Russland auf Vormarsch – Ukraine kämpft um Kramatorsk
Russland rückt Schritt für Schritt auf den ukrainischen Festungsgürtel im Donbass vor. Ein Fall der Verteidigungslinie hätte weitreichende Folgen.

Im Osten der Ukraine spitzt sich die Lage dramatisch zu. Russland erhöht den Druck auf den ukrainischen Festungsgürtel rund um Kramatorsk und Slowjansk, wie der «Business Insider» berichtet.
Seit Kriegsbeginn 2014 wurde die Region zu einem weitverzweigten Abwehrsystem ausgebaut. Über rund 50 Kilometer erstrecken sich Befestigungen bis nach Druschkiwka und Kostjantyniwka, wie «news.de» erläutert.
Besonders unter Druck steht derzeit die Stadt Kostjantyniwka im Süden des Gürtels. Ukrainische Einheiten versuchen, die Stadt zu halten, um Russland aufzuhalten und einen Vormarsch auf Kramatorsk zu verzögern, so «T-Online».
Russland: Truppen dringen tief vor
Im Osten von Kostjantyniwka haben russische Kräfte laut «T-Online» Industrie- und Uferbereiche am Fluss Krywyj Torez übernommen. Gleichzeitig stossen sie nördlich der Stadt vor und gefährden die südlichen Zugänge zu Kramatorsk.
Auch östlich von Kramatorsk und Slowjansk verschlechtere sich die Lage zusehends. Der französische Militäranalyst Clément Molin hält fest, dass erste russische Einheiten Stellungen rund zehn Kilometer östlich beider Städte erreicht haben.
Besonders besorgniserregend ist die Situation beim Ort Mykolajiwka, rund zehn Kilometer östlich von Slowjansk. Molin schreibt auf X, dass das Dorf «tatsächlich von strategischer Bedeutung ist, da die umliegenden Anhöhen die Stadt Slowjansk überragen».
525 Kinder werden evakuiert
Die Behörden von Kramatorsk reagierten mit einer Kinderevakuierung auf die gefährliche Lage. Der Gouverneur der Region bezeichnete den Schritt «news.de» zufolge als «schwierige, aber notwendige Entscheidung».
Trotz der zunehmenden Gefahr leben in Kramatorsk und Slowjansk noch immer über 83'000 Menschen. Viele Bewohner haben ihre Heimat bislang nicht verlassen.
Sollte Russland den Verteidigungsgürtel durchbrechen, könnten Moskaus Truppen ihre Offensive weiter nach Westen und Norden ausdehnen. Städte wie Dnipro und Charkiw gerieten dann noch stärker unter Druck.
Putins Ziel bleibt die Kontrolle über Donezk
Kremlchef Wladimir Putin verfolgt laut «Business Insider» das erklärte Ziel, die gesamte Region Donezk unter russische Kontrolle zu bringen. Ob dies noch 2026 gelingt, gilt als fraglich.
Laut dem Institute for the Study of War kamen russische Einheiten im Juni durchschnittlich nur einen Kilometer pro Tag voran. Grosse Teile des Donbass stehen weiterhin nicht unter russischer Kontrolle, berichtet «news.de».
Polens Ministerpräsident Donald Tusk sagte zuletzt vor Journalisten, dass die nächsten 100 Tage über den Ausgang des Krieges entscheiden könnten. Die Chancen stufte er dabei als «50 zu 50» ein, wie «T-Online» berichtet.
Die Ukraine greift ihrerseits an
Parallel zur Defensive im Donbass setzt Kiew auf eine aggressive Drohnenkampagne gegen russische Infrastruktur.

Nahezu täglich werden Angriffe auf Ölanlagen und Logistikziele tief in Russland gemeldet, so «T-Online».
Gleichzeitig führt die Ukraine in der Region Saporischschja Gegenangriffe, um russische Kräfte zu binden. Dieser operative Nutzen soll verhindern, dass Russland weitere Reserven in den Donbass verlegen kann.












