Italiens Justizministerin hat von Chile die Auslieferung dreier Männer erbeten, die zusammen mit weiteren südamerikanischen Ex-Militärs von einem Gericht in Rom zu lebenslanger Haft verurteilt worden waren. Marta Cartabia unterzeichnete dazu ein Gesuch auf vorläufige Festnahme und Überstellung der drei Chilenen, wie die Nachrichtenagentur Ansa am Samstag berichtete. Es sei an die italienische Botschaft in Santiago de Chile geschickt worden.
Hammer im Gerichtssal
Nach dem Cóndor-Prozess will Italien die Auslieferung dreier Chilenen. (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Mehr als 40 Jahre nach den Taten hatte das höchste Gericht in Italien mehr als 20 Ex-Militärs aus Südamerika zu lebenslanger Haft verurteilt.

Sie hatten mit einem breit koordinierten Plan damals zahlreiche Oppositionelle entführt - darunter Dutzende italienischstämmige. Der Kassationsgerichtshof in Rom hatte Anfang Juli das Urteil aus vorangegangener Instanz bestätigt. Den Männern aus Uruguay, Chile, Peru und Bolivien wurden Menschenrechtsverletzungen, Mord und Entführung vorgeworfen.

Das Urteil gegen die drei Chilenen wurde bereits Anfang Juli rechtskräftig, da sie im Gegensatz zu den anderen Angeklagten auf die Berufung vor dem Kassationsgericht verzichtet hatten, wie Medien in Italien und Chile berichteten. Die drei Männer wurden des Mordes an zwei italienischen Staatsbürgern schuldig gesprochen.

Alle Angeklagten sollen in den sogenannten Plan Cóndor verwickelt gewesen sein, über den rechte Militärdiktaturen in Südamerika in den 1970ern und 1980ern gemeinsam gegen Oppositionelle vorgingen. Zahlreiche Regierungsgegner wurden auch über Staatsgrenzen hinweg damals verschleppt, gefoltert und getötet. Welche konkreten Folgen das Urteil aus Rom hat, war damals zunächst unklar: Alle Angeklagten waren in Abwesenheit verurteilt worden.

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