Prozess wegen Mordes an einem Polizisten in Deutschland begonnen
Sechs Monate nachdem ein Polizist in Deutschland erschossen wurde, hat der Mordprozess gegen den mutmasslichen Täter begonnen.

Zum Auftakt im Landgericht Saarbrücken waren alle Besucherplätze belegt, die Witwe des Opfers war als Nebenklägerin anwesend. «Das ist ein grosser Prozessauftakt mit grossem Medienandrang», sagte der Gerichtssprecher.
Der heute 19 Jahre alte Angeklagte mit deutscher und türkischer Staatsangehörigkeit soll im August 2025 in Völklingen im Saarland – nahe der französischen Grenze – einen 34 Jahre alten Polizeioberkommissar getötet haben. Ihm werden Mord, versuchter Mord und besonders schwerer Raub vorgeworfen.
Die Tat geschah bei einem Polizeieinsatz. Der Anklage zufolge soll der 19-Jährige mehrere Schüsse aus einer Dienstwaffe abgegeben haben, die er einem Kollegen des Opfers entrissen haben soll. Die Polizisten hatten den Mann nach einem mutmasslichen Tankstellenraub fassen wollen.
Der Angeklagte soll auf die Polizisten gefeuert haben, um seine Beteiligung an dem Überfall zu verdecken. Die Staatsanwaltschaft sieht auch die Mordmerkmale der Grausamkeit und der Mordlust als gegeben an. Bei der Tat wurde zudem ein Polizeianwärter verletzt.
Der Angeklagte werde im Prozess Angaben zur Person und zu den Vorwürfen machen, hatte dessen Verteidiger Michael Rehberger vor Beginn gesagt. Der Schüler werde nicht bestreiten, geschossen zu haben. «Es gibt kaum ein Verfahren, wo es mehr Beweise und Zeugen für diese Handlungen gibt», hatte Rehberger der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gesagt.
Das Gericht müsse sich mit den Mordmerkmalen auseinandersetzen, die die Verteidigung infrage stelle. Der Prozess werde zeigen, ob es am Ende ein Mord bleibe oder ein Totschlag sein könnte.
Nach der Tat im August hatte die Anklagebehörde mitgeteilt, dass der Polizeioberkommissar von sechs Schüssen getroffen worden und infolge des Blutverlustes gestorben sei. Schussverletzungen seien unter anderem an Kopf und Rumpf festgestellt worden. Der Beschuldigte habe auch noch auf den Polizisten geschossen, als dieser am Boden gelegen habe, hiess es.
Beim Überfall auf die Tankstelle soll der junge Mann laut Staatsanwaltschaft mit einem Besteckmesser mit abgerundeter Klinge bewaffnet gewesen sein. Er flüchtete zu Fuss und wurde von drei Polizisten verfolgt. Dabei wurde der Mann selbst verletzt und in einer Klinik intensivmedizinisch behandelt.
Da der Angeklagte als Heranwachsender gilt, findet der Prozess vor der Jugendkammer des Landgerichts statt. Das Gericht hat zwölf Termine bis 14. April vorgesehen. Für den ersten Tag seien auch Zeugen geladen, hiess es.
Die Tat hatte deutschlandweit für Bestürzung gesorgt. «Ich bin entsetzt und schockiert angesichts der brutalen Gewalttat in #Völklingen», hatte etwa Innenminister Alexander Dobrindt auf der Plattform X geschrieben.










