Russland will die Blockade Leningrads zwischen 1941 und 1944 durch die Nationalsozialisten als Völkermord anerkennen lassen.
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Aufnahme vom 26. November 1941: Truppen rücken durch einen Wald an der russischen Front vor, um Leningrad von Moskau abzuschneiden. Bis zum Ende der Blockade am 27. Januar 1944 starben rund eine Million sowjetische Zivilisten. - Keystone/AP/str
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Das Wichtigste in Kürze

  • Russland will die Blockade Leningrads als Völkermord anerkennen lassen.
  • Der Staatsanwaltschaft zufolge wurden dadurch mehr als eine Million Sowjetbürger getötet.
  • Das heutige St. Petersburg wurde von 1941 bis 1944 durch die Nationalsozialisten belagert.

Die Staatsanwaltschaft von St. Petersburg hat vor Gericht beantragt, die Blockade der Metropole durch deutsche Truppen unter Kommando des Nazi-Regimes im Zweiten Weltkrieg als Völkermord einzustufen.

Eine entsprechende Eingabe vor dem Stadtgericht sei auf Anweisung von Generalstaatsanwalt Igor Krasnow zum 81. Jahrestag des Beginns der Belagerung gemacht worden, teilte die Behörde der Nachrichtenagentur Interfax zufolge mit. St. Petersburg hiess von 1924 bis 1991 Leningrad.

Die Klage begründet die Behörde damit, dass die Blockade beim Nürnberger Prozess nach Ende des Zweiten Weltkriegs nicht behandelt und als Völkermord eingestuft wurde. Ob mit der Klage auch eine Kompensationsforderung an Deutschland verbunden ist, gab die Staatsanwaltschaft zunächst nicht bekannt.

Krasnow erklärte: «Zwischen 1941 und 1944 wurde Leningrad von den deutsch-faschistischen Okkupanten und ihren Helfern blockiert.» Die systematische Bombardierung habe das Ziel verfolgt, die Bevölkerung zu vernichten und Voraussetzungen für eine Hungersnot zu schaffen. «Insgesamt wurden in der Zeit der Leningrader Blockade mehr als eine Million Sowjetbürger durch die deutsch-faschistischen Okkupanten und ihre Helfer getötet», heisst es in der Mitteilung.

In der Vergangenheit hat die deutsche Regierung mehrfach die historische Verantwortung für das Verbrechen übernommen. 2019 hat sie in einer gemeinsamen Erklärung mit der russischen Führung «in Anerkennung der Verantwortung für das im deutschen Namen begangene Unrecht» zu einer freiwilligen humanitären Geste entschlossen. Bei dieser wurde unter anderem ein Krankenhaus für Kriegsveteranen in St. Petersburg modernisiert.

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