Trockenste zwölf Monate in Österreich in 176 Jahren Messgeschichte
Der aktuelle Sommer hat Österreich eine nie da gewesene Trockenheit beschert. Doch die Niederschlagsdefizite sind bereits seit einem Jahr auf Rekordniveau.

«Die vergangenen zwölf Monate werden als die trockensten seit Messbeginn im Jahr 1850 in die Geschichte eingehen», bilanzierte Klimaforscher Klaus Haslinger von der Geosphere Austria am Montag. An einigen Messstellen im Osten habe es wochenlang nicht geregnet – rasche Entspannung sei nicht absehbar.
In der Zeit vom 1. Januar bis 12. August hat es gemäss diesen Angaben auf 72 Prozent der österreichischen Landesfläche mehr trockene Tage gegeben als in jedem der vergangenen 65 Jahre.
«Seit 23. Februar herrscht in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland ein nahezu durchgehendes Niederschlagsdefizit», ergänzte Klimatologe Peter Müller. Im Zeitraum vom 23. Februar bis 9. August fielen nur 210,9 statt der üblichen 405 Millimeter. «Das ist die niederschlagsärmste vergleichbare Periode seit zumindest 1961.» Die bisherigen Tiefstwerte aus dem Jahr 2003 (265,8 Millimeter) und 2015 (275 Millimeter) liegen deutlich darüber.
Die längste zusammenhängende Trockenperiode – Tage in Folge mit weniger als einem Millimeter Niederschlag – dauerte bis zu 48 Tage. Diese datiert jedoch aus dem Frühjahr. Aktuell ist der Osten besonders betroffen: So hat es etwa in Poysdorf im nördlichen Weinviertel seit 8. Juli nicht geregnet. An der Geosphere-Messstation Wiener Neustadt Flugplatz reicht die Messreihe bis 1857 zurück. Der Zeitraum Februar bis Juli 2026 war dort mit 170 Millimetern der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 169 Jahren.
Zu wenig Regen gab es in ganz Österreich, mit regionalen Unterschieden. Die Top drei sind Wien mit minus 39 Prozent, Oberösterreich mit minus 42 und der Spitzenreiter Niederösterreich mit minus 43 Prozent Niederschlag.
Parallel zur Trockenheit war es auch aussergewöhnlich heiss mit zwei Hitzewellen inklusive neuen Extremtemperaturen bis 41,2 Grad. Im Zeitraum 23. Februar bis 9. August wurden in Ostösterreich im Flächenmittel 26 Hitzetage mit mindestens 30 Grad registriert – ebenfalls ein Rekord seit zumindest 1961. Der bisherige Höchstwert waren 22 Tage im Jahr 2015.
Für das Monitoring von Trockenheit hat sich die klimatische Wasserbilanz («Standardized Precipitation Evapotranspiration Index – SPEI»), die die Differenz zwischen Niederschlag und potenzieller Verdunstung ausdrückt, etabliert. Werte des SPEI zwischen minus 1,0 und plus 1,0 deuten auf normale Bedingungen hin, unter minus 1,0 auf trockene und unter minus 2,0 auf extreme Trockenheit. «Im Juli 2026 ist der SPEI für die vergangenen zwölf Monate unter minus 4,0 gefallen. Das ist beispiellos in der gesamten Messgeschichte und stellt damit auch bisherige Extremjahre in den Schatten», sagte Haslinger.










