Puschkin-Denkmal weg - Moskau ist sauer auf deutsche Stadt
Hemer im nördlichen Sauerland hat den Zorn des russischen Aussenministeriums auf sich gezogen. Grund ist der Diebstahl einer Bronzestatue des russischen Nationaldichters Alexander Puschkin (1799-1837) aus dem Friedenspark der 35.000-Einwohner-Stadt im Westen Deutschlands.

Eine Sprecherin des Ministeriums in Moskau sprach am Donnerstag von einem Fall russlandfeindlicher Cancel Culture. Das erinnere an die Bücherverbrennungen von 1933, schrieb Sprecherin Maria Sacharowa auf ihrem Blog im Netzwerk Telegram.
Das 1994 eingeweihte Denkmal – ein Geschenk von Hemers russischer Partnerstadt Schelkowo – sollte die Verständigung und Freundschaft zwischen Deutschen und Russen feiern. Nun bleiben nur der Sockel mit Puschkin-Inschrift und ein paar rostige Stahlanker.
Am vergangenen Wochenende zwischen Freitag und Samstagfrüh holten Unbekannte die etwa 1,80 Meter grosse und laut Stadt massive Bronzestatue von ihrem Steinsockel. Die Stadt reagierte mit «Bestürzung» und schrieb 1.000 Euro Belohnung für Hinweise auf den Täter aus.
Doch bisher gibt es keine Spur, wie ein Polizeisprecher im Märkischen Kreis sagte. Die Polizei sieht auch keine politischen Motive oder gar kulturelle Vorbehalte gegen den Mitbegründer der modernen russischen Literatursprache im 19. Jahrhundert. «Wir gehen von normalen Metalldieben aus. Die sind da schmerzfrei», sagte ein Polizeisprecher.
Wenn er Recht behält, könnte das Abbild des grossen russischen Dichters womöglich längst eingeschmolzen und zum Kilopreis verkauft worden sein. Puschkin würde damit das Schicksal einer anderen bedeutenden Figur teilen: Nur wenige Tage vor dem Puschkin-Denkmal war nicht weit entfernt von Hemer, in Hagen, eine Bronzestatue von Pippi Langstrumpf gestohlen worden. Auch von ihr fehlt jede Spur, wie die örtliche Polizei mitteilte.










