Politik gibt Rentnern Vorrang – Jugend protestiert
Laut einem Politökonomen gibt die Politik den Rentnern den Vorrang. Das treibt die Jungen in die Arme extremer Parteien – oder auf die Strassen.

Das Wichtigste in Kürze
- Laut einem Politökonomen gibt die Politik oft den Rentnern den Vorrang.
- Dadurch werde zu wenig in soziale Wohnungen, Bildung oder Forschung investiert.
- Das führt zu einer Radikalisierung der Jugend oder grossen Protesten.
In Frankreich, Italien, Albanien, Spanien, Belgien, Portugal und Griechenland gehen Tausende Menschen auf die Strassen. Oft sind es Jugendliche und junge Erwachsene, die zuvorderst mitgehen und Forderungen an die Regierungen stellen.
Tim Vlandas, Politökonom der Universität Oxford, sieht in den Demonstrationen einen gemeinsamen Kern. Der Protest sei eine der drei Optionen, die die Jugend im Kampf gegen die Gerontonomie hat. Dies erklärt er im «Spiegel».
Der Begriff Gerontomonie setzt sich aus den griechischen Wörtern für «alt» und «Wirtschaft» zusammen. Er beschreibt ein Wirtschaftssystem, das zunehmend im Interesse und im Dienst der älteren Generation betrieben wird.
In vielen Ländern sind die Rentner eine der grössten Wählergruppen – und es werden immer mehr. Deshalb räume die Politik ihnen Vorrang ein, sagt Vlandas. «Die Regierungen halten eher die Renten stabil, als das Geld in Bildung, Forschung oder sozialen Wohnungsbau zu investieren.»
Dabei seien Investitionen in einer alternden Gesellschaft wichtig, um zu wachsen. «Die jahrelange wirtschaftliche Stagnation ist aber demokratisch legitimiert», sagt der Politökonom. Es sei ein gefährlicher Teufelskreis.
Die Rentner hätten eigentlich schon Interesse an wirtschaftlichem Wachstum. Doch eine verlässliche Altersversorgung sei ihnen wichtiger als gute Schule. «Und wer ein Haus besitzt, profitiert sogar von einem überhitzten Wohnungsmarkt.»

Die politische Macht der älteren Generationen lässt sich am Rentenalter sehen: Dieses zu erhöhen, komme einem «elektoralen Selbstmord» gleich, so Vlandas.
Emmanuel Macron sei daran «fulminant gescheitert», Keir Starmer habe keine Anpassung vorgenommen. Andy Burnham gehe sehr zaghaft vor und warte zuerst die nächsten Wahlen ab.
Diese drei Optionen hat die Jugend
Für die Jugend gibt es laut Vlandas drei Optionen, um auf die Gerontonomie zu reagieren.
Erstens könne sie apathisch reagieren, erklärt der Politökonom. Dadurch würde die Wahlbeteiligung weiter sinken und Junge noch weniger vertreten sein.
Die zweite Option sei «eine Radikalisierung des Wahlverhaltens». Weil die grossen Parteien viel Rücksicht auf Rentner nehmen, wenden sich Junge den kleinen und häufig extremen Parteien zu.
Und die dritte Option ist der Protest. Politökonom Tim Vlandas sagt: «Insofern sollte es niemanden überraschen, wenn nun Schüler und Studenten auf die Strasse gehen.»


















