Selenski gibt nach – Warum das ein gutes Zeichen ist
Selenski entlässt Armeechef Syrskyj nach tagelangen Protesten. Ein Zeichen, dass die Ukraine eine echte Demokratie bleibt.

Selenski hat nachgegeben. Nachdem er vergangene Woche Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entliess, wuchs der Druck aus der Bevölkerung schnell.
Wie das «SRF» berichtet, hat der Präsident nun seinen Gegenspieler, Armeechef Oleksander Syrskyj, ebenfalls abgesetzt.
Laut dem «ORF» gingen in Kiew und zahlreichen weiteren Städten tagelang mehrere tausend Menschen auf die Strasse. Sie forderten Fedorows Wiedereinsetzung und die Ablösung von Syrskyj.
Drohnen statt Schützengräben
Fedorow, erst 35 Jahre alt, stand für eine moderne Kriegsführung mit Technologie und Drohnen. Wie das «ZDF» berichtet, gilt er als treibende Kraft hinter den erfolgreichen ukrainischen Angriffen auf russische Ziele.
Syrskyj hingegen war ein General der alten Schule. Laut dem «SRF» setzte er lieber auf klassische Sturmtruppen am Boden und wurde von Kritikern als rücksichtslos bezeichnet.
Die Spannung zwischen den beiden Männern eskalierte schliesslich offen. Der «ORF» berichtet, dass Fedorow nach seiner Entlassung den Richtungsstreit mit Syrskyj öffentlich machte.
Selenski hörte auf sein Volk
Selenski signalisierte schon am Samstag ein Einlenken. Wie der «ORF» festhält, sagte er in seiner täglichen Videoansprache, er höre, was die Menschen sagen.
Am Dienstag folgte dann die Entscheidung. Laut dem «ZDF» soll der 43-jährige Generalmajor Mychajlo Drapatyj künftig die Streitkräfte anführen und eine Armee-Reform vorantreiben.
Das «SRF» wertet diesen Schritt als Zeichen dafür, dass die Ukraine trotz allem eine Demokratie mit vielen Machtpolen bleibt. Nicht ein Mann alleine entscheidet – das Volk redet mit.
Selenski unter Beobachtung
Ob die personellen Wechsel militärisch Früchte tragen, wird sich zeigen müssen.

Fedorow baute laut dem «ZDF» bereits 2019 die digitale App «Diia» mit auf. Korruptionsforscherin Oxana Huss sieht darin einen wichtigen Beitrag zur Resilienz des ukrainischen Staates.
Selenski kündigte in einer Videobotschaft eine Neuordnung des Generalstabs an. Diese soll in Abstimmung mit dem Verteidigungsministerium und dem Präsidialamt erfolgen.












