Gondel-Absturz: «Hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben»
Das Gondel-Unglück in Engelberg macht Skifahrern Angst. In den letzten 20 Jahren ist es erst der zweite Todesfall. «Das sicherste Verkehrsmittel, das es gibt.»

Das Wichtigste in Kürze
- In Engelberg kam es am Mittwoch zu einem tödlichen Gondel-Unglück.
- Skifahrer zeigen sich besorgt. Seilbahnen sind aber ein sehr sicheres Transportmittel.
- Der Seilbahn-Direktor spricht vom «sichersten Verkehrsmittel, das es gibt.»
- Vom BAV, dass die Anlagen kontrolliert, heisst es:
- «Eine absolute, hundertprozentige Sicherheit wird es aber auch hier nie geben können.»
«Man geht schon mit einem mulmigen Gefühl in die Gondeln. Das lässt einem nicht kalt.»
Nach dem tödlichen Gondel-Unglück in Engelberg sagt eine Skifahrerin, die gestern ebenfalls im Titlis-Skigebiet fuhr, zu Nau.ch: Der Vorfall hinterlasse bei ihr Spuren.
In einer Gondel abzustürzen – es ist eine Horror-Vorstellung für viele Menschen.
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Die meisten Unfälle passieren beim Ein- und Aussteigen
Das Bundesamt für Verkehr ist für die Kontrolle von 650 der rund 2400 Seilbahnen in der Schweiz zuständig. Sprecher Michael Müller verneint klar, dass man nach dem Absturz in Engelberg mehr Angst haben muss: «Seilbahnen sind ein extrem sicheres Transportmittel.»
Das würden auch die Statistiken zeigen. «Die weitaus meisten Unfälle passieren beim Ein- und Aussteigen in den Stationen.»
Heisst: Ist die Gondel oder der Sessellift einmal in der Luft, ist das grösste Unfall-Risiko überstanden – bis zum Aussteigen. «Auf offener Strecke sind Ereignisse sehr selten.»
«Absolute Sicherheit wird es nie geben» – 17. Absturz in 20 Jahren
Trotzdem, so Müller: «Eine absolute, hundertprozentige Sicherheit wird es aber auch hier nie geben können.»
Gemäss der Nationalen Ereignisdatenbank (NEDB) sind in den letzten 20 Jahren vier kleine Seilbahngondeln und zwölf Sessel von Sesselbahnen abgestürzt. Dabei ist (ohne Engelberg) eine Person gestorben. Drei haben sich schwer verletzt, eine Person wurde leicht verletzt.
Seilbahn-Direktor: «Das sicherste Verkehrsmittel, das es gibt»
Berno Stoffel, der Direktor von Seilbahnen Schweiz, sagt sogar: «Seilbahnen sind das sicherste Verkehrsmittel, das es gibt.»
Jährlich würden 330 Millionen Personen-Kilometer mit Luftseilbahnen zurückgelegt. Für die Betreiber liege die Sicherheit an oberster Stelle. Auch deshalb sei die Verletzungsgefahr «verschwindend gering».

«Sicherheitsnormen für Seilbahnen in der Schweiz gelten als sehr streng – auch im internationalen Vergleich», so Stoffel. Jede Bahn besitze ein Checkbuch, das tägliche, monatliche, jährliche und mehrjährliche Kontrollen aufführt.
Ab 60 Km/h muss Gondel abstellen
So wurde auch die Titlis-Unglücks-Gondel erst im vergangenen September letztmals revidiert.
Gestern herrschten im Skigebiet starke Winde.
Hier gibt es klare Vorgaben: Bei 40 Stundenkilometern gibt es einen automatischen Wind-Alarm. Bei 60 Km/h erfolge eine Windwarnung, erklärte Norbert Patt, Chef der Titlis-Bergbahnen. «Dann muss man die Anlage einstellen.»

Ob dies passierte, ob es Windalarm gab und in welcher Hinsicht der Wind ein Grund für den Absturz war? Das wird derzeit ermittelt.
«Klemme hat sich gelöst» – so läuft die Kontrolle ab
Patt sagte an der gestrigen PK, dass die Gondel mit einer sogenannten Klemme am Seil befestigt sei. «Diese Klemme hat sich gelöst.» Die Klemme kuppelt die Gondel am Förderseil fest. Sie öffnet und schliesst sich bei jeder Ein- und Ausfahrt.
Der Vorgang wird entsprechend gut überwacht, sagt Müller vom BAV. «Die Klemmen und deren Klemmkraft wird in der Station automatisch geprüft. Wenn die Gondel vom Seil geht und vor der Ausfahrt wieder eingeklemmt wird. Sollte etwas nicht in Ordnung sein, wird die Anlage automatisch gestoppt.»
Die Verantwortung für die Sicherheit der Seilbahnen liege bei den Betreiberfirmen. Dazu gehört die korrekte Instandhaltung sowie der sichere Unterhalt.
Das BAV kontrolliert mit Audits (Organisation, Ausbildung, Management und Prozesse) und Betriebskontrollen (Maschinen, elektrische Bestandteile, bauliche Einrichtungen, Seiltechnik). Kontrolliert wird risikoorientiert und mit Stichproben.
Auch die Unternehmen selber stehen aber in der Pflicht, regelmässige Kontrollen durchzuführen. Das sind visuelle Funktionsprüfungen, Seilprüfungen und Bremsprüfungen.
Das schwerste Seilbahnunglück passierte vor über 50 Jahren
Das schwerste Seilbahnunglück in der Schweizer Geschichte liegt schon länger zurück. Es ereignete sich 1972 in Betten VS.
Eine Gondel der Betten-Bettmeralp-Bahn fuhr mit 14 Personen und einer Ladung Kies ins Tal. Nach einigen hundert Metern Fahrt reisst das Zugseil. Die Kabine stürzt ins Tal – zwölf Menschen sterben, zwei Jugendliche überlebten wie durch ein Wunder.



















