Ein junger Wissenschaftler soll Informationen an den russischen Geheimdienst weitergegeben haben. Der Russe sitzt jetzt in Untersuchungshaft.
Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen 29-Jährigen Universitätsmitarbeiter. Foto: Christoph Schmidt/dpa
Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen einen 29-Jährigen Universitätsmitarbeiter. Foto: Christoph Schmidt/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein russischer Universitätsmitarbeiter sitzt wegen Spionage-Vorwürfen in Untersuchungshaft.

Er soll Informationen aus dem Umfeld der Hochschule an einen russischen Geheimdienst weitergegeben haben.

Der Mann sei am Freitag gefasst worden und befinde sich inzwischen in Untersuchungshaft, teilte die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe am Montag mit. Seine Wohnung und Dienststätte seien durchsucht worden. Um welche Hochschule es sich handelt, wurde nicht mitgeteilt, die Rede war von einer «Universität im Bundesgebiet». Nach dpa-Informationen handelt es sich um die Universität Augsburg. Diese bestätigte, dass es sich um einen ihrer Mitarbeiter handele und dass es Durchsuchungen gegeben habe. Der bayerische Staatsschutz war nach Angaben des Landeskriminalamtes in München an dem Einsatz beteiligt.

Der 29-Jährige war dort den Ermittlern zufolge wissenschaftlicher Mitarbeiter an einem naturwissenschaftlich-technischen Lehrstuhl. Seit Oktober 2020 habe er sich mindestens dreimal mit einem Angehörigen eines russischen Auslandsgeheimdienstes getroffen. Zumindest bei zwei dieser Treffen habe er gegen Bargeld Informationen «aus dem Herrschaftsgebiet der Universität» weitergegeben.

Zum Forschungsbereich des 29-Jährige wollte eine Uni-Sprecherin keine genaueren Angaben machen. Nach Informationen des Nachrichtenportals t-online war er Doktorand der Professur für Mechanical Engineering und forschte zu hybriden Werkstoffsystemen für den Leichtbau. Der Lehrstuhl biete auch Kooperationen mit Industrieunternehmen an.

Die Staatsanwaltschaft des Bundes ist unter anderem für die Verfolgung von «geheimdienstlicher Agententätigkeit» zuständig. Diese wird mit bis zu fünf Jahren Haft oder Geldstrafe bestraft. Erst im Februar hatte die Bundesanwaltschaft einen Deutschen angeklagt, der 2017 sensible Informationen über Bundestagsgebäude an den russischen Geheimdienst verraten haben soll.

Die Spionage in Deutschland hat nach Auffassung des Bundesamts für Verfassungsschutz mindestens das Niveau des Kalten Krieges erreicht. Die Bundesrepublik sei ein attraktives Ziel insbesondere für Agenten aus Russland, China und dem Iran, aber auch für türkische Agenten, sagte Bundesamts-Chef Thomas Haldenwang im vergangenen Sommer im Bundestag. Neben virenverseuchten E-Mails versuchten Agenten weiterhin auch in der realen Welt, Erkenntnisse zu gewinnen.

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