Belfast: Rechtsextreme wüten nach Messerattacke – Häuser brennen
Nach einer Messerattacke in Belfast ist in der Stadt zu Ausschreitungen gekommen. Rechtsextreme haben Häuser und Autos angezündet.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein sudanesischer Asylbewerber hat in Belfast einen Mann mit einem Messer attackiert.
- Daraufhin ist es in der nordirischen Hauptstadt zu Krawallen gekommen.
- Rechtsextreme zündeten mehrere Fahrzeuge an – später standen auch Häuser in Flammen.
- Ein Pastor beschreibt, dass Menschen vertrieben worden seien, «nur weil sie schwarz» sind.
Im Zuge von Protesten gegen Einwanderung in der nordirischen Hauptstadt Belfast ist es am späten Dienstagabend zu brutalen Krawallen gekommen. Vermummte Rechtsextreme zündeten zunächst mehrere Fahrzeuge an, darunter ein Bus und auch ein Polizeiauto.
Wie in Luftaufnahmen im Nachrichtensender «Sky News» zu sehen war, stieg in mehreren Teilen der Stadt schwarzer Rauch auf. Kurz vor Mitternacht meldete die «BBC» ausserdem, dass in Belfast mehrere Häuser in Flammen gesetzt wurden.
Ein Pastor, der in der Nacht Betroffene der Ausschreitungen betreute, berichtete gegenüber des britischen Senders von gezielten Angriffen auf Schwarze Bewohner im Norden der Stadt. Jack McKee war vor Ort, als rund um die Crumlin Road mehrere Häuser brannten.
«Sie werden vertrieben, nur weil sie schwarz sind»
Der Pastor sagte, dass Kirchenmitglieder, «die seit 20 Jahren bei uns sind», aus ihren Häusern vertrieben worden seien. Er berichtete von eingeschlagenen Fenstern und angezündeten Nachbarhäusern. «Das sind gute christliche Menschen, und sie werden vertrieben, nur weil sie schwarz sind», sagte McKee.
McKee verurteilte zwar die Messerattacke vom Vorabend – «wir sind alle angewidert» – machte aber deutlich, dass die Ausschreitungen niemandem nützten. «Das hilft niemandem.»

Die Vertriebenen würden «wahrscheinlich» nicht mehr in ihre Häuser zurückkehren können. «Männer, Frauen, Kinder leben in Angst wegen dem, was irgendein Idiot letzte Nacht getan hat. Ich bin wütend und enttäuscht, dass das die Reaktion von Menschen in unserer Gemeinschaft ist.»
Brutale Messerattacke auf Video festgehalten
Zum Anlass für ihre Attacken nahmen die Krawallmacher einen Messerangriff vom Tag zuvor, bei dem ein Mann schwer verletzt worden war. Bei dem mutmasslichen Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 30 Jahre alten sudanesischen Asylbewerber. Er wurde inzwischen wegen versuchten Mordes, Waffenbesitzes und Todesdrohungen angeklagt.
Das Opfer, ein Mann in den Vierzigern, liegt nach schweren Verletzungen an Augen, Gesicht und Rücken mit ernstem Zustand im Spital. In einem im Netz kursierenden Video ist zu sehen, wie der Angreifer auf dem blutüberströmten Opfer kniet, ein Messer an dessen Kehle hält und die Faust in die Luft reckt. Zwischendurch hebt er das Messer in die Höhe und ruft etwas.
Nach einer Weile wagen sich mehrere Männer in die Nähe und versuchen den Angreifer von seinem Opfer zu trennen. Die Polizei bat darum, das Video nicht zu verbreiten, und erklärte, es gebe keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Der Vorfall ereignete sich demnach am Montagabend.
Bekannter britischer Rechtsextremist rief zu «Flash-Protesten» auf
Da der mutmassliche Täter aus dem Sudan stammt, befürchteten die Behörden, der Vorfall könne als Anlass für rassistisch motivierte Krawalle genommen werden. So rief etwa Grossbritanniens bekanntester Rechtsextremist Tommy Robinson kurz nach der Tat über soziale Medien zu «Flash-Protesten» im ganzen Land auf.
Online kursierten Aufrufe, bei denen Männer über 18 aufgefordert wurden, dunkle Kleidung zu tragen und sich «auf Verhaftungen oder Auseinandersetzungen vorzubereiten».
Tatsächlich kam es am Dienstagabend dann zu Protesten in der nordirischen Hauptstadt. Mehrere Hundert Menschen hatten sich versammelt, um gegen Einwanderung zu demonstrieren.
Die zunächst friedlichen Proteste arteten jedoch gegen Abend in die oben erwähnten Krawalle aus. Rund 100 vermummte Personen blockierten zunächst Strassen, bevor sie dann Autos und schliesslich Gebäude anzündeten.
Politiker fordern Aufklärung
Premierminister Keir Starmer bezeichnete die Messerattacke in Belfast als «widerlich», betonte aber, er dulde keine derartigen Gewaltszenen auf britischen Strassen. Er lobte jene Passanten, die eingegriffen hatten. Auch Nordirlands Erster Minister Michelle O'Neill rief zur Ruhe auf und mahnte, der Anlass sei «nicht der richtige Zeitpunkt» für eine Einwanderungsdebatte.
Reform-UK-Chef Nigel Farage kritisierte die Vergabe von Aufenthaltsgenehmigungen scharf. Laut «Daily Mail» sagte er, Aufenthaltstitel würden «wie Smarties» an Menschen verteilt, über die man nichts wisse. Auch Conservative-Parteichefin Kemi Badenoch forderte rasche Transparenz über den Hintergrund des Täters.
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US-Milliardär Elon Musk meldete sich ebenfalls auf X zu Wort: Auf einen Beitrag, der «Konsequenzen» für Politiker der Einwanderungspolitik forderte, antwortete er demnach, dieser Tag könne «gar nicht schnell genug kommen».
Wie die «Daily Mail» berichtet, soll der Verdächtige laut Polizeichef Jon Boutcher im Februar 2023 über Paris nach Dublin gereist und von dort mit dem Bus nach Belfast eingereist sein – unter Nutzung der Common Travel Area zwischen Irland und dem Vereinigten Königreich. Dort habe er sofort Asyl beantragt und im September 2023 eine auf fünf Jahre befristete Aufenthaltsgenehmigung erhalten.
Kontext: Erneute Spannungen
Erst in der vergangenen Woche kam es in der südenglischen Stadt Southampton zu Krawallen am Rande eines Protests. Auslöser war die Veröffentlichung von Bodycam-Aufnahmen, die einen krassen Polizeifehler nach der tödlichen Messerattacke eines Manns aus der Sikh-Gemeinschaft auf den Studenten Henry Nowak zeigten.
Statt den Mörder festzunehmen, der sich als Opfer eines rassistischen Übergriffs darstellte, hatten die Polizisten dem sterbenden Nowak Handschellen angelegt.

In Southampton gingen auch am Dienstag nach der Belfast-Attacke erneut Menschen auf die Strasse, um gegen Einwanderung zu demonstrieren. Laut Berichten versammelten sich in der südenglischen Stadt etwa Dutzende Demonstranten vor dem Highfield House Hotel, einem Unterkunftszentrum für Asylbewerber. Auch in London gab es Proteste.

















