Nach der Kontroverse um ihre Haltung zum russischen Angriffskrieg in der Ukraine hat die russische Sopranistin Anna Netrebko ein triumphales Comeback auf einer westlichen Bühne gefeiert.
Anna Netrebko bei Auftritt im Juli 2021 in Athen
Anna Netrebko bei Auftritt im Juli 2021 in Athen - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Ukrainische Botschaft empört über Auftritt von russischer Sopranistin in Paris.

Schon als die Sängerin am Mittwochabend in der Pariser Philharmonie auf die Bühne trat, applaudierte das Publikum ihr minutenlang. Lächelnd und sichtlich entspannt trug die Sopranistin Stücke der russischen Komponisten Rachmaninow und Tschaikowski sowie des Franzosen Claude Debussy vor.

Am Ende der Vorstellung erntete Netrebko stehende Ovationen. Heftige Kritik kam von der ukrainischen Botschaft in Paris. Es sei «empörend», dass das Konzert nicht abgesagt worden sei, erklärte die Botschaft im Onlinedienst Twitter.

Netrebko war zu Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Westen in die Kritik geraten, weil sie als Unterstützerin von Kreml-Chef Wladimir Putin galt. Die Metropolitan Opera in New York sagte alle Auftritte der Opern-Diva bis auf Weiteres ab. Netrebko erklärte angesichts der Kritik, sie werde sich vorübergehend von der Bühne zurückziehen.

Nach wochenlangem Schweigen distanzierte sie sich Ende März schliesslich ausdrücklich von Putins Krieg in der Ukraine. «Ich erkenne und bedauere, dass meine Handlungen oder Aussagen in der Vergangenheit zum Teil falsch interpretiert werden konnten», erklärte sie dazu.

Netrebko versicherte in der Erklärung zugleich, sie liebe ihr Heimatland Russland. Durch ihre Kunst strebe sie «ausschliesslich Frieden und Einigkeit an». Als Reaktion auf ihre Erklärung wurde sie kurz darauf von einem russischen Opernhaus ausgeladen.

In einem am Sonntag veröffentlichten Interview mit der französischen Zeitung «Le Monde» versicherte Netrebko, sie habe sich «nichts» zu Schulden kommen lassen. Sie schilderte darin auch, warum sie sich nicht ausdrücklich von Putin distanzierte. Auf entsprechende Forderungen habe sie entgegnet, «dass ich einen russischen Pass habe, dass er immer noch der Präsident ist und dass ich diese Worte nicht öffentlich äussern kann».

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