In Tunesien sind tausende Menschen aus Protest gegen Präsident Kaïs Saïed auf die Strasse gegangen.
Protest in Tunis
Protest in Tunis - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Demonstranten werfen Staatschef «Staatsstreich» vor.

Zwischen 6000 und 8000 Menschen versammelten sich nach Polizeiangaben am Sonntag im Zentrum der Hauptstadt Tunis. Es war die bislang grösste Demonstration seit Saïed Ende Juli die Regierung entmachtet und anschliessend seine eigenen Befugnisse ausgeweitet hatte.

«Das Volk gegen den Staatsstreich» und «Erhebt eure Stimmen, die Revolution ist nicht tot», skandierten die Demonstranten und schwenkten die rot-weisse tunesische Flagge. Bereitschaftspolizisten versperrten den Teilnehmern des Protestmarsches den Weg zum Innenministerium.

Saïed hatte Ende Juli mit Hilfe eines Notstandsartikels der Verfassung Regierungschef Hichem Mechichi abgesetzt, die Arbeit des Parlaments ausgesetzt und die Immunität der Abgeordneten aufgehoben. Die bis dahin regierende Ennahdha-Partei warf ihm einen «Putsch» vor.

In den vergangenen Wochen kam es wiederholt zu Protesten. Viele Tunesier fürchten einen Rückfall in die Zeit vor dem Arabischen Frühling 2011, der zum Sturz des langjährigen Machthabers Zine El Abidine Ben Ali geführt hatte.

Tunesien galt lange als Musterland des Arabischen Frühlings. Allerdings hat das Land auch mehr als zehn Jahre nach dem demokratischen Wandel nicht zu politischer Stabilität gefunden. Seit dem Sturz von Langzeit-Machthaber Ben Ali gab es zahlreiche Regierungen, von denen sich einige nur wenige Monate an der Macht halten konnten.

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