sanktionen des ukrainischen Präsidenten: 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen würden Teile von Schweizer Unternehmen enthalten. Bei den elektronischen Bauteilen der Firmen mit Sitz in der Schweiz handle es sich um industrielle Massenprodukte.

    Es handelt sich bei den Funden laut Vlasiuk um Mikrocontroller zur Steuerung, Spannungsumwandler, Sensoren und Speicherchips. Es sind zivile Produkte, die aber trotzdem für den Krieg relevant sind. Denn die Teile werden in neue oder weiterentwickelte Waffensysteme eingebaut.

    Schweiz tue zu wenig

    Der Schweiz wird vorgeworfen, zu wenig zu tun, um Lieferungen nach Russland zu verhindern. Von Seiten der Ukraine wird gefordert, dass die Schweizer Regierung die Strafverfolgungsbehörden einschaltet. Ausserdem solle der Export stärker kontrolliert werden.

    Zudem richtet er konkrete Forderungen an die betroffenen Firmen. Sie sollten ihre Distributionspartner und Zwischenhändler sorgfältiger auswählen.

    Tut die Schweiz zu wenig, um Lieferungen nach Russland zu verhindern?

    Das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco ist sich der Problematik bewusst. Das sagt die Behörde auf Anfrage von SRF. Sie erklärt, die meisten betroffenen Güter würden gar nicht in der Schweiz hergestellt.

    Gleichzeitig hält das Seco fest: Der Export dieser Güter aus der Schweiz nach Russland – auch auf indirektem Weg – ist verboten. Schweizer Unternehmen sind verpflichtet, bei Verkäufen in Drittländer vertraglich zu verbieten, dass die Waren weiter nach Russland exportiert werden.

    China im Verdacht

    Wie gelangen die Bauteile trotz Verboten nach Russland? Viele Hinweise deuten auf China. Recherchen von Thinktanks, NGOs und Medien zeigen: Vertriebspartner aus China sollen die Waren an Russland liefern.

    Mehrere Schweizer Firmen lassen ihre Produkte teilweise in China herstellen. Die Kontrolle über den weiteren Vertrieb ist in solchen Fällen schwieriger.

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    Kommentare

    User #4910 (nicht angemeldet)

    Darum richtig stimmen!

    User #1867 (nicht angemeldet)

    Schaltet doch mal das Hirn ein! Das sind KEINE Direktimporte! Wenn ich jemandem was verkaufe kann ich nicht kontrollieren ob es weiter verkauft wird.

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