Ein Arzt im deutschen Bielefeld vergewaltigte mehrere seiner Patientinnen. Dafür wurde er jetzt zu elf Jahren Haft und lebenslangem Berufsverbot verurteilt.
Vergewaltigungen
Der angeklagte Arzt kommt in einen Sitzungssaal des Bielefelder Landgerichts. Foto: Friso Gentsch/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Assistenzarzt hat im deutschen Bielefeld mehrere Patientinnen vergewaltigt.
  • Nun musste er sich vor dem Landesgericht verantworten.
  • Der Richter verurteilte ihn zu elf Jahren Haft und einem lebenslangen Berufsverbot.

Mehrere Frauen waren als Patientinnen von einem Arzt im deutschen Bielefeld vergewaltigt worden. Nun steht der Mann vor dem Landgericht Bielefeld. Wenn dieses das Urteil bestätigt, muss er lange ins Gefängnis und darf nicht mehr im Krankenhaus arbeiten.

«Die Beweismittel sind so eindeutig, richtig eindeutig. Da können Sie sich nicht mehr rausreden», sagte der Richter zum Abschluss der über zweistündigen Urteilsbegründung.

Gefängnis Zürich
Blick aus dem Fenster in einem Strafvollzug. (Symbolbild) - Keystone

Er hat gerade den Mann auf der Anklagebank zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Ausserdem verhängte das Landgericht Bielefeld am Donnerstag ein lebenslanges Berufsverbot in Krankenhäusern. An die Opfer muss der 43-Jährige ausserdem 35'000 Euro und 10'000 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hatte Freispruch, die Staatsanwaltschaft zwölf Jahre Haft gefordert.

Der Assistenzarzt hat nach Überzeugung des Gerichts Ende 2020 mehrere Frauen sexuell belästigt, schwer vergewaltigt und zum Teil schwer verletzt. Der Mann hatte die Vorwürfe von Anfang an bestritten, den Frauen falsche Aussagen und sexuelle Träume nach der Narkose unterstellt. Ausserdem berief er sich auf Operationsprotokolle, nach denen er nicht in die Zimmer der Frauen hätte gehen können.

Reinen Tisch gefordert

Richter Wahlmann hatte bereits zum Prozessauftakt dazu geraten, reinen Tisch zu machen. In der mündlichen Begründung zählte er dann dezidiert auf, wo der 43-Jährige «Märchen erzählt» und gelogen habe.

«Die Zeugenaussage aber waren absolut glaubhaft. Klar und abgewogen, wie sich ein Gericht das wünscht. Das war eine anerkennenswerte Leistung nach dieser psychischen Belastung», sagte der Richter. Dem Angeklagten ins Gesicht zu gucken und als Zeugen hier auszusagen - das müsse das Gericht schon hervorheben.

Ärzte
Ärzte in weissen Kitteln (Symbolbild). - dpa-infocom GmbH

Überhaupt nichts zu rütteln habe es an einem Gutachten des Landeskriminalamtes gegeben, betonte das Gericht. In der Unterhose des Mediziners waren Speichelspuren einer der Frauen gefunden worden. Das passte exakt zu einer Aussage der Patientinnen. Der Arzt hatte die Frauen oral vergewaltigt, in einigen Fällen wertete das Gericht die Taten als Versuch, andere waren erfolgreich. Zuvor hatte er ihnen, nicht wie gewünscht Schmerzmittel gespritzt, sondern Mittel mit einschläfernder Wirkung.

Kinderpornografie gefunden

Der Fund von Kinderpornografie nach seiner Festnahme auf einem USB-Stick und Computer sowie Drogen wurde ebenfalls verhandelt. Bei einer Hausdurchsuchung in Oelde fanden die Ermittler eine Drogenplantage. Die mitangeklagte Ehefrau erhielt deshalb für den Anbau ein Jahr und sechs Monate Haft auf Bewährung. Der Arzt wurde wegen Besitzes von Drogen und der gefundenen Bilder und Videos verurteilt.

Beim Strafmass habe das Gericht durchaus überlegt, noch höher zu gehen. Möglich seien 14 Jahre gewesen, betont der Richter. Allerdings sei der Mediziner ein Ersttäter. «Das waren schlimme Taten, deshalb das lebenslange Berufsverbot. Dieses Risiko wollen wir der Gesellschaft nicht aussetzen. Der Opferschutz steht weit vorne. Das darf nicht wieder passieren.»

Ein letzter Rat an den gerade Verurteilten durch das Gericht: «Wenn Sie früher rauswollen, arbeiten Sie die Tat auf.»

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