Massenproteste in der Ukraine – Druck auf Selenskyj steigt
In der Ukraine gehen Tausende gegen die Absetzung von Verteidigungsminister Fedorow auf die Strasse – der Druck auf Selenskyj wächst.

Seit mehreren Tagen versammeln sich Tausende Menschen vor dem Präsidialamt in Kiew. Wie die «taz» berichtet, skandieren sie «Schande!» und fordern, dass das Volk gehört werden soll.
Auslöser ist die Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow durch Präsident Wolodymyr Selenskyj. Laut der «taz» wurde Fedorow erst im Januar 2026 ernannt und gilt als Architekt des ukrainischen Drohnenkriegs.
Fedorow schrieb dem ukrainischen Militär wichtige Erfolge zu: Er modernisierte das Beschaffungswesen und schaltete Starlink für russische Truppen ab. Diese Leistungen machten ihn in der Bevölkerung von Ukraine besonders populär.
Konflikt mit dem Armeechef
Hintergrund der Entlassung ist ein Streit zwischen Fedorow und Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj. Wie die «taz» berichtet, fordert die Menge nun auch den Abgang von Syrskyj.
«ZDFheute» berichtet, dass ZDF-Reporterin Anne Brühl selbst unter den Demonstranten stand und zwischen 5000 und 7000 Menschen zählte. Der politische Druck auf Selenskyj wachse zusehends.
Der abgelöste Minister erhob nach seinem Rücktritt schwere Vorwürfe. Armeechef Syrskyj habe seine Entlassung mit einem Ultimatum erzwungen, erklärte Fedorow laut «T-Online».
«Nicht für so einen Mist»
Die Demonstrantin Valerija Tsarytsenko aus Kiew hält ein Schild, das an ihren Vater an der Front erinnert. «Mein Vater ist schon seit 12 Jahren im Krieg – aber nicht für so einen Mist», lautet die Aufschrift.
Auch Militärangehörige mit Auszeichnungen nahmen an den Protesten teil. Oberleutnant Wladislaw Stozkij sagte laut der «taz»: «Warum entlassen sie einen solchen Mann? Das gefällt mir nicht.»
Fedorow selbst äusserte Zweifel an der Lage. Laut «T-Online» sagte er: «In dieser Konstellation weiss ich persönlich nicht, wie der Krieg gewonnen werden kann.»
Ukraine: Parlament soll einberufen werden
Das ukrainische Parlament befindet sich in der Sommerpause und kann nicht sofort über Personalentscheide abstimmen. Laut der «taz» fordern die Demonstranten deshalb eine vorgezogene Einberufung des Parlaments.

Unter den Protestierenden ist auch die Freiwillige Wladyslawa Titarenko. Ihr Bruder habe drei Jahre in russischer Gefangenschaft verbracht und kämpfe nun wieder – ohne jede Urlaubspause.
Die Proteste in Ukraine erinnern an den Sommer 2025, als ebenfalls Tausende gegen ein Antikorruptionsgesetz auf die Strasse gingen. Damals lenkte Selenskyj nach starkem Druck aus der Bevölkerung ein.












