Russland startet Mega-Rekrutierung an den Unis
Der russische Verteidigungsminister Andrei Beloussow kündigte zuletzt an, auch Studierende zu rekrutieren. Der Köder: Ein bezahlter, sicherer Einjahresvertrag.

Das Wichtigste in Kürze
- Russland rekrutiert junge Soldaten nun auch an Universitäten für den Krieg in der Ukraine.
- Den Studierenden wird ein Einjahresvertrag angeboten - vergütet mit bis zu umgerechnet 57’000 Franken.
- Laut BBC sind seit Kriegsbeginn mindestens 920 russische Drohnenpiloten gefallen.
Russland hat zunehmend Mühe, genügend Soldaten für den Krieg zu rekrutieren. Nun richtet der Kreml seinen Blick auf eine neue Zielgruppe: Studierende an Universitäten und Hochschulen.
Seit Anfang 2026 läuft laut einem Bericht der britischen BBC eine gezielte Kampagne an Bildungseinrichtungen im ganzen Land.
Besonders im Fokus stehen Studierende, die ihr Studium unterbrechen wollen oder bereits Probleme im Studienalltag haben.
Ihnen wird ein Einjahresvertrag angeboten. Sie sollen in den sogenannten «unbemannten Systemtruppen» dienen – dies sind spezialisierte Drohneneinheiten des russischen Militärs.

Grundlage für diese Kampagne war eine Ankündigung von Verteidigungsminister Andrei Beloussow. Er erklärte im November 2025, man wolle vermehrt Rekruten unter 35 Jahren für die Drohnenstreitkräfte gewinnen.
Der Grund: Jüngere Menschen seien gegenüber «neuen Technologien und Geschwindigkeiten» aufgeschlossener.
Hunderte Hochschulen stehen unter Druck
Die Kampagne weitete sich rasch aus. Laut BBC fanden sich bereits im Februar 2026 Hinweise auf Rekrutierungsaktivitäten an mindestens 95 Hochschulen.
Nur zwei Monate später berichtete die russische Studierendenzeitung «Groza» von Verträgen mit Studierenden von fast 270 Bildungseinrichtungen.
Dabei soll der Kreml auch direkt auf die Universitäten Druck ausüben: Diese müssten offenbar bestimmte Quoten erfüllen. Wie hoch diese Quoten sind und wie sie durchgesetzt werden, ist nicht vollständig bekannt.
Den Studierenden werden verschiedene Anreize versprochen. Flugblätter aus Moskau zeigen, dass eine Vergütung von fünf Millionen Rubel geboten wird.
Das entspricht rund 57’000 Franken. Dazu kommen Einmalzahlungen, finanzierte Studienplätze, eine erleichterte Zulassung zu Aufbaustudiengängen sowie bessere Unterkünfte.
Das Militär lockt mit Sicherheit – die Realität sieht anders aus
Ein weiteres Argument des Militärs ist die vermeintliche Sicherheit. Ein Einsatz als Drohnenpilot sei weit hinter der Frontlinie möglich.
Das sei weniger gefährlich als ein klassischer Infanterieeinsatz. Zudem könnten Studierende wertvolle technische Kenntnisse sammeln und danach ihr Studium fortsetzen.

Die Realität auf dem Schlachtfeld widerspricht diesen Versprechen jedoch. Drohnenpiloten sind zu wichtigen Zielen im Krieg geworden. Laut BBC sind seit Kriegsbeginn mindestens 920 russische Drohnenpiloten gefallen. Besonders ab 2024 stieg die Zahl der Toten in dieser Einheit stark an.
Student und Drohnenpilot
Valery Averin, ein ehemaliger Student und Drohnenpilot, war 23 Jahre alt, als er starb. Er hatte drei Monate lang eine Ausbildung als Drohnenbediener absolviert. Dann wurde er in einen Frontalangriff geschickt.
Seine Pflegemutter Oksana Afanasyewa sagt gegenüber der BBC: «Er studierte drei Monate lang Drohnen und trotzdem warfen sie ihn in einen Frontalangriff, in den Fleischwolf.»
Averin wuchs in einem Waisenhaus in Ostsibirien auf. Mit elf Jahren kam er in eine Pflegefamilie. Zum Zeitpunkt seiner Rekrutierung befand er sich im letzten Ausbildungsjahr an einer technischen Bauschule.
Nur 10 bis 15 Prozent landen bei Drohnen-Einheit
Artjom Klyga, ein russischer Exil-Menschenrechtler, sagt gegenüber dem ZDF: «Nur etwa 10 bis 15 Prozent landen bei den Drohnen-Einheiten. Es ist eine Rekrutierung für den Militärdienst.»
Bei den bestätigten Verlusten zeigen sich kaum Unterschiede zu den Artillerieeinheiten. Also zu Soldaten, die mit schweren Waffen an der Front kämpfen. Von einem sicheren Einsatz kann somit keine Rede sein.















