Polizeieinsatz gegen friedliche Samstagsmütter in Istanbul

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Türkei,

Die Samstagsmütter waren seit 1995 und bis Ende August jeden Samstag auf den Galatasaray-Platz, um auf die Entführung von Kurden aufmerksam zu machen.

Samstagsmütter
Samstagsmütter bei einer Demonstration in Istanbul. (Archivbild) - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf einer Einkaufsstrasse in Istanbul löst die Polizei eine friedliche Demonstration auf.
  • Die Samstagsmütter machten auf die Verschleppungen von Kurden in den 80ern aufmerksam.

Türkische Sicherheitskräfte haben erneut eine friedliche Demonstration der Samstagsmütter in Istanbul aufgelöst. Auf Videos in sozialen Medien war am Samstagvormittag zu sehen, wie Polizisten eine kleine Gruppe von Demonstranten umringten und Journalisten zurückdrängten.

Auf der Istiklal-Einkaufsstrasse fuhren Polizeipanzer auf. Dort haben die teils schon recht betagten Samstagsmütter und ihre Unterstützer bis Ende August mehr als 700 Wochen ungestört demonstriert und Gerechtigkeit für verschwundene Verwandte gefordert.

Eine Pressemitteilung konnten die Samstagsmütter laut Medienbericht dann doch noch verlesen: einmal vor dem Gebäude des Istanbuler Menschenrechtsvereins und ein weiteres Mal per Lautsprecher aus dem Fenster eines auf der zentralen Einkaufsstrasse gelegenen Büros der Oppositionspartei CHP.

Botschaft an Merkel und Erdogan

Auf Twitter richteten die Samstagsmütter eine Botschaft an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Präsident Recep Tayyip Erdogan, der zu einem Staatsbesuch in Deutschland weilte. Während die beiden in Berlin gemeinsam gefrühstückt hätten, habe man ihnen Gewalt angetan. «Wir protestieren gegen die heuchlerische Politik von Merkel und Erdogan

Sowohl Merkel als auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatten am Freitag in Begegnungen mit Erdogan Menschenrechtsverletzungen in der Türkei kritisiert.

Verschleppung in den 80er und 90er Jahren

Die Samstagsmütter waren seit 1995 und bis Ende August jeden Samstag auf den Galatasaray-Platz auf der Istiklal-Strasse gekommen. Sie machten auf das Schicksal von in den 1980er und 90er Jahren verschleppten und verschwundenen Menschen, vor allem aus den kurdischen Gebieten im Südosten der Türkei, aufmerksam.

Ende August hatte die Polizei die Samstagsveranstaltung zum ersten Mal aufgelöst. Innenminister Süleyman Soylu rechtfertigte das international scharf kritisierte Vorgehen mit dem Argument, dass die Mütter von «der Terrororganisation» ausgenutzt würden. Gemeint ist die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, die in der Türkei, der EU und den USA als Terrororganisation gilt.

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