Nach Messerattacke: Fahrzeuge brennen in Belfast
Nach einer Messerattacke in Belfast ist ein 30-jähriger Sudanese wegen versuchten Mordes angeklagt worden – in der Stadt kommt es daraufhin zu Krawallen.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein sudanesischer Asylbewerber hat in Belfast einen Mann mit einem Messer attackiert.
- Daraufhin ist es in der nordirischen Hauptstadt zu Krawallen gekommen.
- Sie zündeten mehrere Fahrzeuge an – später standen auch Häuser in Flammen.
Ein 30-jähriger sudanesischer Asylbewerber ist nach einer Messerattacke in Belfast wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt worden. Das Opfer, ein Mann in den Vierzigern, liegt nach schweren Verletzungen an Augen, Gesicht und Rücken mit ernstem Zustand im Spital.
In einem im Netz kursierenden Video ist zu sehen, wie der Angreifer auf dem blutüberströmten Opfer kniet, ein Messer an dessen Kehle hält und die Faust in die Luft reckt. Zwischendurch hebt er das Messer in die Höhe und ruft etwas.
Nach einer Weile wagen sich mehrere Männer in die Nähe und versuchen den Angreifer von seinem Opfer zu trennen. Die Polizei bat darum, das Video nicht zu verbreiten, und erklärte, es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Der Vorfall ereignete sich demnach am Montagabend.
In Belfast stehen Häuser und Autos in Flammen
Da der mutmassliche Täter aus dem Sudan stammt, befürchteten die Behörden, der Vorfall könne als Anlass für rassistisch motivierte Krawalle genommen werden. So rief etwa Grossbritanniens bekanntester Rechtsextremist Tommy Robinson kurz nach der Tat über soziale Medien zu «Flash-Protesten» im ganzen Land auf.
Online kursierten Aufrufe, bei denen Männer über 18 aufgefordert wurden, dunkle Kleidung zu tragen und sich «auf Verhaftungen oder Auseinandersetzungen vorzubereiten».
Tatsächlich kam es am Dienstagabend dann zu Protesten in der nordirischen Hauptstadt Belfast, wo es zu der Messerattacke kam. Mehrere Hundert Menschen hatten sich versammelt, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. Die zunächst friedlichen Proteste arteten jedoch gegen Abend in Krawalle aus.
Vermummte Rechtsextreme zündeten mehrere Fahrzeuge an, darunter ein Bus und auch ein Polizeiauto. Wie in Luftaufnahmen im Nachrichtensender «Sky News» zu sehen war, stieg in mehreren Teilen der Stadt schwarzer Rauch auf. Kurz vor Mitternacht meldete die BBC ausserdem, dass in Belfast mehrere Häuser in Flammen gesetzt wurden.
Politiker fordern Aufklärung
Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Messerattacke in Belfast als «widerlich», betonte aber, er dulde keine derartigen Gewaltszenen auf britischen Strassen. Er lobte jene Passanten, die eingegriffen hatten. Auch Nordirlands Erster Minister Michelle O'Neill rief zur Ruhe auf und mahnte, der Anlass sei «nicht der richtige Zeitpunkt» für eine Einwanderungsdebatte.
Reform-UK-Chef Nigel Farage kritisierte die Vergabe von Aufenthaltsgenehmigungen scharf. Laut «Daily Mail» sagte er, Aufenthaltstitel würden «wie Smarties» an Menschen verteilt, über die man nichts wisse. Auch Conservative-Parteichefin Kemi Badenoch forderte rasche Transparenz über den Hintergrund des Täters.
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Elon Musk meldete sich ebenfalls auf X zu Wort: Auf einen Beitrag, der «Konsequenzen» für Politiker der Einwanderungspolitik forderte, antwortete er demnach, dieser Tag könne «gar nicht schnell genug kommen».
Wie die «Daily Mail» berichtet, soll der Verdächtige laut Polizeichef Jon Boutcher im Februar 2023 über Paris nach Dublin gereist und von dort mit dem Bus nach Belfast eingereist sein – unter Nutzung der Common Travel Area zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich. Dort habe er sofort Asyl beantragt und im September 2023 eine auf fünf Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung erhalten.
Kontext: Erneute Spannungen
Bereits vergangene Woche kam es im südenglischen Southampton zu Krawallen am Rande eines Protests. Auslöser war die Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen, die einen krassen Polizeifehler nach der tödlichen Messerattacke eines Manns aus der Sikh-Gemeinschaft auf den Studenten Henry Nowak zeigten.
Statt den Mörder festzunehmen, der sich als Opfer eines rassistischen Übergriffs darstellte, hatten die Polizisten dem sterbenden Nowak Handschellen angelegt.

In Southampton gingen auch am Dienstag nach der Belfast-Attacke erneut Menschen auf die Strasse, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. Laut Berichten versammelten sich in der südenglischen Stadt etwa Dutzende Demonstranten vor dem Highfield House Hotel, einem Unterkunftszentrum für Asylbewerber. Auch in London gab es Proteste.

















