Musiker aus zwölf Ländern spielen virtuell zusammen
Die Technik macht es möglich: Musikerinnen und Musiker können miteinander harmonieren, auch wenn sie gar nicht gemeinsam auf einer Bühne stehen. Mit einer «Europasinfonie» soll dafür ein wohlklingender Beweis erbracht und zugleich Musikgeschichte geschrieben werden.

Musikerinnen und Musiker aus zwölf Ländern bilden 2027 ein virtuelles Orchester und werden für ein Konzert in Dresden aus verschiedenen europäischen Städten in Echtzeit zugeschaltet, teilten die federführenden Dresdner Sinfoniker mit.
In die Instrumentengruppen teilten sich namhafte Orchester. Die Dresdner Sinfoniker stellen die Streicher. Das Estnisches Nationalsinfonieorchester steuert Tuba und Posaunen bei. Die Flöten sitzen im Orchestra Sinfonica di Milano in Italien, die Trompeten beim No Borders Orchestra aus Serbien und die Klarinetten im Athens State Orchestra aus Griechenland. Brussels Philharmonic (Belgien) stellt das Schlagwerk, das Mozarteum Salzburg und die Tschechische Philharmonie bringen Chöre ein.
Auch das Orquesta Sinfónica de Madrid (Fagotte), die Pannon Philharmonic (Ungarn/Hörner), die Sinfonia Varsovia (Polen/Oboen) und die Birmingham Contemporary Music Group (Klavier/Celesta und Harfe) wirken an dem grenzüberschreitenden Projekt mit – obwohl sie bis zu 2200 Kilometer voneinander entfernt sind. Möglich wird das durch eine speziell dafür entwickelte Übertragungstechnik mit extrem geringen Latenzen als Voraussetzung für gemeinsames Musizieren via Internet.
Unter Leitung des Italiener Andrea Molino sollen drei für die «Europasinfonie» geschriebene Werke im Juni 2027 in Dresden uraufgeführt und per Satellit in alle Welt übertragen werden. In Bälde beginnt der Kompositionswettbewerb. Von Anfang Mai bis Ende Juli dieses Jahres können Beiträge eingereicht werden. Eine internationale Jury will Anfang Oktober die Gewinner bekanntgeben. Sie erhalten jeweils Preisgelder von 14'000 Euro. Das Projekt wird durch die Europäische Kommission gefördert.
Die «Europasinfonie» soll aber mehr als ein einmaliges Konzert sein. Geplant ist der Aufbau eines Netzwerks von Hochschulen mit sogenannten Low-Latency-Studios in ganz Europa. Low Latency (Reaktionszeit) ist entscheidend für Echtzeitanwendungen. Musikstudierende, Orchester und Komponisten sollen sich über Ländergrenzen virtuell verbinden. Auf diese Weise will man internationale Projekte ermöglichen und durch Verzicht auf Flugreisen auch den ökologischen Fussabdruck der Musikbranche reduzieren, hiess es.














