Die am kommenden Sonntag (5. September) geplante Amtseinführung des serbisch-orthodoxen Metropoliten Joanikije sorgt in Montenegro für schwere Spannungen. Anhänger der staatlichen Identität Montenegros lehnen die Zeremonie in der historischen Hauptstadt Cetinje vehement ab. Sie kündigten Proteste an.
Wahlplakat in Montenegro
Wahlplakat in Montenegro - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Die serbisch-orthodoxe Kirche leugnet die staatliche Identität Montenegros und betrachtet das kleine Balkan- und Adrialand als einen Teil Serbiens.

Die Pro-Montenegriner sehen in der Zeremonie im ehemaligen Fürsten- und Königssitz Cetinje eine Machtdemonstration des proserbischen Lagers. Bereits am Sonntag vor einer Woche hatten Tausende von ihnen in Cetinje demonstriert.

Am Wochenende schaltete sich nun auch Präsident Milo Djukanovic ein. Er forderte die serbisch-orthodoxe Kirche eindringlich dazu auf, die Inthronisierung zu verschieben oder aus Cetinje wegzuverlegen. Geschehe das nicht, werde er sich persönlich dem Protest der Gegner anschliessen, sagte er am Samstag vor Journalisten in Podgorica. «Ich werde dort sein, wo die Ehre und Würde unseres Staates verteidigt wird», fügte er hinzu.

Als Präsident hat Djukanovic erstmals seit gut 30 Jahren keine Kontrolle über die exekutive Macht, nachdem die Präsidentenpartei DPS vor genau einem Jahr die Parlamentswahl knapp verloren hatte. Der neue Ministerpräsident Zdravko Krivokapic und etliche Minister stehen der serbisch-orthodoxen Kirche nahe. Das Kabinett wird von proserbischen Parteien unterstützt.

«Er soll endlich damit aufhören, Spannungen und Konflikte zu provozieren und zu schüren», sagte Krivokapic am Wochenende an Djukanovic gerichtet. Eine Gruppe von 19 Intellektuellen aus fünf ehemals jugoslawischen Ländern wandte sich indes mit einem Aufruf an die Europäische Union (EU) und die USA, die serbische Expansionspolitik in Montenegro zu stoppen.

Die geplante Zeremonie in Cetinje würde «einen symbolischen Akt der völligen Unterwerfung Montenegros unter die gross-serbische Politik bedeuten», hiess es in dem Appell. Frieden und Sicherheit in Montenegro stünden auf dem Spiel, mit Auswirkungen auf die gesamte Region. Unterzeichnet haben das Dokument unter anderen die ehemalige kroatische Aussenministerin Vesna Pusic und die Präsidentin des Helsinki-Komitees in Serbien, Sonja Biserko.

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