Schülerproteste in Frankreich setzen Regierung unter Druck
Die Schülerproteste in Frankreich weiten sich aus. Hunderte Schulen und Hochschulen sind betroffen, seit Protestbeginn wurden rund 6100 Menschen festgenommen.

Die Schülerproteste in Frankreich gehen weiter und erhöhen rund sechs Monate vor der Präsidentschaftswahl den Druck auf die Regierung. Nach den Grosskundgebungen am Dienstag setzte sich die Mobilisierung am Mittwoch fort, berichtet «Le Monde».
Im Mittelpunkt stehen Forderungen nach mehr Personal, kleineren Klassen und besseren Bedingungen an Frankreichs Schulen. Auch Studierende unterstützen die Proteste, während Aktionen inzwischen zahlreiche Schulen und Hochschulen betreffen, so «Le Monde».
Am Dienstag zählte das französische Innenministerium landesweit rund 266'000 Demonstrierende. Die organisierenden Schüler- und Studierendenverbände sprachen dagegen von rund 450'000 Teilnehmenden in ganz Frankreich.
Lecornu kündigt Ansprache zu Protesten an
Nach Beratungen Macrons mit mehreren Ministern kündigte Premier Sébastien Lecornu für Mittwochabend eine Ansprache an, berichtet «Public Sénat». Dabei soll es neben den Schulprotesten auch um Spritpreise, die Agrarkrise und die Finanzlage Frankreichs gehen.

Bisherige Zugeständnisse der Regierung konnten die seit Mitte September andauernden Proteste nicht eindämmen, berichtet «Le Monde». Am Mittwoch waren laut «Le Monde» 459 Gymnasien ganz oder teilweise blockiert und 80 Hochschulstandorte betroffen.
Innenminister Laurent Nuñez setzte am Mittwoch den Einsatz von Blendgranaten bei den Schülerprotesten vorläufig aus. Zuvor hatte ein 15-Jähriger in Lens eine Hand verloren, wobei laut «Reuters» wahrscheinlich eine Polizeigranate die Verletzung verursachte.
Schülerproteste in Frankreich halten unvermindert an
Die Schülerinnen und Schüler kritisieren marode Schulgebäude, überfüllte Klassen und fehlende Lehrkräfte, berichtet «Al Jazeera». Auch fehlende Klimaanlagen in überhitzten Schulgebäuden gehören zu den Beschwerden der Jugendlichen.
Lecornu forderte die Minister auf, bis Ende Oktober Vorschläge als Reaktion auf die Forderungen vorzulegen, berichtet «Al Jazeera». Dabei soll die Regierung unter anderem Möglichkeiten zur Sanierung alter Schulgebäude prüfen.
Die Protestbewegung zeigt laut «France 24» weiterhin keine Anzeichen einer Abschwächung. Seit Beginn der Proteste wurden laut «Reuters» 215 Jugendliche und 715 Polizisten verletzt.
Mehr als 6000 Festnahmen seit Beginn der Proteste
Auch 85 Beschäftigte im Bildungsbereich erlitten Verletzungen, wie die Regierung mitteilte. Seit Beginn der Proteste wurden landesweit rund 6'100 Menschen festgenommen, so «Reuters».

Nach Angaben des Bildungsministeriums wurden bislang 24 Schulen in Brand gesetzt oder durch Vandalismus beschädigt. Die Regierung erwägt, Verantwortliche künftig finanziell für Schäden an Schulen haftbar zu machen.
Am Dienstag beteiligten sich auch Lehrkräfte, Eltern und Gewerkschaften an den landesweiten Demonstrationen. Protestzüge fanden unter anderem in Paris, Lyon, Marseille und weiteren französischen Städten statt, berichtet «Reuters».
















