Online-Prostitution: Frankreich ermittelt gegen Schweizer
430’000 Besuche täglich, mehr als 45’000 Inserate, Hunderte Angebote von Minderjährigen: Der Betreiber hinter der Website soll ein Schweizer sein.

Das Wichtigste in Kürze
- Französische Ermittler prüfen Inserate der grössten Prostitutions-Plattform Frankreichs mit mutmasslich minderjährigen Sexanbietern.
- Hinter der Plattform soll ein Schweizer stecken, der jährlich 20 Millionen Euro mit der Website verdient.
- Nun soll der Zugriff auf Schweizer Firmendaten ermöglicht werden – und Frankreich fordert eine Zusammenarbeit mit der Schweiz.
Die Website «Meslibertines», früher «Sexemodel», steht im Zentrum eines brisanten Justizfalls. Wie «Radio France» berichtet, hat die Pariser Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen die Plattform aufgenommen.
Die Dimensionen sind enorm: Rund 430’000 Menschen besuchen die Website jeden Tag. Mehr als 45’000 aktive Anzeigen für Escort- und Prostitutionsdienstleistungen sind online.
Besonders brisant: Darunter sollen sich mehrere hundert Inserate befinden, in denen sexuelle Dienstleistungen von Minderjährigen angeboten werden.
Auf die problematischen Inserate aufmerksam geworden ist die französische Hochkommissarin für Kinderrechte. Sie wandte sich an die Staatsanwaltschaft und fordert die Schliessung der Website. Daraufhin wurden die Ermittlungen eingeleitet, wie «France Inter» berichtet.
Schweizer Betreiber in Dubai
Im Visier der französischen Behörden steht auch der Mann hinter dem Millionen-Geschäft: Ein 47-jähriger Schweizer Staatsbürger, der heute in Dubai leben soll.
Laut «France Inter» soll er mit der Plattform mehr als 20 Millionen Euro (über 19 Millionen Franken) pro Jahr verdienen.
Der Betreiber ist den französischen Behörden keineswegs unbekannt. 2011 wurde er in Frankreich wegen schwerer Zuhälterei verurteilt.
Er erhielt drei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung. Einen internationalen Haftbefehl gegen ihn vollstreckten die Schweizer Behörden damals nicht.

Bereits 2025 hatte das französische Online-Medium «Mediapart» eine umfangreiche Recherche über den Schweizer veröffentlicht. Demnach soll er über rund 20 Jahre ein internationales Netzwerk rund um Online-Prostitution aufgebaut haben.
Seine Geschäfte soll er dabei über Strohmänner und Briefkastenfirmen in der Schweiz und auf Zypern abgewickelt haben.
«Bedarf Zusammenarbeit mit Schweizer Behörden»
Die Plattform hat ihren Sitz in der Schweiz. Für die französischen Ermittler ist das ein Problem. Sie können nicht einfach auf Schweizer Firmen- und Geschäftsdaten zugreifen.
Deshalb haben die französischen Behörden ein Rechtshilfeersuchen an die Schweiz gestellt.
Die Website selbst bezeichnet sich als blosse «Anzeigenvermittlerin». Sie distanziere sich von allen Kontakten, die aus ihren Inseraten entstehen. Zudem betone sie eine «Null-Toleranz-Politik» gegenüber illegalen Aktivitäten.
Der Leiter der französischen Zentralstelle zur Bekämpfung des Menschenhandels widerspricht dieser Darstellung.
Gegenüber dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk sagte er: «Sie wissen genau, dass es unter den Tausenden von Anzeigen einige gibt, bei denen sie sich einer Straftat schuldig machen. Aber die französischen Justizbehörden können nicht allein handeln, es bedarf einer Zusammenarbeit mit den Schweizer Behörden.»















