Teppich von Bayeux fasziniert Besucher in London
Mehr als 950 Jahre alt und ganze 70 Meter lang: Kunst- und Geschichtsinteressierte können den legendären Teppich von Bayeux erstmals in der britischen Hauptstadt bestaunen.

Das mehrfarbige Werk zeigt in erstaunlicher Lebendigkeit die Ereignisse um die normannische Eroberung Englands unter Wilhelm dem Eroberer im Jahr 1066. Die Machtübernahme der französischsprachigen Normannen im bis dahin weitgehend von Angelsachsen dominierten England sollte das Land und deren Sprache für immer verändern.
Zahlreiche Menschen versammelten sich am Vormittag zur Eröffnung der besonderen Ausstellung im British Museum. Wer das Bildzeugnis zu Gesicht bekommen möchte, muss sich allerdings gedulden: Dem British Museum zufolge sind alle Tickets bis zum Ende des Jahres ausverkauft. Der Vorverkauf für das kommende Jahr startet am 21. Oktober.
Zum ersten Mal seit seiner Entstehung war der Teppich im Juli in London eingetroffen. Das extrem zerbrechliche Stück wurde unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen und mit äusserster Vorsicht vom französischen Bayeux ins Vereinigte Königreich gebracht.
Das Artefakt ist streng genommen kein Teppich, sondern ein besticktes Tuch, das wahrscheinlich vom Bischof von Bayeux, Odo, einem Halbbruder von Wilhelm dem Eroberer, in Auftrag gegeben wurde. Die Stickarbeiten wurden wohl von Frauen, womöglich sogar in England ausgeführt. Die Mehrfarbigkeit erzeugt auf der zweidimensionalen Bildfläche die Illusion räumlicher Tiefe.
Der Teppich gehört dem französischen Staat und wird bis Juli 2027 in London zu sehen sein. Die Leihgabe erfüllt einen lang ersehnten Wunsch der Briten: Schon 1953 und 1966 hatten sie um eine Ausleihe gebeten – vergeblich.
Vergangene Woche hatte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gemeinsam mit Premierminister Andy Burnham und König Charles III. den Teppich begutachtet. Die Leihgabe erinnere daran, «was unsere beiden Länder erreichen können, wenn sie ihre Kräfte bündeln», sagte Macron dabei der Nachrichtenagentur PA zufolge.
Begeisterung war auch bei den ersten Besuchern spürbar, wie britische Medien berichten. «Ich war begeistert von der Lebendigkeit der Farben, der Detailtreue der Figuren», sagte Besucherin Cecilia Zanini der BBC. Sie und ihr Mann hätten eine «Gänsehaut» gehabt. Die Stickerei gebe einem ein «echtes Gefühl von Bewegung», ergänzte ihr Mann Fabio.










